Ein guter Ansatz: Lehren in vernetztem Denken
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
in Hessens Schulen werden die Lehrer ab dem nächsten Schuljahr mit ihren Schülern modeln. „Modeln“ steht für das Visualisieren von Gedanken und der Analyse von Zusammenhängen. Hessens Schüler erwerben damit die Schlüsselkompetenz „Vernetztes Denken“.
Bevor die Schüler mit Hilfe einer Software vernetztes Lernen trainieren, übten zuerst die Lehrer: auf der Sommertagung der IT-Beauftragten der Hessischen Studienseminare erhielten die Betreuer der Lehrerausbildung einen ersten Eindruck, wie sie mit Software-Unterstützung schnell und einfach komplexe Themen abbilden können.
Innerhalb eines Workshops erstellten die Teilnehmer der Sommertagung ein kleines Modell mit wenigen Faktoren. Gemeinsam mit dem Moderator Kai Neumann von dem Lübecker Software-Unternehmen Consideo untersuchten die Lehrerausbilder, wie gut das menschliche Gehirn funktioniert und wo die Grenzen von Bauchintelligenz sind.
Erstaunliches kam dabei heraus: dynamische Entwicklungen werden von den meisten Menschen nicht erkannt oder falsch eingeschätzt. So genannte Wirkungsschleifen gibt es in der Wirtschaft und im Alltag zuhauf. In „je mehr, desto“-Aussagen lassen sich diese darstellen. Gibt es mehrere davon, die sich auch wieder untereinander beeinflussen, wird es für die Bauchintelligenz schwierig. Die Übersicht fehlt, die entscheidenden Zusammenhänge werden oft übersehen oder fehlerhaft interpretiert. Abhilfe schafft hier eine Software, die aufeinander wirkende Einflüsse verdeutlicht. Mit dieser werden die Lehrerausbilder künftig die Zukunftskompetenz „Vernetztes Denken“ lehren.
An dieser Stelle wurden schon des Öfteren kostenlose Mindmapping - Programme empfohlen, deren einsatz mit Sicherheit jeden Unterricht bereichern würde.
Vernetztes Denken bedeutet aber auch, fächerübergreifend zu arbeiten, was angesichts der Anforderungen des Schulalltags nicht immer oder eher selten möglich ist. Einen Schritt in diese Richtung macht das Land Rheinland - Pfalz durch die Einführung des Faches Naturwissenschaften (Nawi). Hier werden die Fächer Biologie, Physik und Chemie integrativ unterrichtet. Lehrende sind die Fachlehrer der jeweiligen Einzelfächer, wobei natürlich die Frage auftaucht, wie die jeweiligen Bereiche sinnvoll fachfremd unterrichtet werden sollen. Fragwürdig ist auch, warum dem neuen Fach nicht an den Universitäten Rechnung getragen wird. Ähnlich verhält es sich beim Fach Gesellschaftslehre, das die Fächer Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde integriert. Der gute Ansatz des vernetzten Lernens wird hier meines Erachtens den Kolleginnen und Kollegen aufgestülpt, ohne dass eine fachliche Kompetenz hierfür in ausreichendem Maße vorhanden ist.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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