Jamaika-Bildung im Saarland

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

was bringt eigentlich das jamaikanische Schulsystem – im Saarland? Schwarz – gelb – grün kommt erstmals eine Landesregierung daher und der Koalitionsvertrag zeigt schon, dass die absolute Priorität dem Bildungsbereich zukommt, denn er folgt als erster Punkt nach der unverzichtbaren Präambel. Interessant ist hier die Frage, welche Schulform das neue Bündnis gebiert: die Gemeinschaftsschule! Hört sich nicht so ideologisch belastet an wie Gesamtschule, legt aber den Schwerpunkte offensichtlich auf die innere Differenzierung und die Möglichkeit in einer Schule alle drei Bildungsabschlüsse – das Abitur nach 13 Jahren – zu erwerben. Im Bereich der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen wollen die Koalitionspartner ein Zwei-Säulen-Modell einrichten. Neben dem grundständigen Gymnasium, das auch künftig dauerhaften Bestandsschutz genießt, soll eine neue integrierte und differenzierte Schulform als gleichwertige Alternative mit der Bezeichnung Gemeinschaftsschule geschaffen werden, die alle Abschlüsse bis zum Abitur anbietet. Das Zwei-Säulen-Modell stellt dem Gymnasium, in dem auch künftig das Abitur nach 12 Schulbesuchsjahren abgelegt wird, eine neue Schulform als flächendeckende Alternative zur Seite, die den Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife nach 13 Schulbesuchsjahren ermöglicht, heißt es dazu im Koalitionsvertrag.

Also kein Schreckgespenst, sondern eine Modell, das andere Bundesländer und das Saarland zuvor in ähnlicher Version angeboten haben, denn hier schaffte die bisherige Landesregierung die Hauptschule auch schon vorher ab. Bei der inneren Unterrichtsorganisation genießen die Gemeinschaftsschulen im  Rahmen ihres Stundenbudgets ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit. Die Schulkonferenzen entscheiden über die Ausgestaltung der jeweiligen Leistungsdifferenzierung nach Festlegung eines Differenzierungsrahmens auf der Grundlage der KMK-Vereinbarung über die Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I vom 25 02.06.06. Entsprechend dem Grundsatz des längeren gemeinsamen Lernens soll eine äußere Fachleistungsdifferenzierung möglichst spät einsetzen, heißt es weiter. Es ist unbestritten, dass hier ein Wettbewerb eröffnet wird zwischen den zwei Schulformen Gymnasium und Gemeinschaftsschule eröffnet wird, der womöglich wie in anderen Bundesländern den Effekt haben wird, dass die Eltern für ihre Kinder mit den Füßen abstimmen werden, indem sie ihre Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der Schulwahl nutzen werden und so einen Run auf die Gymnasien eröffnen werden. Abschrecken könnte lediglich die bundesweite Kritik am Turboabitur, das nach 12 Jahren auch im Saarland vergeben wird. Werten wir es ab!

Einen guten Rutsch wünscht

Ihr

 

Gernot Herz

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Lutz, 29.12.2009 15:37:
Vielleicht können aufkommende Diskusionen in den Elternhäusern zu längeren (auch gar gründlicher bedachten) Entscheidungen der Heranwachsenden führen. Debattenkultur zwischen den Generationen könnte aufkommen,- wäre schön!!!