Gefahrenzulage - wem hilft so ein Vorschlag?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ob die aufkommende Diskussion über eine Gefahrenzulage für Lehrerinnen und Lehrer angesichts der schrecklichen Geschehnisse von Winnenden wirklich hilfreich ist, ist wirklich fraglich. Heinz-Peter Meidinger leitet eigentlich das Robert-Koch-Gymnasium am Schulzentrum im niederbayerischen Deggendorf - doch als Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes hat er jetzt in ganz Deutschland Aufsehen erregt. Der Amoklauf in Winnenden habe „erneut gezeigt, dass Lehrer immer öfter zum Hassobjekt werden. Man könnte deshalb über eine Art Gefahrenzulage nachdenken", sagte er der „Bild"-Zeitung. Ich finde diesen Vorstoß äußerst unpassend und dem sich gerade verbessernden Image der Lehrerschaft in Deutschland nicht dienlich. Ich bin froh, dass Herr Meidinger nicht mein Verbandsvorsitzender ist. Näher steht mir da schon die Position der GEW, auch hier bin ich nicht Mitglied.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hält die Forderung des Philologenverbandes nach einer „Gefahrenzulage“ für Lehrer nach dem Amoklauf von Winnenden für „peinlich“. Gehaltsforderungen in einen Zusammenhang mit dem Amoklauf zu bringen sei geschmacklos, sagte Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule, am Montag in Frankfurt am Main. Über Einkommensfragen werde immer noch in Verhandlungen entschieden.

Die GEW-Schulexpertin kritisierte: „Der Philologenverband schlägt einen falschen Weg vor, der weder den tragischen Ereignissen noch den Bedürfnissen der Lehrkräfte gerecht wird.“ Notwendig seien eine Weiterentwicklung der Präventionsangebote und mehr Fortbildungen für Pädagogen zum Thema Gewalt in Schule und Gesellschaft. Zudem müsse der Arbeits- und Leistungsdruck gesenkt werden. „Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für die Schülerinnen und Schüler“, sagte Demmer.

Ihr

 

