Ende der Koedukation? Sollen Mädchen und Jungen wieder getrennt unterrichtet werden?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat dafür geworben, Jungen und Mädchen teilweise getrennt zu unterrichten. In einzelnen Fächern in bestimmten Altersstufen könne getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen durchaus sinnvoll sein. Im Bereich der Naturwissenschaften oder der Sprachen gelinge es nicht immer Jungen und Mädchen in gleicher Weise anzusprechen. Unterricht müsse so angelegt sein, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen Zugang fänden.
Manch einer mag denken, dass hier wieder ein neues Fass in der Bildungslandschaft aufgemacht wird, denn Baustellen gibt es sicher genug. Aber jede gute Unterrichtsplanung beinhaltet die Unterrichtsbedingungen. Dazu gehört neben den Fähigkeiten und Problemen einer Klasse sicher auch die geschlechtliche Komponente. Gedanken macht sich hier schon die Wirtschaft mit ihrem „Girl´s Day“, der versucht, Mädchen mehr für technische Berufe zu interessieren, weil es in der Schule anscheinend nicht gelingt und die späteren Arbeitgeber dieses Phänomen an der Anzahl der Bewerber feststellen können. Der Wahlpflichtbereich Technik wird an unserer Schule vornehmlich von Jungen gewählt, was Mädchen sicher eher abschrecken könnte. Ein Fach „Technik für Mädchen“ könnte dieser Problematik entgegen wirken.
Ältere Studien haben sich mit der Problematik des Für und Wider der Koedukation beschäftigt und haben in diesem Zusammenhang Schülerinnen und Schüler befragt: „Generell war festzustellen, dass Mädchen oft für eine fachspezifische oder zeitweise Trennung eintraten. (Faulstich-Wieland/Horstkemper, 1995, 208) Knapp die Hälfte der Mädchen wünschte sich in naturwissenschaftlichen Fächern eine Trennung (Faulstich-Wieland/Horstkemper, 1995, 209), einer typischen „Männerdomäne“. Überträgt man dies nun auf den Bereich der Medien, der in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld rückte und ein ähnliches „Männergebiet“ darstellt, werden Parallelen deutlich. Auch in diesen Fächern stecken Mädchen eher zurück und überlassen den Jungs das Feld, fühlen sich unsicher, trauen sich weniger zu. Das führt dazu, dass sie diesen Berufszweig für sich selbst nicht in Erwägung ziehen. Diese Ergebnisse sprechen für einen prinzipiell koedukativen Unterricht mit einer Trennung in den Fächern, in denen der Umgang mit Neuen Medien geschult wird.“
Frau Schavan hat mit Sicherheit keine unnötige Debatte vom Zaun gebrochen, allerdings ist es fraglich, ob ein solches Thema ganz oben auf der Agenda stehen sollte. Außerdem steht zu befürchten, dass in diesem Zusammenhang dann die Perspektive einer Gruppe schnell vergessen wird, die die Mehrheit der „Bildungsverlierer“ darstellt: die Jungen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel