Keine Kampfabstimmungen zum Klassenelternsprecher?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

letzte Woche habe ich über das Thema Fachkonferenzen schwadroniert. Selbst dadurch sensibilisiert habe an meiner eigenen Schule die Erfahrung gemacht, dass die Typisierung zur Fachleiterwahl auf die Konferenzen, an denen ich seit Beginn des Schuljahres teilgenommen habe, voll und ganz zutrifft. Als Hauptschullehrer oder auch als Haupt- und Realschullehrer an Regionalen Schulen darf man ja einem ganzen Sammelsurium von Fachkonferenzen beiwohnen, denn man möchte ja aus gutem Grund in der eigenen Klasse möglichst viel unterrichten und erlangt so über die Jahre eine gewisse Qualifikation und Freude am fachfremden Unterrichten.

Um den Gedanken abzuwürgen: Auch an anderen Schulen ist das so, denn wie jeder Lehrer kenne auch ich Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen und tausche mich unter unbedingter Berücksichtigung des Datenschutzes mit diesen aus. Das Ergebnis? Auch dort treffen die drei Typen der Fachleiterwahl zu (Weiterführer(in), Amtsmüde(r) und Exüberrumpelte(r)). Kampfabstimmungen gibt es nicht. Kein Lafontaine, der den Amtsinhaber Scharping mit einer flammenden Rede aus dem Amt putscht? Putscht? Sind Kampfabstimmungen nicht eher wünschenswert in einer Demokratie?

Schülerinnen und Schüler beherrschen das besser, denn bei jeder Klassensprecherwahl gibt es eine Vielzahl an Kandidaten und häufig genug entscheidet eine Stichwahl. Ebenso habe ich es bisher bei den Wahlen zum Amt des Schülersprechers/ der Schülersprecherin erfahren.

Eine andere für die Zusammenarbeit in der Schule relevante Gruppe scheut wie die Lehrerschaft die Kampfabstimmung wie der Teufel das Weihwasser – zumindest nach meiner persönlichen Erfahrung: die Elternschaft.

Es stehen momentan wieder Klassenelternversammlungen an, in denen der/ die Klassenelternsprecher(in) gewählt wird. Am besten direkt auf zwei Jahre, denn das betretene Schweigen bzw. das gegenseitige „In – die – Pfanne – hauen“ nach dem Muster „Mach du dat doch!“/ „Biste bekloppt?“ möchte man sich dann doch  zumindest für ein Jahr ersparen. Eltern sind nicht (mehr) spontan bereit, ein solches Amt zu übernehmen, sodass sich die lieben Eltern sofort auf die zwei Freiwilligen stürzen und diese dankbar wählen. Ich bin dann auch erleichtert, vor allem, wenn die Wahlvertreter für die Wahl zum Schulelternbeirat dann auch noch bestimmt sind. Diese Nominierung geht allerdings schneller vonstatten, denn diesem Amt haftet etwas mehr Überschaubarkeit an.

Ende September freue ich mich also wieder über meinen Elternabend, der ein Fest für die Demokratie wird. Dabei können bisherige Elternsprecher in meinen Klassen sicher nicht über ihre Arbeitsbelastung klagen. Vielleicht sollte ich Ihnen aber auch einmal vom Spektakel der Klassensprecherwahl erzählen.

Anders sieht das noch im Grundschul- und Gymnasialbereich aus, denn hier scheint die Elternschaft anders motiviert zu sein, sodass es bei den Elternabenden meiner Tochter und meines Sohnes immer mehr Kandidaten als Ämter gab und auch ich mich einmal todesverachtend in eine solche Kandidatur stürzte und .... Na ja, Stimmen habe ich schon bekommen.

Aber nichts gegen die Elternschaft an Haupt- und Realschulen, denn die Lehrerinnen und Lehrer reißen sich ja auch nicht gerade um Posten!

Haben Sie ähnliche oder völlig andere Erfahrungen gemacht? Oder haben Sie sogar den Dreh raus, Eltern zur Kandidatur zu motivieren?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de.

Ich würde mich freuen.


Ihr



Gernot Herz

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