Gernot Herz

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Nadine, 24.03.2009 11:14:
Eine "Gefahrenzulage" für Lehrer/Innen finde ich etwas zu Hochgegriffen. Was soll denn dann als nächstes kommen?? Müssten dann nicht jeder in seinem Beruf eine "Gefahrenzulage" bekommen, schließlich lauern überall Gefahren! Ich denke man sollte lieber etwas am Schulsystem ändern. Den Schülern wird immer mehr Leistung abverlangt und bekommen zudem auch noch immer weniger Zeit dafür. Kein Wunder, dass die Schüler/Innen uns Lehrer/Innen immer mehr "verabscheuen"!
Corina, 24.03.2009 11:15:
Sehr geehrter Herr Herz, in diesem Fall bin ich ganz Ihrer Meinung. Die Lehrer brauchen nichts mehr, als mehr Zeit für Fortbildung. und zudem muss der Arbeits und Leistungsdruck der Lehrer wie der Schüler gesenkt werden. Nur so bekommen wir unsere verkorkste Gesellschaft wieder halbwegs in den Griff. Alles andere sind Spekulationen und unnötige Diskusionen, die zu nichts führen. Die Lehrer wissen nicht mehr, wie sie Ihren Unterricht gestalten sollen. Die schüler fühlen sich überfordert, und was erreichen wir? Frust,Gewalt wie eine Ohnmächtigkeit ohne Ausweg. Muss uns der fall Winnenden wirklich wundern? Wenn jeder in sich geht und etwas nachdenkt, so ist das erst der Anfang einer Gesellschaft, die wir so wollten. Oder? Es heißt, unsere Kinder sind unsere Zukunft. Was haben sie für eine Zukunft, wenn sie jetzt schon keine Jugend haben. Diese Profitdenken muss einfach mal aufhören. Kein mensch wird dumm oder agressiv geboren. Wir machen ihn dazu. m.f.g. Fuchs-Smolej
Barbara, 24.03.2009 11:33:
Hallo Herr Herz, Ihr Beitrag zur "Gefahrenzulage" spricht mir aus dem Herzen!!! Ich arbeite seit 1999 als Pädagogin mit Kinder und Jugendlichen mit "Verhaltensauffälligkeiten / -störungen" zusammen – erfolgreich - und studiere gerade Integrative Heilpädagogik / Inklusion über das ich noch konkreter die Zusammenhänge von VERHALTEN und VERHÄLTNISSE erkennen und zu begründen lerne! Als Mandant der Schwächeren (sowohl hilfloser Schüler/innen als auch überforderter Lehrer/innen) sehe ich eine Gefahrenquelle sowohl auf Schüler (Machtmissbrauch / Persönlichkeitsstörungen)- als auch Lehrerseite (Überforderung, emotionaler + körperlicher Angriff)! Wir müssen m.E. GEMEINSAM Verantwortungen erkennen, übernehmen und einfordern, damit so die Verhältnisse - wie auch die der Schulen in Deutschland - wieder für JEDEN Menschen als bereichernd empfunden werden. Menschenbild, prof. Kenntnisse über die Entwicklung eines Menschen und somit der Lernprozesse sind die Grundlage für eine Didaktik, die Schüler/innen mitgestalten lassen und somit Lehrer/innen mehr als Organisator, Moderator und menschl. Begleiter / Befähiger werden lässt! Wissensvermittlung selbst ist in einer Zeit der schnellen Entwicklungen nicht mehr seitens der Lehrer zu bewältigen! Umso mehr sollten sie/wir die jungen Menschen in ihren Kompetenzen bilden und stärken, sich selbst für Wissensaneignung zu interessieren und Möglichkeiten der Aneignung schaffen! In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein Frohes, engagiertes Schaffen, als dass wir unsere Zeit vergeuden mit solch` beschämenden Forderungen und Verbandsarbeiten (s. Philologenverband)! Herzliche Grüße Barbara Reis
Jutta, 24.03.2009 11:57:
Sehr geehrter Herr Herz, ...sagte er der "Bild-Zeitung" stört mich dabei... Woher wissen Sie, daß das tatsächlich so gesagt wurde, oder nicht von der Bild-Redaktion aus dem Zusammenhang gerissen wurde ?
Gabi, 24.03.2009 13:32:
Sehr geehrter Herr Herz, es wäre sinnvoll Rücksprache mit Herrn Meidinger zu halten. Wir kennen ihn persönlich und diese von der Presse veröffentliche Aussage wurde völlig aus dem Zusammenhang und inhaltlich verfälscht weitergegeben. Unsere Söhne besuchen das Rober Koch Gymnasium in Deggendorf und mein Mann ist Elternbeirat an dieser Schule. Herr Meidinger stellte diese Aussage bereits am Tag der Veröffentlichung bei einer Elternbeiratssitzung richtig. Wie immer sind Gerüchte oder Falschmeldungen sofort in aller Munde, die Richtigstellung wird kaum wahrgenommen.Ich bin selbst Lehrerin und war entrüstet über diese Meldung, konnt aber dann sehr bald aus sicherer Quelle den tatsächlichen Wortlaut erfahren und verstehen. Gerade im Zusammenhang mit Winnenden hab ich das Verständnis für das Vorgehen der Presse verloren. Freundliche Grüße Gabi Hofinger
Ralf, 24.03.2009 19:28:
