Das Jahr zu wiederholen tut ihm mal gut, oder?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
stellen Sie sich eine Gruppe junger Menschen, sagen wir ungefähr 28 Jungen und Mädchen vor, die den ganzen Vormittag und eventuell auch noch den Nachmittag zusammen in einem 50 Quadratmeter großen Raum verbringen. Ja richtig, eine Klasse, sagen wir ein achtes Schuljahr, dessen Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren alt sind. Wie so etwas geht? Diese Altersmischung? Sitzenbleiber! Wie schwierig und konflikthaltig eine solche Gruppe zu führen, zu unterrichten, zu erziehen usw. ist, kann sich jeder selbst ausmalen, wenn er/sie es nicht schon am eigenen Wohlbefinden bemerkt hat.
Jetzt stellen Sie sich eine andere Gruppe junger Menschen beiderlei Geschlechts im Alter von 14 – 15 Jahren vor, die auch in einer Klasse sitzen. Vier Kinder dürften gar nicht dort sein, denn sie haben das Klassenziel nicht erreicht, aber um eine alters- und entwicklungshomogene Gruppe zusammen zu lassen, die sich durch entstandene soziale Kontakte auszeichnet, nimmt man sie mit. Nein, sie sind nicht wirklich versetzt, aber man hat die Erfahrung gemacht, dass ein Sitzenbleiben das obige Modell bedeuten würde. Es geht offensichtlich immer mehr in diese Richtung. Nicht, dass ich falsch verstanden werde, das Wiederholen auf eigenen Wunsch bzw. nach intensiver Beratung mit den Eltern soll nicht verboten sein. Auch das Wiederholen aufgrund langer Krankheit oder wegen eines Auslandsaufenthaltes. Aber so ein Modell wie oben möchte ich als Lehrer eigentlich nicht erleben und alle anderen Beteiligten auch nicht. Unten würde man sich eher wohl fühlen. Dieser Gedanke muss ja nicht für das Gymnasium gelten, was mich wahrscheinlich vor den Gegenargumenten der Gymnasiallehrer schützt. Ich weiß, dass auch im Bereich der Haupt-, Real-, Werkreal- oder Mittelschule oder wie sie alle heißen kontrovers darüber diskutiert wird, aber hier erkennt man eher die Realitäten, weil man mit ihnen leben muss.
Ihr
Gernot Herz
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