Elternarbeit nur im Notfall?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Es ist nicht richtig, wenn Eltern nur bei Ordnungsverstößen und Lernschwierigkeiten ihrer Kinder Rückmeldung aus den Schulen erhalten, und es ist genauso unbefriedigend, wenn Eltern sich nur bei Lehrkräften und Schulleitungen meldeten, wenn sie Beschwerden oder Forderungen geltend machen wollen. Wir brauchen eine Kultur des regelmäßigen und vertrauensvollen Kontaktes von Elternhaus und Schule, wofür sich Erziehungsberechtigte und Lehrer noch mehr als bisher öffnen müssen. Diesen wertvollen Gedanken äußerte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger anlässlich des Weltlehrertages. Der „Geist des Reparierens“ beherrscht in den meisten Fällen den Kontakt zwischen Elternhaus und Schule. Warum sollte nicht einmal eine positive Rückmeldung Gegenstand eines bewusst gesuchten Gesprächs zwischen dem Klassen- oder Fachlehrer und den Erziehungsberechtigten eines Schülers oder einer Schülerin sein?
Bewirkt nicht gerade Lob mehr als Kritik? Vor allem dann, wenn es um pubertierende Jugendliche geht? Jeder von uns hat sicher schon einmal die Äußerung von Schülerseite vernommen, wonach man immer erwischt werde, wenn man ausnahmsweise mal keine Hausaufgaben gemacht oder den Stoff der letzten Stunde nicht gelernt hat. Eine Kultur der positiven Rückmeldung erhöht mit Sicherheit auch den Wohlfühlfaktor. Zurück zur Elternarbeit. Herrscht hier nicht der Gedanke vor, wenn man nichts von der Schule hört, ist alles in Ordnung? Ähnlich wie bei der Polizei: Wenn man nichts mit ihr zu tun hat, hat man sich auch nichts zu Schulden kommen lassen. Soll das der Geist sein, der die Schule beherrscht? Sicher nicht. Aber der oben zitierte Vorsitzende des DPhV hat auch Recht, wenn er darauf verweist, dass viele Pädagogen durch zu große Klassen und mehrfach erhöhte Unterrichtsdeputate stark überlastet seien und deshalb der nötige Raum für eine positive Feedback - Kultur erst geschaffen werden muss.
Ihr
Gernot Herz
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