Arbeitsplatz am Arbeitsplatz für Lehrerinnen und Lehrer?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Martin Spiewak beschäftigt sich in seinem Artikel unter www.academics.de/wissenschaft/recht_auf_ruhe_35703.html mit der Problematik, wonach außer den Unterrichtsräumen der Lehrer keinen wirklichen Arbeitsplatz an seinem Arbeitsplatz hat und hofft dabei mit dem Bildungsminister aus Baden - Württemberg, Helmut Rau, auf das Konjunkturpaket: Rettet die weltweite Wirtschaftskrise die deutsche Schulkultur? Vielleicht - wenn eine Idee des baden-württembergischen Kultusministers Helmut Rau Wirklichkeit wird. Er schlägt vor, die in Aussicht gestellte Konjunkturspritze für die Bildung vornehmlich einem Zweck zu widmen: jedem Lehrer in der Schule einen Arbeitsplatz einzurichten.



Denn daran mangelt es. Unsere Pädagogen dürfen im Schnitt gerade einmal einen Quadratmeter Tischplatte im Lehrerzimmer ihr Eigen nennen. Auf dem Viereck stapeln sich Bücher und Hefte, Elternbriefe und Kopien für die nächste Klausur. An ein ruhiges Arbeiten ist überhaupt nicht zu denken. Im selben Raum sitzen meist zwei Dutzend andere Kollegen, die reden und rascheln, auf Tastaturen hacken oder sich vernehmlich über den neusten Reformvorschlag der Schulbehörden aufregen.

Wer will es Lehrern da verdenken, dass viele von ihnen nach der letzten Stunde das Weite suchen, um den Rest des Arbeitstages zu Hause zu verbringen? Klassenarbeiten korrigieren, den Unterricht vorbereiten, Zeugnisse schreiben: All dies erledigt die Lehrerschaft am liebsten am heimischen Schreibtisch. Doch die Massenflucht nach Unterrichtsschluss hat negative Folgen. Sie erschwert den Kontakt zu Eltern und Schülern, befördert aufseiten der Lehrer Isolation und Einzelkämpfertum und hemmt die Schulentwicklung. Dass der Unterricht selbst in vielen Ganztagsschulen bereits mittags endet, liegt auch daran, dass nur ein Teil der Lehrer freiwillig bis zum späten Nachmittag bleiben will.

Unterstützung könnte dieser Vorschlag durch die Schaffung von Fakten erhalten, wonach die Zahl der Ganztagsschulen zunimmt, allein in Rheinland - Pfalz zum nächsten Schuljahr 55 neue und der Bedarf somit theoretisch steigt. Allerdings sollte man sich zu viel Hoffnung auf einen eigenen Schreibtisch, vielleicht sogar mit eigenem PC machen, denn ohne eine grundlegende Umstrukturierung der Arbeitszeit, sprich Präsenzpflicht von 8 Stunden je Tag, werden die potentiellen Geldgeber immer wieder darauf verweisen, dass die Lehrerschaft schließlich die Hälfte der Arbeitszeit am heimischen Schreibtisch verbringe. Wollen Sie auf die Möglichkeit der Heimarbeit verzichten und dadurch zu einer längeren Präsenz in der Schule verpflichtet werden. Illusorisch zu glauben, dass man dann daheim sofort die Füße hochlegen kann!

Ihr

 

