Erfolgreiche pädagogische Konzepte: Geht das nicht an staatlichen Schulen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der FAZ vom 15. Mai 2009 war man „Auf der Suche nach der guten Schule“. Dass es solche Schulen gibt, zeigen auf jeden Fall die jährlichen Preise, die an „gute“ Schulen vergeben werden. Daneben gibt es auch eine Vielzahl nicht prämierter Schulen, die nichtsdestotrotz auch als solche bezeichnet werden können. Die FAZ berichtet in ihrem Artikel von Enja Riegel, der Gründerin einer Privatschule, dem „Campus Klarenthal“. Die Gründerin war selbst fast zwanzig Jahre Schulleiterin an einer staatlichen Schule in Wiesbaden, die im PISA - Test 2000 herausragende Ergebnisse vorzuweisen hatte.

An der neugegründeten Privatschule wird Fachwissen oft in fächerübergreifenden Projekten vermittelt. Dazu gibt es viel handwerkliche werkstattarbeit und ein zeitlich breit angelegtes selbstorganisiertes Lernen.

Die Jungen und Mädchen sollen ihre Schullaufbahn auf dem „Campus Klarenthal“ entweder mit einem mittleren Schulabschluss nach Klasse 9 oder 10 oder mit dem Abitur in Klasse 12 oder 13 beschließen können. Gelernt wird in überschaubaren Gruppen mit zwei Lehrkräften in jeder Klasse. Kunst, Musik und Theater mit professionellen Künstlern sind ebenso charakteristisch für das Profil der Schule wie selbsttätiges Lernen und Forschen in der Natur, in Werkstätten, den natur- wissenschaftlichen Laboren, aber auch außerhalb der Schule, häufig in Form von realen, fächerübergreifenden Lebens- und Erfahrungsprojekten.

Allerdings: Das Schulgeld beträgt  acht Prozent des Bruttoeinkommens der Familie – mindestens 200 Euro, maximal 850 Euro plus 95 Euro fürs Mittagessen. Dafür bietet die Schule z.B. für die Sekundarstufe I:

• Ganztagsschule für alle von 7.30 bis 18.00 Uhr.
• Intensive Lernbegleitung und Unterstützung in Klassen bis höchstens 25 Schüler mit 2 Lehrkräften pro Klasse.
• Selbsttätiges Lernen und Forschen in der Natur, in Werkstätten, naturwissenschaftlichen Laboren.
• Lernen außerhalb der Schule in realen, fächerübergreifenden Projekten.
• Mehrere Fremdsprachen mit längeren Auslandsaufenthalten.
• Kunst, Musik, Theater mit professionellen Künstlern.
• Umfangreiche, herausfordernde Praktika in Betrieben und sozialen Einrichtungen.
• Zusatzangebote in den Schulferien und als AGs nach dem Unterricht.

 

Wünschenswert wäre es gewesen, wenn Frau Riegel ihre erfolgreiche Arbeit an staatlichen Schulen weiter leisten könnte/wollte. Aber niemand wollte das Konzept Riegels kopieren, was nach ihrer Ansicht daran lag, dass die reformschule eine Gesamtschule ist und damit ein Angriff auf das in Deutschland so geliebte dreigliedrige Schulsystem sei.

Dem muss man entgegenhalten, dass es in Deutschland eine Reihe Bundesländer gibt, die Gesamtschulen haben und weiter ausbauen. Von einer Umsetzung von Riegels Konzept war dennoch bisher nichts zu hören. Besuchen Sie einmal die Homepage des Campus Klarenthal!

Ihr

 

