Kommentar zur Umfrage über die Einheitsschule
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nach einer vom Deutschen Philologenverband beauftragten Forsa - Umfrage vom September 2009 will die Mehrzahl der 1007 Befragten überhaupt keine „Einheitsschule“: Nur eine Minderheit von 31 Prozent aller Bundesbürger befürwortet die Abschaffung des bisherigen Schulsystems und die Einführung einer Einheitsschule. Lediglich die Anhänger der Grünen und der Linke befürworten mehrheitlich (50 bzw. 53 %) die Einführung der Einheitsschule. Doch auch unter den Anhängern dieser beiden Parteien möchte eine starke Minderheit (48 bzw. 43 %) das bisherige Schulsystem beibehalten. Ansonsten wird die Einführung der Einheitsschule in allen Gruppen (auch von Eltern mit schulpflichtigen Kindern) mit großer Mehrheit abgelehnt.
Wäre die Schule Bundessache, könnten wir seit den Bundestagswahlen wohl mit einer Rückkehr zum dreigliedrigen System rechnen. Doch auch Churchill misstraute schon Statistiken, die er nicht selbst gefälscht hatte. Deshalb zunächst einmal die Frage nach dem Auftraggeber: der Deutsche Philologenverband. Mitglieder sind Lehrer an Gymnasien sowie an anderen Bildungseinrichtungen, die zum Abitur führen. Eine Standesvertretung der neuen „Hauptschule“, denn das werden die Gymnasien mehr und mehr. Zum Beispiel bietet die Landeshauptstadt von Rheinland - Pfalz, Mainz im Bereich der Sekundarstufe I folgende Schularten an:
- acht Gymnasien
- sechs verbundene Grund- und Hauptschulen
- fünf Realschulen
- drei Hauptschulen
- zwei Integrierte Gesamtschulen.
Warum schicken denn immer mehr Eltern ihre Kinder auf Realschulen, anstelle der Hauptschulen oder gar auf die Gymnasien anstelle der beiden erstgenannten? Warum schaffen immer mehr Bundesländer die Hauptschule ab? Weil der höchstmögliche Bildungsabschluss für die eigenen Kinder der Wunsch ist! In Rheinland - Pfalz gibt es 35 Gesamtschulen von denen 10 dieses Jahr eröffnet wurden und 17 werden 2010 hinzu kommen. Im Wartestand sind weitere Gemeinden, die förmlich nach einer IGS lechzen. Warum? Weil das Bildungsangebot der IGS den Schulstandort sichert.
Das ist kein Plädoyer für oder gegen ein gegliedertes Schulsystem, sondern ein gutes Beispiel, wie Umfrageergebnisse und Realität sich wiedersprechen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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