Externe Evaluation an Schulen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im gerade begonnenen Schuljahr werden Schulen in Rheinland – Pfalz von Sonderermittlern in Mannschaftsstärke heimgesucht, die jedes Stück Kreide umdrehen, jegliche Lehrer- oder Schüleräußerungen sowie Zeugenaussagen der Elternschaft akribisch aufnahmen werden, um letztendlich der jeweiligen Schule wahlweise den Stempel „Hort der Unfähigkeit“ oder „Heimstatt der Zukunft unserer Kinder“ aufdrücken werden. Zurück bleiben vor allem Kolleginnen und Kollegen, die entweder völlig demoralisiert um die frühzeitige Pensionierung bitten werden oder aber Lehrerinnen und Lehrer, die mit stolz geschwellter Brust hinter Ihrem Schulleiter/ Ihrer Schulleiterin stehen, während er/ sie vor  der regionalen Honoratiorenversammlung und den Fotoapparaten der lokalen Presse ein Loblied auf seine/ ihre Schule singt, weil die Sonderermittler an seiner/ ihrer Schule keine Beweise für die Mitschuld am PISA – Versagen gefunden haben, sondern eher bescheinigen, dass ohne solche vorbildlichen Lernanstalten wohl der letzte Platz bei PISA gewunken hätte.

Wovon ich spreche? AQS, die „Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen“! Hinter diesem Vehikel steckt der Versuch, Schulen in Rheinland – Pfalz in die Lage zu versetzen, zukunftsfähig zu sein, zu bleiben oder zu werden. Die Pilotphase lief an verschiedenen freiwilligen Schulen in unserem Bundesland im vergangenen Schuljahr, sodass jetzt in „medias res“ gegangen wird und andere Schulen unter die Lupe genommen werden. Bisher konnten sich Kollegien und Schulleitungen mit ihrer internen Evaluation noch etwas vormachen, denn sie wurde vom Ministerium gefordert, jedoch personell oder logistisch nicht wirklich unterstützt. Die externe Evaluation dagegen macht „Nägel mit Köpfen“, denn Expertenteams besuchen die Schulen – nicht überfallartig natürlich – und „checken“ dort so ziemlich alles.

Der Begriff „Evaluation“ steht stellvertretend für den Zaubertrank, der die Pisa – Wunden heilen soll: „Bei der Schulevaluation werden Schulen im Hinblick auf die Qualität der Arbeit und der erreichten Ergebnisse bewertet. Eine Evaluation dient dazu, Ergebnisse der schulischen Qualitätsanstrengungen zu ermitteln und auf dieser Grundlage die weiteren schulischen Qualitätsmaßnahmen zu planen. Wird eine Evaluation von der jeweiligen Schule selbst veranlasst und durchgeführt, spricht man von interner Evaluation. Erfolgt eine Evaluation von außen, spricht man von externer Evaluation.“ So wird dieses Vehikel auf der entsprechenden Homepage des Landes Sachsen (www.sachsen-macht-schule.de)  beschrieben, wo ähnlich wie in Rheinland – Pfalz (http://aqs.rlp.de/) verfahren wird. Auch PISA – Favorit Bayern ist, allerdings schon länger, am Ball (www.isb.bayern.de).

Trotz meines etwas ketzerischen Einstiegs in das Thema, bin ich der Meinung, dass sich unsere Schulen einer solchen Vorgehensweise stellen müssen, weil sie sonst zu sehr im eigenen Saft brodeln, der klare Blick so verstellt werden kann und Außenstehende oft mehr oder andere Dinge sehen. Also sollten Kolleginnen und Kollegen dieser externen Evaluation eher positiv begegnen, wobei sie seitens der zuständigen Ministerien nicht als Feigenblatt dienen darf, dass man doch schließlich etwas tue und andere Probleme, die den Alltag von Lehrern massiv beeinträchtigen, dann von der Tagesordnung verschwinden.

Mich würde interessieren, ob Sie bereits Erfahrungen mit externer Evaluation gemacht haben bzw., ob Sie von diesem weg, den letztlich alle Bundesländer gehen oder gehen werden überzeugt sind.

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de.

Ich würde mich freuen.


Ihr

Gernot Herz

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