Gernot Herz

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Monika, 20.03.2009 19:14:
Ich zahle für mein Extra-Arbeitszimmer zu Hause im Schnitt 150 Euro mehr für die Miete der Wohnung - bei der Frechheit des Staates, diese Kosten steuerlich nicht absetzen zu können !! Zu unserer Erreichbarkeit: wir Beamte müssen ja 24 Stunden dienstbereit sein, gesprächsbereit, auch " gefügig und untertan und selbstlos " genannt, sein, zu Hause nach 20 uhr im Feierabend Elternanrufe hinnehmen müssen, ach ja, wollen, also ehrlich gesagt: inzwischen, ja inzwischen, sehne ich mich nach einer geregelten Arbeitszeit, damit wir Lehrer auch mal Privatleben haben und in einen verein gehen können, wo wir nicht jedes 3. mal wegen Dienst fehlen. Oder auch einfach mal Feierabend haben.
Ulrich, 20.03.2009 22:06:
Der Vorschlag ist blendend, zumal den Lehrern ja durch Aberkennung des früheren heimischen Arbeitszimmers durch die Finanzadministratur( steuerliche absetzbare Berücksichtigung) kein Platz mehr dort zur Verfügung steht. Dann wird nämlich den Kollegen die Möglichkeit gegeben, ihren vom eigenen damaligen Herrn Schröder zitierten Nimbus der `faulen Säcke´ leicht revidieren zu können, denn dann ist alles transparent und der Steckuhr-Bildungsindustrie angepasst. Schöne neue Traumwelt, die auch solche Blüten wie leistungsgerechte Bezahlung von Beamten und öffentlichen Angestellten, zumindest als Forderung, geboren hat.
Anne, 22.03.2009 01:06:
Ich finde es immer wieder toll, dass Außenstehende sich in die Arbeitsweisen von Lehrern einmischen. Und was die Arbeitszimmer angeht, so kann ich Monika nur Recht geben. In den Schulen existieren teilweise nicht einmal genügend Räume um den Teilungsunterricht absichern zu können. Wo bitte soll dann ein Lehrer in Ruhe seine Arbeiten erledigen? Aber ich vergaß, meistens gibt es ja im Keller (z.B. Heizungsraum) noch ein gemütliches, freies Plätzchen. Und es ist ja auch kein Problem ständig mit mehreren Kisten Vorbereitungsmaterialien durch die Gegend zu fahren. Die meisten Lehrer mussten ja in den letzten Jahren zum fahrenden Völkchen werden. da ja immer mehr Schulen geschlossen werden. Es gibt bestimmt lohnenswertere Dinge, über die nachgedacht werden sollte.
Gaby, 23.03.2009 18:58:
Die Idee ist genial, da es wirklich wünschenswert wäre, die meisten Arbeiten in der Schule zu erledigen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir das Arbeitszimmer steuerlich nicht mehr geltend machen können, aber trotzdem die Kosten für eben jenes selbst schultern müssen. Welch herrlicher Gedanke ohne den Ballast von Klassenarbeiten und Unterrichtsmaterialiennach Hause zu können und den Feierabend auch einmal genießen zu können.
Horst, 24.03.2009 08:32:
Monika scheint da eine rühmliche Ausnahme zu sein. Die Lehrer die mir bekannt sind sind nur per AB zu errreichen und Rückrufe erfolgen sporatisch. Da ich auf dem Weg zum Berufsschullehrer bin und aus "geregelter Arbeitszeit komme" muss ich kontern, dass mittlererweile von jedem Arbeitgeber mehr als die ca. 8-stündige Präsens erwartet wird. Z.B.findet Fortbildung generell in der Freizeit statt. Wenn es brennt wird man auch schon mal aus dem Feierabend oder Wochenende geholt. Sicher beides Extreme. Die Wahrheit liegt auf dem Tennisplatz ;-) Das war jetzt nur ein Scherz mit einem Kern Wahrheit? Ich sehe es ja gerade als Pflicht an, für Schüler und Eltern in diesen Zeiten erreichbar zu sein. Man braucht man sich nicht zu wundern, dass es für die Jugend keine Vorbilder mehr gibt, wenn nicht mal die Lehrer bereit sind vorzuleben was es bedeutet in einer Gemeinschaft zu leben, die vom gegenseitigen Geben und Nehmen lebt. Ob das mit einem Dienstzimmer zu erreichen ist wage ich zu bezweifeln. Denn dann arbeitet der Lehrer, wenn alle arbeiten. Wer kann ihn dann besuchen? Wenn man Beamter wird sollte man wissen, das unter Umständen mehr von einem verlangt wird als vom Angestellten. Das ist das die Kehrseite des Alimantationsprinzips. Dafür gibt es ja genügend Beispiele, gerade von Lehrern, die die Privilegien des Beamtentums so weitlich ausnutzen, dass es allen Kollegen an Ansehen mangelt. Mit freundlichen Grüßen Horst Müller-Pries
Günter, 24.03.2009 14:19:
Selbst wenn ich einen tauglichen Arbeitsplatz an meinem Dienstort Schule hätte, könnte ich dort nicht alle für die Unterrichtsvorbereitung notwendigen Arbeiten erledigen. Ich müsste immer noch ein Arbeitszimmer vorhalten, in welchem ich nicht nur in Ruhe arbeiten, sondern auch meine gesamte Fachliteratur, meine Unterrichtsdossiers und meine -teilweise der Geheimhaltung unterliegenden- personenbezogenen Unterlagen und Leistungsnachweise aufheben kann. Dafür aber gibt es seit zwei Jahren bei Lehrern keine steuerliche Abschreibung mehr, obgleich diese Aufwendungen eindeutig den Werbungskosten zuzurechnen sind. Das ist ein m.E. momentan zu wenig beachteter Umstand um nicht zu sagen Skandal, der im Zusammenhang mit der Feststellung fehlender oder völlig unzureichender Arbeitsplätze an den Schulen Erwähnung finden muss.