Bildungsreform in Hamburg: Was plant die ungewöhnliche Koalition?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
in Hamburg will die schwarz – grüne Koalition eine Bildungsreform auf den Weg bringen, die von Seiten der Elternschaft massiv kritisiert wird. Zu den wichtigsten Eckpunkten gehören:
- In den neuen Primarschulen sollen Schüler künftig sechs statt nur vier Jahre lang gemeinsam lernen (sieben Jahre, wenn man die Vorschule einrechnet). Ab der vierten Klasse unterrichten auch Lehrer aus weiterführenden Schulen, zum Teil auch in Räumen dieser Schulen, weil die bisherigen Grundschulgebäude nicht ausreichen. Um die Schüler möglichst individuell fördern zu können, sollen die Klassen höchstens 25, in sozialen Brennpunkten höchstens 20 Schüler umfassen.
- Nach der Primarschule soll allein die Zeugniskonferenz entscheiden, welcher Schüler nach der sechsten Klasse welche weiterführende Schule besucht. Die Eltern haben auf die Entscheidung keinen Einfluss. In den Zeugnissen sollen künftig nicht nur Fachnoten, sondern auch Kompetenzen der Schüler stehen. Dafür werden vor allem Gymnasiallehrer in Diagnostik fortgebildet.
- Räumlich getrennte Hauptschulen gab es in Hamburg ohnehin nicht mehr. Bisher wurden Schüler nach der Beobachtungsstufe (Klassen 5 und 6) in Real- und Hauptschulklassen getrennt. Künftig werden sie bis zur 9. bzw. 10. Klasse gemeinsam unterrichtet. Bereits in diesem Schuljahr wurden keine neuen 7. Hauptschulklassen mehr eingerichtet.
- In Stadtteilschulen sollen jetzt Haupt-, Real-, und Gymnasialschüler bis zum jeweiligen Abschluss gemeinsam lernen - eine Art Gesamtschule, die aber nicht so heißt. Das Abitur können sie nach Klasse 12 oder 13 ablegen; an den Gymnasien, die erhalten bleiben, ist dagegen nach 12 Jahren Schluss. Wie die Primarschulen sollen die Stadtteilschulen 2010 starten.
Gemeinsames Lernen bis Klasse sechs? Das geht der Initiative „Wir wollen lernen" zu weit. Sie will das Gymnasium ab Klasse vier vor den Koalitionsplänen und der Gegeninitiative "Eine Schule für alle" retten. Der Rechtsanwalt Walter Scheuerl hat „Wir wollen lernen" gegründet, unterstützt wird die Initiative vom Deutschen Lehrerverband und dem Deutschen Philologenverband. Der Volksentscheid kann frühestens im Sommer 2010 durchgeführt werden - kurz vor dem geplanten Start der Primar- und Stadtteilschulen. Mit dem Hamburger Schulstreit beschäftigt sich Spiegel online sehr ausführlich
Daran sieht man, dass der Wunsch nach längerem integrativem Lernen gegen die Eltern nicht durchsetzbar ist. In der Gesellschaft ist die Dreigliedrigkeit bzw. Zweigliedrigkeit tief verankert und wird verteidigt, sobald es an das „heilige“ Gymnasium geht. Das wird auch immer das Problem der Gesamtschulen (egal wie sie heißen) bleiben, denn ein Nebeneinander mit den Gymnasien führt schnell zu einer Abstimmung mit den Füßen. Und die nächsten Landtagswahlen kommen bestimmt.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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