Arbeitszimmer für Lehrer: Wann endet die Zumutung?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Lehrerinnen und Lehrer können seit Januar 2007 das häusliche Arbeitszimmer nicht mehr von der Steuer absetzen. Ein Vorteil von bis zu 1250 Euro im Jahr geht dabei verloren. Doch nun gibt es Hoffnung für die Betroffenen: Das Finanzgericht Münster hält Teile der Neuregelung für verfassungswidrig und ruft deshalb nun das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe an.

Im konkreten Fall hatte ein Finanzamt aufgrund der Regeln, die seit 2007 gelten, einem Lehrer den Abzug der Arbeitszimmerkosten versagt. Denn das Arbeitszimmer kann nur noch dann steuermindernd geltend gemacht werden, wenn es „den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung darstellt". Das sei bei einem Lehrer nicht der Fall.

Der Lehrer zog daraufhin vor Gericht. Die Richter in Münster waren nun der Ansicht, dass die Neuregelung gegen das Grundgesetz verstößt. Dem Lehrer stehe nämlich in der Schule kein Arbeitsplatz zur Verfügung, er muss zu Hause den Unterricht vorbereiten und die Klassenarbeiten korrigieren.

Mit ihrer Entscheidung stellen sich die Finanzrichter aus Münster gegen ihre Kollegen aus Rheinland-Pfalz, die Ende Februar ein anderslautendes Urteil gefällt hatten. Damals hatten zwei Lehrer geklagt; die Finanzrichter waren aber der Meinung, die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts könne "auch in sonstigen Räumen oder einer Arbeitsecke" geschehen. Ein häusliches Arbeitszimmer sei dazu nicht nötig (Az. 3 K 1132/07).

Wer Har Recht? In einer Arbeitsecke oder sonst irgendwo sollen wir unseren Unterricht vorbereiten? Haben Sie auch schon damit angefangen, Ihren Bestand an Unterrichtsmaterialien in die Schule in eine Arbeitsecke zu schleppen? Gestiegene Anforderungen, aber die Kosten dafür sollen Lehrerinnen und Lehrer selbst tragen? Es bleibt zu hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht, ähnlich der Kilometerpauschale, auch diesen Unsinn „kassiert“!

Ihr

 

