Ein neuer Rythmus

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in den letzten Jahren haben eine Reihe von Schulen – hauptsächlich Ganztagsschulen/Gesamtschulen ihr Stundenraster von 45 auf 60 Minuten umgestellt. Und immer mehr Schulen interessieren sich für diesen Schritt.

Jüngstes Beispiel: Seit Montag, 11.8.08 gibt es an der Anne-Frank-Gesamtschule in Viersen (Nordrhein Westfalen) neue Stundenpläne für die aus den Ferien zurückkehrenden 1100 Schüler. Einen Tag später sind die 180 Kinder der fünften Klasse an der Reihe. Statt bisher zehn stehen dann nur noch acht Unterrichtsstunden pro Tag auf dem Zettel. Trotzdem beginnt der Unterricht weiterhin um 8.10 Uhr und endet um 16 Uhr.

Was spricht für die Umstrukturierung? Nicht nur allein die Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler weniger im Ranzen haben, täglich für weniger Fächer Hausaufgaben zu erledigen haben, sondern auch die Schaffung von Voraussetzungen für modernen Unterricht. 1911 führte Preußen an Gymnasien die auf 45 Minuten verkürzte Stunde ein, um die tägliche Unterrichtszeit zu verkürzen. Die Erklärungen für die 45 Minuten reichen vom „akademischen Viertel“ über die „Gebetsviertelstunde“ bis zur Berufung auf den „natürlichen Tagesrhythmus“.

Um in einstündigen Fächern offenere Unterrichtsformen wie Entdeckendes Lernen oder auch Stationenlernen durchzuführen, erscheint die Dreiviertelstunde etwas knapp, denn die reine Lernzeit wird nicht zuletzt dadurch verkürzt, dass die erlernten bzw. erarbeiteten Inhalte schließlich auch noch besprochen werden müssen. Eventuell muss die Sitzordnung noch geändert werden und das Unterrichtsmaterial postiert werden. Um all diese wichtigen Bestandteile der Vorbereitung und Durchführung von Unterricht sinnvoll durchzuführen, bleibt im Dreiviertelstunden –Takt letztlich zu wenig Zeit.

Es geht hier nicht darum, dass Schülerinnen und Schüler mehr Unterricht erhalten, sondern um eine effizientere Verteilung der Stundentafel. Die Rückmeldungen von Schulen, die bereits umgestellt haben, erscheinen positiv, wie Schüler einer Gesamtschule in Hagen berichten: „Ich finde die 60 Minuten insgesamt viel angenehmer. Und in den Naturwissenschaften haben wir jetzt mehr Zeit für Experimente“, meint Neuntklässlerin Pinar. Ihr Mitschüler Ibrahim sieht das ähnlich: „Wir sollen zum Beispiel eine Frage zum Zweiten Weltkrieg bearbeiten, haben dafür eine halbe Stunde Zeit und sollen das Ergebnis anschließend noch kurz vorstellen. Das passt einfach besser in eine ganze Stunde rein als in 45 Minuten."

Interessant ist, dass dieser Aspekt in der Diskussion um Schul- bzw. Unterrichtsqualität bisher eher eine untergeordnete Rolle spielt. Informationen zum Thema erhalten Sie beispielsweise unter:

Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

* Pflichtfeld

*

*
*