Ein interessanter Ansatz
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
trotz guter Gesamtnoten im letzten Bildungsmonitor 2008 zeigte sich doch das Problem, dass die soziale Herkunft anscheinend immer noch – in manchen Bundesländern weniger, in anderen mehr – mit dem Bildungserfolg korreliert. Ein interessanter Ansatz, um dieser Problematik Herr zu werden, ist die Einrichtung einer sogenannten Arbeitsweltorientierten Gruppe (AwoG). Das sind Klassen, in denen Aussiedlerjugendliche und Jugendliche aus anderen Zuwanderergruppen, Jugendliche mit Schwierigkeiten in der Schule (z.B. Leistungsprobleme, Schulmüdigkeit), Jugendliche aus besonderen Herkunftslagen (z.B. benachteiligten Stadtvierteln, problembelasteten Familien) und/oder Mädchen mit niedriger Berufsaspiration (Gender Perspektive) gemeinsam hinsichtlich einer erfolgreichen Berufsausbildung unterrichtet werden.
In diesem Projekt werden gemeinsam mit Hauptschulen und ihren Praxispartnern Modelle zur Berufsorientierung und -qualifikation von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf entwickelt und umgesetzt. Ziel ist es, den Erwerb von grundlegenden fachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen dieser jungen Menschen zu unterstützen und ihnen damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.
Im Vordergrund der Projektarbeit steht die Prävention. Es gilt zu verhindern, dass Jugendliche prägende Misserfolge in ihrer Bildungs- und Ausbildungsbiographie machen. Denn, wenn junge Menschen erst einmal schulische Misserfolge internalisiert und in ihren Selbstdeutungen und -konzepten generalisiert haben, kann dies in dauerhafte Schulverweigerung und Absentismus münden. Die Jugendlichen verlieren den Anschluss an schulische Leistungsstandards, ihre Arbeitsmarktchancen sinken drastisch.
Drohendes schulisches Scheitern soll bereits früh erkannt und rechtzeitig entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Der erfolgreiche Umgang mit Heterogenität und Konzepte der individuellen Förderung in den schulischen Lehr- und Lernprozessen stehen im Mittelpunkt der Projektarbeit. Dabei werden insbesondere die Möglichkeiten der Ganztagsschule genutzt.
Um die im Projekt erarbeiteten Modelle in die „Fläche“ zu tragen, wird eine Transferstrategie erarbeitet, die auf dem wechselseitigen „Consulting“ und „Coaching“ von Schulen untereinander beruht.
Das Projekt BORIS (Berufliche Orientierung: regionale Initiativen zur Schulentwicklung) legt seinen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen, die aus Familien stammen, in denen es einen Migrationshintergrund gibt. Die Projektschulen erarbeiten Konzepte und Materialien, mit denen die sprachliche und kulturelle Integration besser gelingen kann und die Lernunterstützung möglich wird, die für eine Platzierung dieser Schülerinnen und Schüler am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt bessere Voraussetzungen schafft.
Beide Initiativen stammen aus Rheinland – Pfalz und wurden vom dortigen Schulministerium mit Unterstützung der regionalen Wirtschaft und des Bundesbildungsministeriums aus der Taufe gehoben. Rheinland – Pfalz gehört nach dem aktuellen Bildungsmonitor zu den fünf Bundesländern mit der niedrigsten Schulabbrecherquote, erreicht beim Thema Integration und Berufsausbildung allerdings „nur“ einen Mittelfeldplatz.
Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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