Erfahrungen: Versetzung aus pädagogischen Gründen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
trotz unterschiedlicher Bildungspolitik in unseren 16 Bundesländer haben wir doch alle etwas gemeinsam: Zum Jahresende stehen die Zeugnis- und Versetzungskonferenzen an. So auch bei uns in der vergangenen Woche. Jetzt werden Sie sich sicher fragen, warum ich den sperrigen Begriff „Versetzungskonferenz“ verwende. Ja, es geht doch dabei schließlich darum, ob eine Schülerin oder ein Schüler gemäß der „Versetzungsordnung“ versetzt wird. Bei den weitaus meisten Schülern, das werden Sie bestätigen, steht das außer Frage, auch wenn man von dem einen oder der anderen etwas mehr Engagement erwartet hätte, da sie/er mal wieder weit hinter der persönlichen Leistungsfähigkeit zurück geblieben ist. Aber auch wir Lehrpersonen waren mal Schüler.... Vielleicht ist die eine oder der andere von uns sogar einmal sitzen geblieben, womöglich ich auch. In Rheinland – Pfalz geht man allerdings jetzt etwas andere Wege, was vor allem die Hauptschule betrifft. 1999 wurde die Nachprüfung eingeführt, d.h. ein Schüler, bei uns tatsächlich meistens Jungs, der eigentlich nicht versetzt würde, kann sich in bis zu zwei Fächern einer Nachprüfung am Ende der Sommerferien stellen und dort zeigen, dass er den Stoff des vergangenen Jahres im Niveau von „ausreichend“ doch beherrscht. Anschließend kann er versetzt werden.
So weit, so gut. Mittlerweile bekommt bei uns aber der ominöse Paragraph, der eine Versetzung aus „pädagogischen Gründen“ erlaubt, eine immer größere Strahlkraft, seitdem Sitzenbleiben überhaupt nichts mehr bringen soll. Ausnahmen bestätigen da wohl eher die Regel.
Was heißt das? Schüler, die eigentlich das Klassenziel nicht erreicht haben, sollen, weil sie unteren Klassen nicht mehr zumutbar sind, „mitgenommen“ werden, egal, ob sie am Ende überhaupt den Abschluss schaffen. Aber sind sie der Klasse zuzumuten, in der sie durch teilweise aufreizenden Leistungsunwillen und Ignoranz gegenüber den angedrohten Konsequenzen geglänzt haben? Die Antwort ist ein eindeutiges „Jein“, denn es sollte hier individuell entschieden werden, aber die Tendenz geht, so fürchte ich, generell in die andere Richtung.
Wie stehen Sie zu dieser Problematik? Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Hinsicht gemacht? Ihre Meinung würde mich interessieren. Schreiben Sie mir doch einfach an
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
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