Babylonisches Schriftenwirrwarr
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn man wieder einen neuen Jahrgang in Klasse 5 aufnimmt, ist man immer gespannt, wie die neuen Klassen sich zusammenfinden, welche Vorerfahrungen sie mitbringen und wie „typisch“ sie in den Grundschulen im Einzugsbereich der Schule sozialisiert wurden. Ein Klassiker ist auch jedes Mal die Handschrift, die sie mitbringen. Momentan konkurrieren in Deutschland vier verschiedene Handschriften:
1. Die Lateinische Ausgangsschrift, die 1953 eingeführt wurde und noch heute in vielen Grundschulen der „alten“ Bundesländer gelehrt wird.
2. Die Vereinfachte Ausgangsschrift, die sich gegen die oben genannte Schrift schon in vielen Grundschulen der „alten“ Bundesländer durchgesetzt hat.
3. Die 1968 in der DDR eingeführte, in den „neuen“ Bundesländern und auch in Hamburg gelehrte Schulausgangsschrift.
4. Die vom Grundschulverband neu entwickelte Schriftart, die sogenannte Grundschrift, die sich eng an der Druckschrift orientiert.
Interessant ist die Tatsache, dass nach der schulischen Ausbildung die Handschrift oft genug völlig in den Hintergrund tritt und durch Druckschrift in Form von getippten bzw. gedruckten Texten ersetzt wird. Ich persönlich finde die Vereinfachte Ausgangsschrift ästhetisch am dürftigsten und kann auch nicht feststellen, dass Kinder mit der einen oder anderen Handschrift eine bessere oder schlechtere Rechtschreibung haben, auch wenn ein guter Freund, der Rektor an einer Grundschule ist, auf die „Vereinfachte“ schwört. Informationen zu dieser Thematik hat übrigens „Die Zeit“ unter http://www.zeit.de/2011/13/C-Schreibschrift?page=all bereitgestellt. Informationen des Grundschulverbandes zur Grundschrift finden Sie unter http://www.grundschulverband.de/projekte/grundschrift/.
Ihr
Gernot Herz
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