Immer umstritten: Die Rolle des Schulbuchs
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
„gut, dass die Kontinentalverschiebung nur einen Zentimeter im Jahr beträgt", sagt Karin Hechler, die Schulleiterin der Schillerschule in Frankfurt am Main, „dann halten wenigstens die Atlanten ein bisschen länger." Sie spricht in einem Artikel der Frankfurter Rundschau das Problem der Aktualität von Schulbüchern an. Auch sieht sei es kritisch, dass nach ihrer Erfahrung bei keiner einzigen Referendarsprüfung die Nutzung des Schulbuchs positiv gesehen wurde. Nun ist ja die Nutzung oder Nichtnutzung des Schulbuchs alleine kein Gütekriterium für Unterricht. Wenn überhaupt spielt hier die ökonomische Komponente eine Rolle. Das Schulbuch hat jeder, aber ob ein Kollege oder eine Kollegin deshalb weniger kopiert, nur weil sie das Buch verstärkt einsetzen, sei einmal dahingestellt.
Professor Joachim Kahlert, Erziehungswissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität in München stellt zum Thema Schulbuch interessante Fragen:
- Wie setzen Lehrer das Schulbuch ein?
- Wie steht es mit der Textverständlichkeit?
- Wie wirkt das Buch auf die Schüler je nach Fach und Alter?
Mögliche Antworten sind:
- Sicher muss man von Fach zu Fach differenzieren: In Mathematik und im Sprachunterricht dürfte die Einsatzquote ziemlich hoch sein, denn Aktualität ist hier nicht so relevant. In den Sachfächern hängt es mit Sicherheit auch von der Aufbereitung der Themen ab, welche Inhalte der Schulbücher zum Tragen kommen. Außerdem, Unterricht rein nach dem Schulbuch ist natürlich sehr vorbereitungsfreundlich angesichts der steigenden Belastungen, denen Lehrkräfte immer mehr ausgesetzt sind. Aber ist reiner Schulbuchunterricht nicht auch sehr eintönig? Außerdem, wenn es um Wirtschaftlichkeit geht, ist das Internet sicher das günstigste Medium.
- Manche Texte sind je nach Lerngruppe definitiv zu schwer oder auch zu einfach. Bei der Planung von Unterricht lernen doch die oben angesprochenen Referendare, dass sie Medien und Materialien lerngruppenadäquat auswählen sollen.
- Wie Bücher auf Schüler wirken, ist meiner Meinung nach nicht so relevant wie die Frage, was im Unterricht mit Hilfe der Bücher gemacht wird. Werden sie tendenziell eher nach dem Rhythmus Lesen - Beantworten - Schreiben eingesetzt, ist die Aufmachung des Buches genau so gleichgültig wie bei einer methodisch durchdachteren und flexibleren Einsatzweise.
Welche Bedeutung das Schulbuch ökonomisch hat, belegten die Zahlen der Verlage: Obwohl sie viel für elektronische Medien werben, machen sie damit lediglich fünf Prozent ihres Umsatzes - mit dem klassischen Schulbuch dagegen 95 Prozent.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel