Auf dem Weg zum Zentralabitur?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
läutet das das Ende des Bildungsföderalismus ein, was die folgenden Meldungen des Thüringischen Bildungsministeriums und der Homepage des Deutschlandradios verlautbaren: Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christoph Matschie, fordert ein einheitliches Abitur in ganz Deutschland, das gleichwertig und vergleichbar ist. „Der Weg dorthin kann nur über nationale Bildungsstandards beschritten werden. Insellösungen und Sonderwege wie Südabitur oder mitteldeutsches Abitur führen in eine bildungspolitische Sackgasse“, erklärt der Minister und erteilt damit einer weiteren Zersplitterung der Bildungslandschaft eine klare Absage.
In fünf Bundesländern soll es bald einheitliche Abiturprüfungen geben - und zwar in Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle sagte der "Süddeutschen Zeitung", man habe sich auf einen gemeinsamen Aufgabenpool für Deutsch und Mathematik geeinigt. Das stärke die Vergleichbarkeit beim Abitur. Spaenle erklärte, man ziehe auch eine Konsequenz aus den PISA-Studien - sie hatten ein Leistungsgefälle zwischen den Bundesländern gezeigt. Der neue Pool könnte in rund dreieinhalb Jahren erstmals genutzt werden.
Schön wäre es, sollte man denken, damit am Ende alle Schülerinnen und Schüler das gleiche Wissen und Können haben – zumindest auf dem Papier. Tatsächlich schaffen es noch nicht einmal die Lehrpersonen parallel liegender Leistungskurse in den sogenannten Bildungsstandardfächern, die gleichen Klausuren schreiben zu lassen, weil jeder Kollege, jede Kollegin meint, ihre eigene(n) Duftmarken setzen zu müssen. Das hat dann zur Folge, dass Schüler beim Kollegen X mit weniger Punkten in die Abiturprüfungen gehen, als bei der Kollegin Y. Ist es dann noch vergleichbar, sie einheitliche Abiturprüfungen schreiben zu lassen?
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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