Attacken aus dem Netz
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Mobbing stammt aus dem Englischen und bedeutet Anpöbeln, Fertigmachen (mob = Pöbel, mobbish = pöbelhaft). Das Phänomen, das dahinter steckt, ist der lang andauernde Psychoterror in der Schule, was im Übrigen keine Erscheinung jüngeren Datums ist. Unter Mobbing sind nicht die alltäglichen Schulkonflikte gemeint, sondern Handlungen negativer Art, die durch eine oder mehrere Personen gegen eine Mitschülerin oder einen Mitschüler gerichtet sind und über einen längeren Zeitraum hinaus - ein halbes Jahr oder länger - vorkommen. Mobbing steht für alle böswilligen Handlungen, die kein anderes Ziel haben, als eine Mitschülerin oder einen Mitschüler fertig zu machen. Dazu gehören etwa hinterhältige Anspielungen, Verleumdungen, Demütigungen, Drohungen, Quälereien oder sexuelle Belästigungen. Zunächst treten Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auf. Bereits nach kurzer Mobbingwirkdauer zeigen sich Gedankenautomatismen, und das Denken kreist ständig um die in der Schule erlittenen Quälereien. Daraus ergeben sich Identitäts- und Selbstwertkrisen, neurotische Störungen, Erschöpfungs- und Versagenszustände. Der Betroffene leidet an Versagensängsten und Depressionen und schreibt deswegen dann schlechte Zensuren. Bei besonders erfolgreichem Mobbing kommt es sogar zu Selbstmord. (www.schueler-mobbing.de)
Leider ist Mobbing nicht nur in der Schule, sondern auch im Berufsleben an der Tagesordnung. Neu hinzugekommen ist eine Variante des „Fertigmachens“ via Internet, von der mir ein ehemaliger Studienkollege erzählte. Über das Portal „Wer kennt wen?“ knüpfen die meisten der Schülerinnen und Schüler an seiner Schule Kontakte miteinander und zu anderen und bilden so Netzwerke mit den Menschen, die sie kennen. Dabei reicht zum „Kennen“ einer Person häufig, dass man weiß, wie jemand heißt und aussieht. Das hat eine gewisse Unverbindlichkeit, weil es eher darum geht, möglichst viele Menschen zu kennen und damit zu glänzen. Eine Option in diesem Portal ist das Gründen von Gruppen zu allen möglichen wichtigen und vor allem unwichtigen Themen, wie „Alle, die in wer kennt wen sind“ oder alle, die „Achselhaare eklig“ finden. Jeder kann eine Gruppe zu einem bestimmten Thema gründen und andere User dazu einladen. Tatsächlich gründete ein Mädchen aus der Klasse meines Bekannten eine Gruppe unter verklausuliertem Namen, die gegen eine Klassenkameradin gerichtet war, die häufig, auch für mehrere Tage in der Schule fehlte, aber mutmaßlich nicht „krank“ war. Die Gruppengründerin lud alle Klassenkameraden in diese Gruppe ein, die mehr oder weniger informiert dieser Einladung Folge leisteten und dann als Mitglieder ausgewiesen werden. Der Höhepunkt dieser Aktion war schließlich eine Einladung an die Mutter der gemobbten Schülerin, wodurch die ganze Aktion aufflog und der Schulleitung mitgeteilt wurde.
Ich empfand die Vorgehensweise dieses Mädchens als besonders hinterhältig, da die Unverbindlichkeit des Internets scheinbar die Hemmungen sinken lässt. Hier lässt es sich wunderbar gegeneinander wüten, ohne dass man ihnen dabei in die Augen sehen muss. Man kann effektiv gegen jemanden hetzen, ohne dass das Opfer es mitbekommt. Wenn die Hetze ans Tageslicht kommt, ist die Fraktion der Gegner schon derart eingeschworen, dass es kein Zurück mehr gibt. Als ich meinen Kollegen dann fragte, wie die Sache ausgegangen sei, sagte er betrübt, dass das Opfer nun eine andere Schule besuche, da es aufgrund der Vorfälle morgens wegen Übelkeit und Erbrechen nicht mehr die alte Schule besuchen konnte und wollte.
Ich denke für das Thema Mobbing im Allgemeinen sind die Schule schon mehr sensibilisiert, als für die besonders hinterlistige Web – Variante. Hier tut Aufklärung hinsichtlich der Gefahren der neuen Medien dringend Not, denn die beschrieben Vorgehensweise ist mit Sicherheit auch strafrechtlich relevant, ohne dass diese Tatsache den strafmündigen Schülerinnen und Schülern bewusst ist.
Haben Sie auch schon Erfahrungen mit dem Thema Mobbing in der Schule bzw. mit der Speziellen Internet – Variante gemacht? Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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