Blauer Brief: Wie Eltern reagieren
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
letzte Woche wurden sie bei uns in Rheinland – Pfalz an die Eltern geschickt: die Blauen Briefe, „die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Benachrichtigung, mit der die Schule den Eltern eines Schülers (oder dem Schüler selbst, wenn dieser volljährig ist) mitteilt, dass die Versetzung gefährdet ist. Auch Kündigungsschreiben werden oft als Blauer Brief bezeichnet.“ So beschreibt Wikipedia, was gar nicht blau ist und erklärt weiter, dass „die Bezeichnung aus dem 18. Jahrhundert stammt, als Papier noch aus Lumpen hergestellt wurde, oft von Uniformen, die in dieser Zeit preußisch blau waren.“
Aha, also heißt er nicht so, weil die Eltern ihre Kinder blau schlagen, wenn dieser kommt. Eine Maßnahme, die leider immer noch in Elternhäusern vorkommt. Doch nach meiner Erfahrung lassen sich die Eltern eher in folgende Gruppen einteilen:
- Eltern, die den Brief wie alles ohne Regung zur Kenntnis nehmen und außer vielleicht der Unterschrift dem Klassen- oder Fachlehrer keinerlei Rückmeldung geben.
- Eltern, die sich sofort mit den Lehrern in Verbindung setzen und das Gespräch mit dem Interesse suchen, inwiefern da noch die Möglichkeit einer Versetzung besteht.
- Eltern, die jedes Jahr beobachten, dass es knapp wird, aber auch jedes Jahr mitbekommen, wie sich ihr Kind dann doch noch berappelt und das Klassenziel erreicht.
Dass der Blaue Brief bewusst an die Eltern mit dem Ziel geschickt wird, ihnen die Verantwortung für ihre Kinder deutlich zu machen, wird allzu oft vergessen. Die Eltern haben die Pflicht, ihre Kinder zu unterstützen, d.h. sie müssen reagieren. Da der Typ 1 das nicht tut, bleibt der Schule angesichts der zunehmenden Aufgabendichte nichts anderes übrig, als die Eltern deutlicher aufzufordern, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass sie unweigerlich mit im Boot sitzen. In unserer Schule haben wir seit ein paar Jahren die Regelung, einen zusätzlichen Elternsprechtag durchzuführen, zu dem gezielt die Eltern eingeladen werden, deren Kinder versetzungsgefährdet sind.
Das läuft naturgemäß nicht mit 100 prozentigem Erflog, aber führt zumindest bei Eltern und Schülern zur der Erkenntnis, dass sie stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt sind, was in den meisten Fällen eine Reaktion hervorruft.
Sicher sind nicht alle Kollegen froh mit dem zusätzlichen Abendtermin, zumal nicht alle von speziell eingeladenen Eltern aufgesucht werden, aber auch hier sitzen alle in einem Boot.
Sind Sie selbst von der heilenden Wirkung Blauer Brief überzeugt? Welche Maßnahmen sollten Schulen nach Ihrer Ansicht noch in die Waagschale werfen, damit möglichst alle noch das Klassenziel erreichen?
Schreiben Sie mir an
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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