Gernot Herz

Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

* Pflichtfeld

*

*
*
Steffen, 12.06.2009 14:09:
Die von Ihnen propagierten Vorzeigemodelle haben sicherlich ihre Vorteile. Doch wie sollen solche Modelle an staatlichen Schulen verwirklicht werden, wenn nicht ein Mal das Geld für Landschulheime zur Verfügung steht. Außerdem benötiigt eine Ganztagesschule mehr Lehrerstunden. Wer soll denn das bezahlen. Außerdem ist das Arbeiten an Haupschulen zunehmend schwieriger geworden. Dabei mangelt es weniger an guten Konzepten und vorsätzen, sondern viele Schülerinnen und Schüler sind kaum beschulbar. Teilweise weisen diese Kinder so massive psychische Störungen auf oder haben Einzelschicksale erlebt, die "normale" Lehrerinnen und Lehrer nicht entschärfen können. Zudem sollte auch über die Bezahlung von Hauptschullehrern nachgedacht werden. Die Anforderungen steigen aber die finanzielle Anpassung hinkr hinterher. Nur Evaluation bietet keine Motivation. Mit liebem Gruß Steffen Will
Siegfried, 13.06.2009 17:40:
Sehr geehrter Herr Herz, als ehemaliger Lehrer möchte ich mich zum Thema "Können das staatliche Schulen nicht leisten?" äußern. Schön wäre es, wenn an allen staatlichen Schulen so gearbeitet werden könnte wie in der mit Preisen ausgezeichneten. Ich glaube auch, den Grund dafür zu wissen, warum dies nicht möglich ist. Der Kostenaufwamd wäre zu groß, wie Sie selbst erwähnen, aber das ist nicht der Hauptgrund. Es gibt immer wieder Schulen, die gute Ergebnisse aufweisen können, aber zu 90 % liegt das an den Lehrern, und von denen, die im Team unterrichten können und wollen, gibt es heutzutage sehr wenige. Die meisten von ihnen, auch Junglehrer, sind Individualisten, die ihre eigenen Vorstellungen haben, die sie nur selten mit anderen Kollegen/Kolleginnen teilen. Es müsste also eine ganz neue Lehrergeneration herangebildet werden, die zur Kooperation bereit ist. Ob das möglich ist und wie lange das dauern wird, lässt sich nicht voraussagen. Nach meiner Erfahrung als Fachberater, der bei der Einführung von neuen Lehrplänen in vorderster Front stand,musste ich feststellen, dass nur ein geringer Prozentsatz in der Lage und willens war, die neuen Pläne umzusetzen. Deshalb dürfte es eine Utopie sein, daran zu glauben, dass an staatlichen Schulen bald so effektiv unterrichtet wird wie an der von Ihnen als vorbildlich geschilderten Institution Mit freundlichen Grüßen S.Roller
Claudia, 14.06.2009 07:41:
Das dargestellte Konzept ist mit Sicherheit nicht schlecht. Aber es bedeutet, dass die eingesetzten Lehrer entweder kein Bedürfnis nach Ruhe oder Ferien verspüren geschweige denn eine eigene Familie haben dürfen. Denn wie sonst soll solch ein Aufwand betrieben werden können? Meist sind die äußerst engagierten Lehrer solche, die nur für die Schule leben und ansonsten keinerlei Interessen zu haben scheinen. Die selbst in den Ferein nichts anderes tun als Unterricht vorzubereiten. Aber vielleicht dürfen nur noch familiär ungebundene Menschen ohne gemütliches Zuhause Lehrer werden. So wie früher nur unverheitratete "Fräuleins" Lehrerinnen wurden. Und die finanziellen Mittel für solch ein Konzept? Die können nur wieder die Reichen aufbringen oder Eltern müssen sich krummlegen, indem sie auf verdienten Urlaub verzichten oder auf andere Annehmlichkeiten. Dadurch wird einmal mehr das soziale Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft betont statt aufgehoben. Eine Umsetzung and den staatliche Schulen halte ich für unmöglich, da zu wenige Lehrer eingestellt sind, die Gehälter zu gering, besonders an Hauptschulen, wo die außerunterrichtlichen Arbeitsfelder viel zu groß und teilweise sehr belastend sind (psychotherapeutische, sozialtherapeutische Aufgaben, Familien- und Erziehungsberatung etc.). Bezogen auf Herrn Rollers Anmerkung: Ich möchte nicht sagen, dass Lehrer Lehrplanvorgaben nicht erfüllen w o l l e n, sondern vielmehr gar nicht k ö n n e n, weil diese Vorgaben an der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft sowie der i. d. R. n i c h t berücksichtigten entwicklungspsychologischen Grundlagen (Piaget ist noch längst nicht außer Acht zu lassen!)der heutigen Schülerklientel. Man darf nicht alles, was im Schulsystem nicht funktioniert, auf die Lehrer zurückführen. Es hat immer schon sog. gute oder schlechte Lehrer gegeben. Mit liebem Gruß C. Frye-Weber