Aktueller Lehrerarbeitsmarktbericht der GEW

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die GEW hat die Untersuchung Teilarbeitsmarkt Schule – Arbeitsmarktbericht für das Jahr 2007 vorgelegt und kommt hier zur Erkenntnis, die alle an Schulen Beschäftigten sicher insgeheim schon hatten: Es gibt zu wenig Lehrer und es werden zu wenig eingestellt! Da die Pensionierungswelle in den nächsten Jahren ungebremst auf uns zurollt, ist eine wichtige Aussage: Die Einstellungschancen für ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland sind gegenwärtig gut! Die Frage ist nur, zu welchen Bedingungen: größere Klassen und erweiterte Aufgaben drohen. Dass Lehrerinnen und Lehrer schon lange nicht mehr nur Unterrichtende sind, sondern auch sozialpädagogische Aufgaben in, je nach Schule, fast gleichem Maße übernehmen, lässt befürchten, dass dadurch weniger junge Leute gewillt sind, den Lehrberuf zu ergreifen, denn im Jahr 2007 bleiben die Neueinstellungen knapp 3.800 Personen hinter den von der KMK erwarteten 25.000 Neueinstellungen zurück, wie die GEW - Untersuchung feststellt. In Rheinland - Pfalz lindern diese Problematik die Seiten- und Quereinsteiger sowie sie sogenannten PES - Kräfte. Das sind meist Lehramtsstudenten, die entweder vor dem ersten Staatsexamen oder vor der Referendarsausbildung stehen und stundenweise, manchmal sogar wochenweise größere Unterrichtsausfälle abfangen.

Eine Durchsicht der Daten erlaubt die Feststellung, dass Seiteneinsteiger bundesweit überwiegend im beruflichen Schulwesen (z.B. in Mecklenburg-Vorpommern 28/31und in Sachsen-Anhalt 14/15) und an den Gymnasien (z.B. in Bayern 34/34, in Hamburg 37/48 und in Rheinland-Pfalz 37/55) eingestellt werden, folgert die GEW und führt weiter aus, dass in keinem Bundesland, in denen die Schulform der Hauptschule vorkommt, Seiteneinsteiger in dieser Schulform eingestellt werden.

Ob man wirklich von Lehrermangel sprechen kann, wird fraglich, wenn man liest, dass 30.000 Lehrerinnen und Lehrer den 12.203 Einstellungsmöglichkeiten gegenüber gestanden haben. Damit wären in diesem Jahr rund 17.800 fertig ausgebildete Lehrkräfte ohne Anstellung geblieben.

Wo sind diese Kolleginnen und Kollegen? Ich persönlich kenne keinen. Sie?

Ihr

 

Gernot Herz

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Barbara, 10.03.2009 13:08:
Gedanken... - wie wäre es, wenn in Schulen interdisziplinär ausgebildetes Personal die Regel wäre / nicht: "Seiteneinsteiger"!?! Auch in diesem Artikel wird zu Recht bestätigt, dass LEHRER - mir gefällt ALLGEMEINPÄDAGOGE besser - vielfältige Aufgaben zu bewältigen hat; u.a. sozialpädagogische! Ich bin selbst Spätstudierende "Integrative Heilpädagogik / Inclusive Education" und bekomme tatsächlich umsetzungsfähiges Handlungswerkzeug für einen SINNvollen Unterricht, der sowohl SchülerInnen, wie LehrerInnen wieder Freude macht! In diesem Sinne freue ich mich über einen weiteren Austausch und will auch an dieser Stelle meine Begeisterung für diese Plattform aussprechen!!! Herzliche Grüße Barbara Reis
Claudia, 10.03.2009 15:34:
Keine Seiten- oder Quereinsteiger an Hauptschulen?? Da ist wohl jemand falsch informiert. Ich kenne in meinem Arbeitsumfeld Hauptschule mindestens 5 Kollegen, die aus anderen Berufen stammen und ohne entsprechende Prüfungen als Lehrkräfte tätig sind. Wobei ich es kaum verstehen kann, dass sie es tun; denn sie erhalten deutlich weniger Gehalt. An der Hauptschule müssten nicht nur mehr Lehrer sondern vor allem Sonder- bzw. Heilpädagogen eingesetzt werden. Am besten zu jeder Klasse eine(r). Denn der klassisch ausgebildete Lehrer ist alleine häufig überfordert durch die große Anzahl extrem schwacher oder verhaltensauffälliger Schüler. Alleine in einer meiner fünften Klassen müssten dreizehn(!) von 21 unbedingt individuell betreut werden. Ähnlich ist das Bild bei den Kollegen anderer Schulen. Die Karre "Schule" ist inden letzten 25 Jahren prächtig in den Schlamm gesetzt worden. Schlimm!
Hans, 11.03.2009 14:03:
Wenn Sie keine ausgebildeten Lehrer ohne Anstellung kennen, müssen sie mal Augen bzw. Ohren aufsperren. Ich selbst, fertiger Förderlehrer, habe ebenso wie über 40% unseres Abschlussjahrgangs keine Anstellung bekommen.Allerdings hatte ich das Glück in einer privaten Institution eine Stelle zu finden.Und das, obwohl der Ruf nach individueller Förderung immer größer wird!!!
Simone, 11.03.2009 18:52:
Da ich selbst aus Bayern bin und das Referendariat für Hauptschule mache kann ich die Aussage, dass es an HS keine Seiten- oder Quereinsteiger gäbe absolut nicht nachvollziehen! Zum einen kenne ich genügend Kollegen, die nach dem ersten Staatsexamen für einige Monate in der Schule unterrichteten (weil man ja nur im September anfangen kann) und zum zweiten sind diese Kollegen bzw. Quereinsteiger sehr wohl an HS! Allein in meinem Seminar mit 12 Leuten waren 3 schon vor dem Ref. als Lehrer tätig.
Manni, 11.03.2009 21:26:
Also ich kenne einige dieser 17800 Kollegen, die keine Anstellung bekommen haben und bin selbst einer von 17800 Lehrern, die keine Anstellung bekommen haben. Die Stellenausschreibungen über VERENA sind ein Witz, sie lassen die halbe Arbeitskraft verpuffen, in dem dort Stellen für 14 Stunden an insgesamt 5 Wochentagen vergeben werden. Freundlichste Grüße aus NRW
Andi, 16.03.2009 06:00:
Der Begriff Seiten- und Quereinsteiger scheint hier einigen nicht ganz klar zu sein!