Statt Schutz vor Amokläufern oder Gefahrenzulagen müssen wir in Deutschland präventiv agieren. Denn verzweifelte Jugendliche die sich nicht in der Lage sehen den (oft nur Gedacht eigenen) Ansprüchen jemals entsprechen zu können werden trotzdem zu Amokläufern wenn deren auffällige Isolation und Gewaltverherlichung als individueller Entwicklungsstand geduldet werden und eine Schußwaffe leicht zugänglich ist. Beides ist durch uns die Gesellschaft häufig zu vermeiden. Doch dafür müssten wir unseren Kindern die Wahrheit sagen. Denn Stolz, Ehre und Achtung verdienen nicht nur erfolgreiche, berufstätige Menschen mit fehlender oder eingeschränkter sozialer Kompetenz! Auch wenn wir in der heutigen Zeit nicht so erfolgreich wie unsere Väter werden haben wir alle den gleichen Anspruch auf Stolz, Ehre und Achtung. Amokläufer kommen nicht nur aus gutem Haus weil sich ein Hartz IV Empfänger sich kaum eine Schußwaffe leisten kann! Aber auch die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen aus Hartz IV Haushalten sind in den Bereichen falscher Stolz, verschrobene Ehre und Achtung durch Gewalt zu suchen. Ob wohl das dank unserer Regierung erst möglich wird. Denn welcher Jugendliche soll Achtung vor den eigenen Eltern haben wenn er ohne je gearbeitet zu haben ein RECHT auf fast die gleiche Leistung hat? Die Gesellschaft verlangt Stolz, Ehre und Achtung obwohl sie selber gnadenlose Profitgier,manipulative Lügen und menschenverachtender Selbstsüchtigkeit verherlicht. Wir brauchen wieder echten Stolz, Ehre, Achtung, Verständnis und Verantwortung.
Gerhard K., 24.03.2009 19:52:
"Bild' Dir Deine Meinung!" - Das sagt doch schon alles. Kriegen Schulkinder die "Gefahrenzulage" dann auch, auf das Risiko hin, dass sie vielleicht einem der wenigen Kolleg(inn)en in die Hände fallen, die jedes "Versagen" eines weniger lieb gewordenen Kindes dazu nutzen, sich selbst groß herauszuspielen und das Kind und seine noch instabile Persönlichkeit vor seinen Kamerad(inn)en, im Lehrerkollegium und vor anderen Eltern zu blamieren und zu verletzen? Oder auf die Gefahr hin, dass es einer Klassengemeinschaft zugeteilt wird, in die es nicht integriert wird, sondern von der es bestenfalls mit Nichtbeachtung bedient wird? Wann haben wir Lehrer - neben der Fülle an Lehrstoffvermittlungsaufgaben - überhaupt noch Möglichkeiten, die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen in Bezug auf Selbstwertbewusstsein und Achtung gegenüber unseren Mitmenschen zu fördern, bzw. aufzuwecken? Die Lehrstoffangebote sind selten auf dem Stand des aktuellen Wissens; der Inhalt der Schulbücher ist oft schon bei Erscheinen weitgehend veraltet... Aber es muss immer mehr Stoff, immer mehr Detailwissen vermittelt werden. Dabei geht leider allzuoft der Blick für das Wesentliche verloren, nicht nur bei Schülern und Lehrern. Ob eine Gefahrenzulage ein sinnvolles Mittel darstellt, uns für die Gefährdungen, die wir selber mitschaffen, einen Ausgleich zu bieten? Ich glaube es nicht. Ein wenig weniger Formalismus, ein wenig mehr Respekt vor sich selbst und vor den anderen, ein wenig mehr echtes Interesse aneinander und mehr Grundlagen und Strategien für eine lebenslange Neugier, das sind Dinge, die kein Geld kosten, die jede(r) von uns tun und fördern kann und die eine solche Effekthascherei, wie diese sog. Aussage eines Kollegen in der BILD, dahin verweisen, wo sie hingehört: In die Lächerlichkeit. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit) Freundliche Grüße! Gerhard K. Ullrich
Monika, 24.03.2009 22:15:
Ich musste einen vertuscht versuchten Amoklauf miterleben: Die Scule wusste Bescheid ( durch die presse, die in der Schule anrief, weil Schüler die Drohung eines Schülers weitergaben ), die Schulleitung wusste nun Bescheid, nur WIR nicht - wir Lehrer ! Männer in Zivil standen auf unserem Schuldach, ????, ich wunderte mich, auf meine Fragen gab es keine Antwort !, tja, was soll ich sagen: den Schüler, der den Amoklauf vorhatte, hatte ich in der ersten Stunde in meinem Unterricht, ich nahm ihn zur Seite weil ich mit ihm über seine Probleme reden wollte, aber nichts von dem Eigentlichen wusste ! Nach der Stunde ! wurde er abgeführt. Tja, er trug eine schusssichere Weste und war an dem Tag schwarz gekleidet gewesen. Auf meine Frage bei der Schulleitung hin, warum wir Lehrer weder informiert noch wirklich geschützt worden waren, erhielt ich einen Anschiss mit der Verwarnung, nicht darüber sprechen zu dürfen ( " der ruf unsereer Schule... ". ich habe die Hauptschule kurz darauf verlassen. Bis heute ( nach einem Jahr ) bin ich davon noch immer schockiert.
Holger, 25.03.2009 17:47:
Hallo Herr Herz, da kann ich mich Ihren Überlegungen zunächst nur anschließen. Auch der Kommentar von Frau Demmer findet meine volle Zustimmung - wenn Herr Meidinger das tatsächlich in die Öffentlichkeit posaunt hat, was aber im Hinblick auf die Boulevardpresse wohl eher nicht richtig ist! Doch wie fast immer wäre auch diese Aussage "cum grano salis": Lehrer können immer mehr zu Hassobjekten der SchülerInnen werden. Bedauerlicher Weise fragt aber gerade bei den Philologen kaum einmal jemand nach den Ursachen. Warum nur fällt mir dazu das biblische Gleichnis mit dem Splitter und dem Balken ein? Könnte es sein, dass sich Schüler von bestimmten Lehrkräften missachtet fühlen? Ist diese Sichtweise vielleicht besonders in Gymnasien zu beobachten? Welche Arroganz steht eigentlich dahinter, wenn alle Anderen - Schüler und Eltern - sich fehl verhalten, nur ich nicht? Liebe Lehrkräfte, werdet doch bitte endlich wach! Dass die Imageveränderung von der Ortsdreifaltigkeit (Pfarrer, Lehrer, Arzt) zum Buhmann der Nation stattgefunden hat, liegt doch nicht nur an allen anderen Teilen der Gesellschaft. Die Möglichkeit zur Änderung und Besserung setzt aber doch wohl erst einmal eine ehrliche Analyse voraus. Das müssten m.E, wissenschaftlich gebildete Menschen eigentlich verinnerlicht haben. Freundlichen Gruß