Die private Konkurrenz
Liebe Kollegninnen und Kollegen,
allerorten ist zu hören, dass Deutschlands Zukunft in Ermangelung wichtiger Rohstoffe stark an Ausbildung und Bildung hängt. Die Debatten werden ausnahmslos in allen Bundesländern geführt und vor jeder Landtagswahl ist das Thema Bildung der Renner. Nach den Wahlen geschieht dann wirklich was, denn durch die fortwährende Evaluation mittels PISA werden die Bildungspolitiker zum Handeln getrieben.
Interessant ist die Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die vergangenen Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlicht wurde. Demnach scheinen die Befragten trotz der unbestrittenen Anstrengungen der Schulministerinnen und -minister die besten schulischen Chancen in Privatschulen zu sehen, wie 61% zu Protokoll gaben. Immerhin hat die Zustimmung sich im letzten Jahr leicht in Richtung öffentliche Schulen verändert, nämlich von 13 auf 16 %.
Auch nach Berufsgruppen aufgesplittet ergibt sich 2008 ein eindeutiges Bild, denn sowohl Arbeiter (51 zu 24%), Facharbeiter (56 zu 19%), Angestellte (61 zu 13 %) als auch leitende Angestellte (69 zu 15%) sind der Meinung, dass die Privatschulen bessere Chancen für eine gute schulische Bildung bieten. Da wollen dann auch die Selbständigen nicht außen vor bleiben und sind ähnlich überzeugt von der privaten Konkurrenz (68 zu 15%).
Deutet sich hier eine Verstärkung dessen an, was uns Bildungsforscher seit Jahren ins Stammbuch schreiben, nämlich dass die Bildungschancen stark mit der sozialen Herkunft zusammenhängen? Weniger betuchte Eltern schicken ihre Kinder wohl kaum auf eine Privatschule und deren Kinder werden mal wieder abgehängt. Wer eine private bzw. unternehmerische Initiative im Bildungssektor plant, wird angesichts solcher Umfragewerte sicher ermutigt zu investieren. Dass im Bereich Bildung Milliarden Euro jährlich abzuschöpfen sind, zeigt der florierende Nachhilfemarkt. Die einzige Hoffnung bleibt, dass sich qualifizierte Kolleginnen und Kollegen weiterhin den staatlichen Schulen verschreiben. Insofern sichert hier der Beamtenstatus womöglich noch den letzten Rest Qualität.
Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
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