Stichwörter: Fachleiter, Fachkonferenz, Wahl.

Ein Ritual: Die Wahl des Fachleiters

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

während für die Kolleginnen und Kollegen aus der gesamten Republik schon der Schulalltag begonnen hat, bequemen sich die Südlichter Bayern und Baden – Württemberg erst nächste Woche wieder in die Schule. Wir „Preußen“ sind schon wieder Hamster im großen Rad der Bildung und sicher viele von Ihnen haben mittlerweile, obwohl die Schule gerade erst wieder begonnen hat, das Gefühl, man sei schon wochenlang wieder am Werk.

Aber so ein Schuljahr hat was von einer Uhr, die schließlich immer wieder da ankommt, wo sie startet. Wenn das Halbjahreszeugnis ansteht, ist es zwölf Uhr mittags, also sind die Herbstferien so etwas wie sechs Uhr morgens. Man ist noch nicht richtig wach und schon sind wieder zwei Wochen frei. Aber zunächst sind wir bei drei Uhr am Morgen, denn die Fachkonferenzen stehen an.

Diese Versammlung von Kollegen, die sich im Unterrichtsstoff immer einig sind und kooperativ und an Bildungsplänen oder Erwartungshorizonten orientiert ganz eifrig Arbeitspläne erstellen, benötigt in den meisten Fällen zu Beginn des neuen Schuljahres einen neuen Fachleiter oder eine neue Fachleiterin. Deshalb hat der oder die amtierende Fachleiter oder Fachleiterin diesen Punkt auf der Tagesordnung unter „TOP 1“ vermerkt.

Das nun folgende Ritual stellt sich gerne in drei Varianten dar:

  1. Der oder die amtierende Fachleiter oder Fachleiterin ist gerne bereit, sich im Amt bestätigen zu lassen, da ihm die Arbeit Spaß macht und/ oder nicht zuviel Belastungen bringt, entweder, weil der Fachbereich überschaubar ist oder das Amt mit einer Deputatsstunde versilbert wird. Die Bestätigung läuft dann auch gerne per Akklamation, bevor regulär gewählt wird.
  2. Der oder die amtierende Fachleiter oder Fachleiterin hat das Amt schon jahre- wenn nicht jahrzehntelang ausgeübt und möchte nun einen Generationswechsel an der Spitze der Fachschaft einleiten, bietet aber gerne in der ersten, schweren Übergangszeit ihre oder seine Unterstützung an. Alle Augen blicken plötzlich auf das Jungvolk, das, mit den Ritualen noch nicht vertraut, auf dem falschen Fuß erwischt wird, von der Nominierung nichts mitbekommt und plötzlich, vom Klopfen vieler Fingerknöchel auf den Konferenztischen erweckt, als neue(r) Fachleiter(in) in der Realität ankommt.
  3. Der oder die amtierende Fachleiter oder Fachleiterin ist ähnlich wie in 2. oder wie folgt beschrieben Fachleiter(in) geworden und ist nicht mehr bereit, die Bürde des Amtes weiter zu tragen. Kein Jungvolk anwesend? Also werden typische, aber unterschiedliche Verhaltensweisen abgerufen: „Ich hab schon das Fach so und so“, „Ich hab grad ne schwierige Klasse“, „Ich hab das früher lange genug gemacht“ (siehe 1.) oder es wird geschwiegen und in irgendwelchen Unterlagen rumgenestelt. Jetzt heißt das Gebot der Stunde „Aussitzen!“ Denn wer keine Geduld hat, diese Phase zu überstehen, hat das Amt sicher und sicher bricht irgendjemand ein, was wiederum ein erleichtertes Klopfen der Anwesenden (siehe 2.) zur Amtseinführung nach sich zieht.

Ist die Fachleitung nicht eine wichtige Aufgabe, der man mit mehr Eifer begegnen sollte? Hat man nicht sogar einen Informationsvorsprung, was Neuheiten im jeweiligen Fachbereich angeht und einen Vorteil somit inklusive? Ist das Amt denn wirklich so belastend, dass man es nicht freiwillig übernimmt, nicht zuletzt, weil man das Fach schließlich gerne unterrichtet?

Kennen Sie diese Probleme auch oder gibt es bei Ihnen im Gegenteil sogar Kampfabstimmungen um solche Posten? Erhalten Sie für solche Ämter grundsätzlich Deputate? Erleben Sie manchmal euphorische Fachleiter?

Ihre Erfahrungen würden mich interessieren!

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de.

Ich würde mich freuen.


Ihr

Gernot Herz

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