Gernot Herz

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Günter, 02.06.2009 13:51:
Ich lach mich schlapp! In welche Ecke soll ich denn meine fünf Regalmeter, vom Boden bis zur Decke voller Fachliteratur, Unterrichtsmaterial und sonstigen schulischen Unterlagen, einen Schreibtisch samt PC-Equipment und einen Aktenbock voller Klausuren und anderem Schüler-Material lassen? In Ihrem Bericht müsste nicht von "Betroffenen", sondern von Betrogenen die Rede sein.
stephanie, 02.06.2009 16:57:
Ich fand´s auch sehr witzig... das mit der Arbeitsecke. Zur "Freude" meines Mannes ist die Hälfte unseres riesigen Kellers mit "Ivar" belegt: Darauf türmen sich Akten zu jedem bisher behandelten Thema, Spiele, Bastematerial, Dosen, Kästchen.... Wer kann denn eigentlich so wenig Ahnung vom Lehrerdasein haben, dass er solche (entschuldigung!!) gequirlte Scheiße verbreitet, dass ein Lehrer mit einer Arbeitsecke zurecht kommt??? Wer glaubt denn, dass das einzige Equipment eines Lehrers aus Griffel und Aktentasche besteht??? Ich halt´s nicht mehr aus- wo sitzt dieser Bürohengst, damit ich mit ihm eine Führung durch meinen Keller machen kann. Unsere Grundschule fasst ja noch nicht mal das bestellte Schulmaterial, geschweige denn die zugesandten Ansichtsexemplare! Wo sollte denn da noch Platz für einen Lehrer und sein MAterial sein??? Vielleicht ist es ja auch so gedacht, dass man im Schichtbetrieb dieses Eckchen besucht. Der letzte Lehrer dürfte dann so gegen 22.00 das Eckchen benutzen... Wir hoffen auf eine durchdachte Entscheidung von Menschen, die mehr können und wissen, als das Wort "Schule" fehlerfrei zu schreiben!
Birgit, 02.06.2009 16:59:
Unsere Schule bietet einige Computerarbeitsplätze. Während einer Freistunde gut nutzbar - dennoch bereite ich meinen Unterricht daheim vor, da ich dann "nebenbei" meine Kinderschar noch versorgen kann. Und Freistunden habe ich eher selten. Als Fachlehrerin Religion schleppe ich eh schon eine Menge durch die Gegend. Dazu noch das Material und Bücher für die Vorbereitung - 2 Bandscheibenvorfälle in 12 Monaten. Diese Entscheidung ist doch von vorn bis hinten nicht ordentlich durchdacht worden. Und wer sitzt da am Schreibtisch?! Sicher jemand, der sich mit unseren Arbeitsanforderungen auskennt?!?!?! Wohl kaum!
Sybille, 02.06.2009 18:20:
Da kann ich mich den bereits vorhandenen Kommentaren nur anschließen. Es ist einfach nur so denkbar, dass diese "Arbeitszimmersache" Menschen angeordnet haben, die vom Lehrerberuf keine Ahnung haben. Genau diese Menschen wollen aber auch nur dann "Lehrer sein", wenn gerade Schulferien sind. Nach fast 40 Schuljahren befinde ich mich in Altersteilzeit (in der Ruhephase), weiß also genau, was es bei mir zu Hause zu entrümpeln gab, auch noch gibt, denn ich konnte mich doch nicht sofort von einigen "Sachen" trennen. Für alle aktiven Lehrer - kämpft weiter, denn das häusliche Arbeitszimmer wird mehr denn je zum Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit. Statt Lehrer ein Callcenter, dann wird das häusliche Arbeitszimmer nicht mehr gebraucht. Wehe uns!
Ilse, 02.06.2009 22:59:
Dieser Artikel entspricht voll meiner Meinung. Was Lehrer zu haus leisten und an Arbeitsmaterial sammeln und verarbeiten müssen ist unvorstellbar. Oft ist eine ganze Wohnung Arbeitszimmer!
Claudia, 03.06.2009 08:25:
Da wir zu Hause zwei Hauptschullehrer sind, kann sich jeder Kollege vorstellen, dass es bei insgesamt zwölf verschiedenen Unterrichtsfächern, davon 3 Viertel fachfremd, entsprechend irrwitzig ist mit den Fachmaterialien sich in eine Ecke zurückzuziehen, um den Unterricht vor-/ nachzubereiten bzw. Klassenarbeiten zu korrigieren! Wir wissen nicht mehr, wo wir uns lassen sollenvor Material. Unsre eigenen Kinder haben echt die Nase voll von Schule, da überall was rumliegt. - Denn unsere Schulen bieten wie so üblich noch nicht einmal 1qm Arbeitsplatz, geschweige denn ein ruhiges Plätzchen zum effektiven Unterricht vorbereiten. - Solch schwachsinnige Entscheidungen/ Ideen - wie so viele, die unseren Beruf betreffen (z. B. zu viel Ferien gehören abgeschafft) - stammen von Menschen, deren eigene Arbeitsplätze sich ergeben aus ihrer Unfähigkeit selber Unterricht zu gestalten, ihnen aber die Möglichkeit gibt unser Tun zu be(ver)urteilen oder ihren Frust aus alten