Jede(r) hat sein/ihr Ränzlein zu tragen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dass zwei von drei Grundschülern zu schwere Schulranzen schleppen, zu diesem Ergebnis kommt ein "Schulranzen-TÜV" der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Ärzte hatten stichprobenartig die Schultaschen von 312 Kindern überprüft. Mit durchschnittlich fünf bis sechs Kilogramm waren die Ranzen eindeutig zu schwer. Für das Höchstgewicht eines vollen Schulranzens gibt es keine Vorschrift, lediglich eine Empfehlung, die auf die kinder- und jugendärztliche Praxis zurückgeht. Dort heißt es: Ein Schulranzen sollte nicht schwerer sein als zehn bis elf Prozent des Körpergewichtes des Kindes oder Jugendlichen. Auch Trageempfehlungen werden gegeben, die Haltungs- und Gleichgewichtsschäden bei den Schülern verhindern sollen.
So weit die Theorie. Da es sich jedoch nicht um eine Vorschrift, sondern lediglich um eine Empfehlung handelt, also niemand die Gesamtverantwortung dafür trägt, dass in der Praxis durchzusetzen, sieht die Wirklichkeit anders aus: Rund zwei Drittel der Schulranzen sind zu schwer, die vieler Grundschüler und junger Gymnasiasten oft viel zu schwer. Das hat eine Reihe von Gründen: Schulbücher mit festem Einband statt Paperback-Ausgaben, dicke Schulbücher, die für mehrere Schuljahre gelten, statt je einer schmaleren Broschüre für jedes einzelne Schuljahr und Lehrpläne, die neben dem Lehrbuch noch eine ganze Reihe an Zusatzliteratur und Arbeitsheften fordern.
Hier können nur alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen. Das gleiche gilt für die tägliche Kontrolle im Alltag. Eltern sind gefordert, gemeinsam mit ihren Kindern darauf zu achten, dass nur das in den Schulranzen kommt, was benötigt wird. Lehrer müssen ihren Schülern klar sagen, was genau für die nächste Stunde gebraucht wird, statt zu sagen: Bringt doch sicherheitshalber alles mit. Die Schule ist gehalten, den Schülern Schließfächer im Schulhaus zur Verfügung zu stellen und gemeinsam mit Eltern und Schülern darauf zu achten, dass sie auch in Ordnung gehalten werden.
All das funktioniert nur, wenn jeder an seiner Stelle ansetzt. Und noch ein Fakt spielt eine Rolle: Schulbücher sind oft so teuer, dass selbst ordentlich verdienende Elternhäuser auf Leihexemplare angewiesen sind. Die müssen wiederum haltbar und deshalb meist mit festem Einband versehen sein. Die hohen Preise aber gehen auf die relativ kleinen Auflagen und die wiederum auf die Menge und Unübersichtlichkeit von Systemen, Lehrplänen und Schulbuchanforderungen in Deutschland zurück.
Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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