Integration durch Trennung?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

noch ist es nur ein Modellversuch, jedoch soll der islamische Religionsunterricht als Regelfach von 2012 an eingeführt werden. Damit wäre Niedersachsen das erste Bundesland, in dem Islamische Religion als Regel-Schulfach unterrichtet wird, wie unter anderem auf www.topnews.de zu lesen war.

Bislang werden derzeit rund 2.000 Schüler an 42 niedersächsischen Grundschulen in einem 2003 eingerichteten Modellversuch im Fach Islamische Religion unterrichtet. Sobald ausreichend Lehrkräfte für das Fach zur Verfügung stehen, solle der Unterricht nach Angaben des Ministers auch an den weiterführenden Schulen eingeführt werden. Ähnliche Projekte gebe es Bildungsminister Althusmann zufolge bereits in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz., wo ebenfalls ein konfessioneller Unterricht angeboten würde.

Sicher, wenn es katholischen und evangelischen Unterricht gibt, sollte es wegen der hohen Anzahl muslimischer Schüler auch deren Religionsunterricht geben. Das gebietet die schon das Gleichheitsprinzip und dieser Unterricht scheint im Hinblick auf die Integration von Migranten unverzichtbar zu sein. Man integriert also, indem man trennt - in evangelischen, katholische, islamischen Unterricht und den Ethikunterricht als vierte Variante. Wir haben Koedukation in allen Fächern und Schularten, wir streben auf Geheiß der UNO Inklusion an, separieren aber die Kinder unterschiedlicher Religionsgemeinschaften! Wäre nicht ein gemeinsamer Wertunterricht die richtige Konsequenz?

Ihr

  

Gernot Herz

Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

* Pflichtfeld

*

*
*
Lutz, 21.09.2010 10:15:
Der gemeinsame Werteunterricht brächte die auf sehr unterschiedliche Vorkenntnis aufsetzenden Fundamentaldiskussionen in die Klassen. Wir sollten die Lebenswirklichkeit beachten: heute kann nicht mehr ein allgemeiner Grundstock an Religionskenntnis und voll wahr-genommenem "eigenen" Glauben vorausgesetzt werden. Deshalb: Wenn zunächst die Fundamente der eigenen Auffassung erst 'mal bekannt gemacht werden, dann über Versagensprobleme" der "eigenen Leute" informiert wird: Werkgerechtigkeit, Kreuzzüge, den Mitmenschen instrumentalisierendes Menschenbild, dann endlich kann man einen gemeinsamen Werteunterricht, glaubensübergreifend und skepsisoffen, als Suche nach Entsprechungen und nach Mißverständnissen "bei denen vor uns über einander" anbieten.
Wolfgang, 21.09.2010 15:54:
Ganz klar: Nein! Abgesehen von der "Kleinigkeit", dass Religionsunterricht einen höheren Rechtsstatus besitzt als der eines beliebigen anderen Fachs, vermittelt Religionsunterricht auch Werte, aber ein Werteunterricht nie jene umfassende Weltsicht und ihre Begrondung, wie es Religionsunterricht vermag. Hier aus falsch verstandenem Egalitätsdenken den kleinsten gemeinsamen Nenner anzustreben, beraubt uns eines Teils der abendländischen Wurzeln und wäre zugleich ein Affront gegen die ihrer religiösen Herkunft sehr viel bewussteren Mitglieder der islamischen Religionsgemeinschaften.
Gerhard K., 21.09.2010 19:42:
Warum eigentlich auf den Unterricht in der eigenen Religion (Konfession) zugunsten eines "Werteunterrichts" verzichten? Wäre es nicht möglich, diese Tradition im Regelangebot des Vormittags-unterrichts beizubehalten, auch mit den Begründungen von Lutz und Wolfgang, und im Rahmen des Nachmittagsangebots, in der sich zunehmend durchsetzenden Ganztagsbetreuung, ein Fach zu schaffen, in dem, auf diesen Grundlagen aufbauend, die vielen Gemeinsamkeiten bezüglich der Werte diskutiert und hinterfragt werden, auf die sich unser Menschenbild stützt? Das Interesse daran, was Werte eigentlich sind und wie sie wirken, ist jedenfalls auch bei Kindern und Jugendlichen "überraschend(?)" hoch.
Walter, 07.10.2010 06:27:
Ich schließe mich dem Nein der Vorschreiber und Ihren Ausführungen dabei ausdrücklich an. Auch angesichts der für mich grotesken Diskussion um den "Nebensatz" des Bundespräsidenten in seiner Rede am 3. Oktober, ist ein jeweils gesonderter Unterricht für die "großen Religionsgruppen" notwendig. Dazu sollte es immer wieder Foren des gemeinsamen Gesprächs über aktuelle Fragen geben, das m. E. in der Schule am besten geführt werden könnte. Die Schulen könnten so (endlich und ohne Mehraufwand) zu einem Ort der Entwicklung einer Kultur des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft werden.