Schülertagen an uns auszulassen. Ich frage mich immer wieder, weshalb MdBs/ MdLs Arbeitszimmer brauchen, die aus Steurmitteln ganz selbstverständlich bezahlt werden. die reisen doch durch die Lande um Lobbyistengelder oder andere Vergütungen einzustreichen. Die können doch ihre Telefonate an Call - Centre weiterlaeiten lassen. Denn sie selber sind ja eh nie da. Und ein Notebook funktioniert auch in der günstigen Staatskarosse, oder seh ich das falsch? Es ist leicht auf Lehrern rumzuhacken. Irgendwer muss schließlich an allem schuld sein! Und da uns eh keiner mag, kann ruhig weiter gekloppt werden. Ist ein super gutes Gefühl, wenn man permanent verar...wird (zunehmend schlechtere medizinische Versorgung, mehr Arbeiten, für die man eigentlich gar nicht ausgebildet ist - wie Psychotherapeut/ Streetworker/ Freizeitgestalter für anderer Leute Kinder u.v.m.)und die da oben sich 'nen feinen Lenz gönnen. Wann gehen Lehrer endlich auf die Straße, so wie in Frankreich z. B.?
Meike, 03.06.2009 14:54:
Es ist doch interessant, daß andere Professionen wissen, welche Arbeitsbedingungen ich als Lehrerin brauche. Mein Schrank in der Schule ist randvoll, und zu Hause stehen u.a. 40 (!) Ordner und viele Bücher, die alle akutell sind. Das Material benötige ich für den Unterricht in bis zu 9 Kursen in mind. zwei Fachbereichen für die Berufsschule. Fachliteratur erscheint oft verspätet nach der aktuellen Rechtsprechung. Nun ratet mal, wieviel auf der Festplatte ist? Es sollen also an uns 3.50 Euro gespart werden-lohnt sich das? Da fallen mir ganz andere Berufszweige ein...
Brigitte, 03.06.2009 17:57:
Sehr geehrter Herr Herz, zunächst vielen Dank für die regelmäßigen Informationen. Meine Studienfächer sind Mathematik, Physik und ergänzend Sport. Zu Ihrem Artikel über das Arbeitszimmer: 1. Seit ein paar Jahren ist die Arbeitszeit der schulischen Hausmeister in Berlin neu geregelt worden, seit dem wird das Schulgebäude grundsätzlich um 16.45h abgeschlossen. Nur nach vielen Verhandlungen ist es mir gelungen, seltene persönliche Ausnahmen zu erlangen. D.h. ich werde nicht immer gleich aufgefordert zu gehen, sondern darf das Gebäude in Ausnahmefällen auch 1 Stunde später über die Nottür verlassen. An einer konzentrierten Vorbereitung des Unterrichts ist da nicht zu denken. Vor allem wenn man auch bedenkt, dass ich in Physik, bzw. NaWi durchaus auch Versuche ausprobieren muss und ich 2mal in der Woche bis 16h unterrichte. 2. Zu dem enormen Raumbedarf für meine Unterrichtsmaterialien kann ich mich den vorangegangenen Kommentaren nur anschließen. Je länger wir im Beruf stehen – ich bin seit 1973 tätig - und je vielseitiger der Kollege ist, desto mehr Material hat er auch. Eine Möglichkeit, diese Materialien an der Schule unterzubringen sehe ich nur, wenn wir organisatorische Veränderungen vornehmen und z.B. jeder Lehrer seinen eigenen Unterrichtsraum hat und auch sein Arbeitsmaterial dort lagern kann. Zudem müssten die Lehrer freien Zugang zu dem Schulgebäude haben. Dann gibt es aber wieder Probleme, die Volkshochschulen unterzubringen. Mit freundlichen Grüßen Brigitte Gildner-Fliegner
Karin, 03.06.2009 20:28:
In der Schule Unterlagen liegen lassen? Bei 120 Kollegen, keinem eindeutig zugeordnetem Klassenzimmer, Schrank oder Schreibtisch nicht möglich. Vorbereitung aus dem Blauen??? Oder alle 120 Personen zusammen in die - winzig kleine - Lehrerbibliothek? Vielleicht noch gleichzeitig, um Strom zu sparen. Der guten Vorschläge seitens des Finanzamtes bin ich weiterhin sehr gespannt.
heidi, 11.06.2009 20:13:
Gab es nicht mal ein Schlupfloch, dass nämlich Archive, in denen das Material gelagert wird - und mehrere Meter volle Regale würde ich durchaus als Archiv bezeichnen - voll absetzbar sind? Und mal ehrlich - ein Umbau unserer Schulen in moderne Lernfabriken - einschließlich humaner Arbeitsplätze - würde wohl eher wesentlich teurer kommen. Mal schauen, vielleicht verändert sich ja Schule doch noch - wenn ich dann Oma bin :-). Ansonsten liebe ich mein Arbeitszimmer, indem das Kreativchaos und die Ruhe zu Hause. Meine Reaktion auf die neuesten steuerlichen Maßnahmnen war: Ich habe alle Fachzeitschriften abbestellt, Material, das die Schule, bzw. die Eltern nicht bezahlten,wird nicht mehr gekauft. Schade eigentlich - aber das rechnet sich.