Ein Dauerthema ohne Lösung: die Hauptschule
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Aufregung war groß und Schlagzeilen wie „Kultusminister geben Hauptschüler auf“ (Zeit Online) oder „Kultusminister wollen Hauptschulen abkoppeln“ (Spiegel Online) waren zu lesen. Worum ging es? Im Frühjahr 2009 sollen alle allgemeinbildenden Schulen in Deutschland an den Vergleichsarbeiten für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch teilnehmen. Alle? Nein, wie letzte Woche zu öffentlich gemunkelt wurde, sollten diese Tests für die Hauptschüler ausgesetzt werden, da sie nach angeblicher Befürchtung der Kultusministerkonferenz nicht in der Lage seien, diese Tests angemessen durchzuführen. In meinen Ohren klingen noch die Äußerungen meiner in diesen Fächern unterrichtenden Kollegen, als diese von den Anforderungen hörten: „Das schaffen die nie!“, war der Tenor.
Die Frage ist doch, ob man jemanden testen soll/muss, wenn man doch erwartet, dass er/sie den Test auf keinen Fall bestehen kann. Das Problem „Hauptschule“ verfolgt uns seit Jahren und wird es auch in Zukunft tun. Es geht um Schülerinnen und Schüler, die allgemeine Bildungsanforderungen nicht oder kaum erfüllen können oder wollen, deren Perspektiven in der Berufswelt denkbar schlecht sind und die, anstatt ordentlich gefördert zu werden, in vielen Bundesländern mittlerweile in anderen Schularten „versteckt“ werden. Wer will denn noch die Hauptschule? Die Abstimmung mit den Füßen, sprich die Entscheidung der Eltern, ihre Kinder lieber an weniger stigmatisierte Schulen zu schicken, hat, außer im Süden der Republik, dazu geführt, dass die Schulart abgeschafft wurde. Könnte man doch die Schüler abschaffen!
Die Aufregung um die Vergleichsarbeiten ist vorerst beigelegt, denn die Vertreter der Bildungsministerien der Länder haben am Mittwochabend beschlossen, Hauptschüler doch nicht von bundesweiten Bildungsstandards abzukoppeln. Alle Schüler der neunten Klassen werden demnach ab dem nächsten Jahr an Bildungsstandards für die allgemeinbildende Schule gemessen. Anhand von Vergleichsarbeiten wird geprüft, ob die Schule sie nicht nur mit Wissen füttert, sondern ihnen auch die Fähigkeit vermittelt, dieses anzuwenden. Die Standards für den Hauptschulabschluss wollen die Kultusminister aber bis zu ihrer nächsten Sitzung noch einmal prüfen. Ausgenommen von Vergleichsarbeiten bleiben Förderschüler.
Dann kommt die Aufregung halt etwas später, nämlich dann, wenn sich herausstellt, was jetzt schon befürchtet wird: Viele Hauptschüler erfüllen die Anforderungen genauso wenig, wie die Schüler, die entgegen der Empfehlungen der Grundschulen an höhere Schularten geschickt wurden. Tests sind ja in Ordnung und mit der Aufregung muss man leben, aber man muss auch die richtigen Konsequenzen ziehen und der Produktion von Bildungsverlierern durch überzeugende Konzepte entgegenwirken.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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