Eine Vision von der schönen neuen Schulwelt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Microsoft Deutschland – Chef Achim Berg weiß, was zukunftsorientiertes Lernen ist. In einem Interview  mit bildungsklick.de stellte er folgende Versäumnisse fest: Viel zu langsam bekommen Tafel und Kreide Konkurrenz durch den Einsatz neuer Medien. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage, die wir zur Cebit durchgeführt haben. Wir haben nämlich Schüler und Eltern gefragt, wie sie sich die moderne Schule vorstellen und welche Wünsche sie an die Bildung haben. Hier zeigt sich, dass das deutsche Bildungssystem noch immer nicht in der Informationsgesellschaft angekommen ist.

Sicher, wenn man diesen Newsletter liest, hat man eine gewisse Affinität zum Lernen mit neuen Medien, aber jeder weiß, dass guter Unterricht nicht mit ihnen steht und fällt.

Weiter führt Herr Berg aus: Wer IT-Wissen nicht fördert, verschenkt Wachstumschancen. In neun von zehn Ausbildungsberufen kommt man bereits heute ohne IT-Kenntnisse nicht aus. Egal ob Banker, Bäcker oder Landwirt – überall sind fundierte IT-Kenntnisse mittlerweile Pflicht Ohne zusätzliche Investitionen in IT-Qualifizierung werden 13 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland zu den IT-Analphabeten zählen. Noch fehlen15 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland Grundwissen im Umgang mit dem PC, und die Personalverantwortlichen klagen über mangelnde IT-Kompetenzen ihrer Bewerber. Hier ist die Politik gefragt: Schulen müssen sich mehr denn je an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wie auch den Anforderungen der Berufswelt orientieren und den Einsatz neuer Medien im Unterricht fördern.

Diese Feststellung ist definitiv nicht von der Hand zu weisen. Aber hat der Microsoft – Vertreter einmal in die öffentlichen Kassen geschaut? Die sind leer. Sicher, investiert wird immer, aber ob es dann in so großem Maße sein wird, wie der Lobbyist es sich wünscht, ist angesichts der Kosten für eine komplette Ausstattung eines Klassenraums mit interaktiver Tafel, Beamer und entsprechendem Rechner, die schnell im mittleren vierstelligen Bereich liegen, eher illusorisch. Wenn die Wirtschaft so interessiert an moderner Bildung ist, sollte sie in ihrer Preispolitik den Bildungspolitikern bzw. den Gemeinden entgegenkommen! Microsoft will auf der Cebit und der Didacta in diesem Jahr ein komplettes digitales Klassenzimmer präsentieren. Das hört sich toll an und Visionen müssen sein, aber angesichts der finanziellen Anforderungen wird so etwas dann eher ein Wolkenkuckucksheim bleiben, wenn in vielen Schulen noch nicht einmal Renovierungsmaßnahmen an der baulichen Substanz vorgenommen werden können.

Ihr

Gernot Herz

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