Der Nachhilfemarkt
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mehr als eine Milliarde Euro jährlich geben Deutschlands Eltern für Nachhilfe aus und das vor allem in der Mittelschicht. Denn eine neue Studie zeigt, dass eher gute Schüler für eine Eins als schlechte Schüler gegen die Fünf pauken.
Mehr als ein Drittel aller Nachhilfeschüler hat Noten von drei und besser, zeigt ein Gutachten des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS) in Berlin.
Der Studie zufolge sind es vor allem Kinder einkommensstarker und bildungsnaher Familien, die Nachhilfe-Angebote nutzen. Und es geht nicht mehr darum, Sitzenbleiben zu verhindern oder schlechte Schulleistungen zu kompensieren - Nachhilfe in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch wird zum verlängerten Schultag. Die meisten Nachhilfekunden nehmen die Leistung über einen längeren Zeitraum und nicht nur sporadisch in Anspruch.
Das Berliner Institut hat den Nachhilfe-Markt im Auftrag des Bundesbildungsministeriums untersucht. Und die Forscher sprechen eine deutliche Warnung aus: Die soziale Selektion im Bildungswesen könne sich auch durch die Nachhilfe weiter verschärfen.
Denn Kinder von Eltern unterer Einkommensgruppen nehmen viel seltener Nachhilfe als Schüler aus bildungsnahen Familien, die sich einen solchen Zusatzaufwand leisten können.
Die FIBS-Studie gibt erstmals wissenschaftlich fundierte Einblicke in die Nachhilfesituation bei deutschen Schülern - ein wachsender, aber wenig transparenter Markt, so die Forscher. Die zentralen Ergebnisse:
- Jeder achte bis zehnte Schüler nimmt aktuell Nachhilfe, das sind zwischen 950.000 und 1,2 Millionen Schüler; insgesamt besuchen in Deutschland etwa 9,4 Millionen Schüler allgemeinbildende Schulen. In der Sekundarstufe drückt sogar jeder dritte bis vierte Schüler auch nach Unterrichtsschluss die Schulbank, Mädchen und Jungen etwa gleich häufig.
- Wenn es um bessere Schulnoten ihrer Kinder geht, sitzt das Geld bei deutschen Eltern besonders locker: Durchschnittlich lassen sich die Eltern den Extra-Unterricht etwa 1500 Euro pro Jahr kosten. Insgesamt wird das Marktvolumen privater Nachhilfe von 700 Millionen bis drei Milliarden Euro beziffert. Für realistisch hält das Institut jährliche Elternausgaben von rund 1,2 Milliarden Euro.
Angesichts solcher Zahlen und Ergebnisse könnte man natürlich problemlos auf die Schulpolitik einschlagen und deren Versäumnisse beklagen. Auch wird dem einen oder der anderen Leser(in) der Gedanken kommen, dass solche Summen viel besser ins gesamte Schulsystem investiert würden, da die Gelder dann der Allgemeinheit zugute kämen. Tatsächlich gibt es schon immer Nachhilfe und wird es auch immer geben. Die Frage ist nur, wie geht die Politik mit der steigenden Zahl der Bildungsverlierer um, die auch im Bereich der Nachhilfe aus der schon fast klassisch zu nennenden bildungsfernen Schicht kommt. Interessant wäre eine Studie unter der Fragestellung, inwiefern das Ganztagsschulsystem in der Lage ist, alle Schichten der Bevölkerung zu bedienen und ob die Nachhilfequote unter den Schülerinnen und Schülern, die eine Ganztagsschule besuchen eventuell signifikant vom Gesamtergebnis abweicht.
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Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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