Im Dschungel des Bildungsföderalismus
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Sommerferien sind die Zeit, in der Eltern mit ihren Kindern aus beruflichen Gründen den Umzug planen, damit der Schulwechsel möglichst reibungslos abläuft. Aber von "reibungslos" kann keine Rede sein, wenn der Umzug in ein anderes Bundesland stattfindet. Am härtesten müsste es eigentlich die Kinder treffen, wenn sie vom Norden in den Süden ziehen, beispielswiese aus Bremen nach Bayern, den beiden Antipoden des Schulleistungsvergleichs. Da kann eine "Schulkarriere" schon mal einen Knick bekommen. Bayern ist schließlich díe Insel der seligen Dreigliedrigkeit. Und die ist konsequenter, als sie anderswo jemals war. Eine sogenannte "Dreierbank", d.h. in den Haupt- und Nebenfächern am Ende der 4. Klasse weitgehend die Note "befriedigend" auszuweisen, reicht im Freistaat für den Besuch der Hauptschule. In Rheinland-Pfalz kennzeichnet das einen sicheren Realschüler. Wobei es den Realschüler hier nicht mehr in der Form gibt wie in Bayern, denn Haupt- und Realschulen wurden, wie in anderen Bundesländern auch, zusammengelegt.
#Sponsored Links#
Interessant wird es für die Fünftklässlerin z.B. aus Baden-Württemberg, die das Gymnasium besucht und mit ihren Eltern nach Berlin zieht: Hier steht der Besuch der Grundschule an, die, wie in Hamburg zumindest geplant, sechs Jahre dauert. Interessante Varianten bieten sich auch im Bereich der Fremdsprachenerziehung, denn in dem einen Bundesland beginnt man mit dem Englischunterricht in der ersten Klasse oder sogar im Kindergarten, im anderen erst in der dritten oder gar vierten Klasse - dazu noch auf unterschiedlichen Niveaustufen. In Rheinland-Pfalz kann es sogar sein, dass im Grenzgebiet zu Frankreich Französisch auf dem Stundenplan der Grundschüler steht. Wenn dann ein Umzug nach Bayern ansteht... Sehr ansprechend veranschaulicht wird diese Problematik in einem Clip auf Spiegel Online - schauen Sie einfach mal rein!
Es wird häufig geklagt, die Schulpolitik zeichne sich nicht durch Kontinuität aus. Die ist immerhin in Bayern noch am ehesten erkennbar. Natürlich ist es auch spannend, neue Formen zu bedenken und umzusetzen, aber wohl nur für Bildungspolitiker, nicht aber für die Lehrerschaft, die Eltern und deren Kinder. Darum kann die Forderung nur lauten: Lichtet den Bildungsdschungel, gebt die Zuständigkeit an den Bund und fahrt eine klare Linie!
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel