Internationaler Lehrervergleich: verbeamtet und/oder angestellt
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
in den meisten Ländern, vor allem denjenigen, die bei PISA gut abschnitten, werden Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr durch einen bürokratisch administrierten Zuteilungsmechanismus den Schulen zugewiesen, sondern es besteht ein offener Lehrerarbeitsmarkt: Wesentlich dabei ist die Bewerbung für eine Stelle an einer konkreten Schule und die Auswahlkompetenz der Schule selbst. Diesbezügliche Reformen wurden in diesen Ländern schon vor Jahren durchgeführt.
Das zeigt eine neue Studie des österreichischen Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw). Dabei wurden die dienst- und besoldungsrechtlichen Regelungen in Europa sowie in einigen außereuropäischen Ländern (USA, Neuseeland, Australien etc.) miteinander verglichen.
In rund der Hälfte der Länder sind Kolleginnen und Kollegen verbeamtet und in der anderen Hälfte Vertragsbedienstete (öffentlich Bedienstete auf Basis eines privatrechtlichen Arbeitsvertrages) oder Privatangestellte. In etlichen Ländern kommen beide Formen vor. Reformen im dienstrechtlichen Bereich gehen international in Richtung einer Umwandlung von beamteten Dienstverhältnissen hin zu Angestelltenverhältnissen, die auf privatrechtlicher Natur basieren.
In vielen dienstrechtlichen Regelungen besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Entlassungen aufgrund unzureichender Lehrerleistungen sowie aus strukturellen Gründen (Stellenkürzungen etc.) vorzunehmen. Dies kann auch für beamtete Lehrerinnen und Lehrer gelten (bspw. in Finnland).
Traditionell wurde in den meisten Ländern die Arbeitszeit auf Basis der Unterrichtsverpflichtung festgelegt. Mittlerweile wird dieses System aber nur noch in wenigen Staaten angewandt. Gängig ist mittlerweile, dass sich die Arbeitszeit aus einer Kombination von Unterrichtsverpflichtung und Anwesenheitszeit an der Schule definiert. Auch die Festlegung einer jährlichen Gesamtarbeitszeit ist üblich. Die meisten PISA-Spitzenreiter haben ein Arbeitszeitmodell, das Unterrichtsverpflichtung mit schulischer Anwesenheitszeit kombiniert. In der Studie werden zudem weitere Aspekte wie Lehrergehalt oder Weiterbildung dargestellt.
Ich will damit nicht Veränderungen das Wort reden, aber die Ergebnisse zeigen schon, dass der Beamtenstatus, die Freiwilligkeit der Weiterbildung und auch die klar definierte Unterrichtsverpflichtung in den meisten deutschen Bundesländern doch vergleichsweise ein sehr komfortables Lehrerleben ermöglichen. Ob das aber die Arbeitszufriedenheit erhöht bzw. die Gefahr, Burnout – Symptome oder gar das Syndrom zu bekommen mindert, sei einmal dahin gestellt. Dazu macht die Studie leider keine Aussagen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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