"Kopfnoten“ als Kennzeichnung politischer Lager

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Folgende Fragen sind Bestandteil einer Handreichung für Schüler in Niedersachsen, um die Beurteilungskriterien für die Kopfnoten transparent zu machen:

  • Beteiligst du dich aktiv am Unterricht oder lässt du den Unterricht mehr über dich ergehen oder störst du sogar den Unterricht?
  • Machst du auch mal freiwillig etwas oder fällt es dir schon schwer, deine normalen Pflichten zu erledigen? …
  • Hilfst du Mitschülern, wenn sie Probleme haben oder lässt du das lieber andere machen?
  • Benutzt du gerne unerwünschte Kraftausdrücke?

Als Hinweis erhalten die Schüler zusätzlich die Stufen der Beurteilung:

Die Beurteilungen werden nicht mit den üblichen Schulnoten 1 - 6 vorgenommen, sondern mit diesen Formulierungen:

"verdient besondere Anerkennung"
"entspricht den Erwartungen in vollem Umfang"
"entspricht den Erwartungen"
"entspricht den Erwartungen mit Einschränkungen (*)"
"entspricht nicht den Erwartungen"

Das Thema „Kopfnoten“ gehört in Deutschland anscheinend zu einer Kennzeichnung politischer Lager, denn wie www.bildungsklick.de berichtet, wollen SPD und Grüne die Kopfnoten auf den Schulzeugnissen in Nordrhein-Westfalen möglichst schnell abschaffen. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle noch vor der Sommerpause in den Landtag eingebracht werden, teilten SPD-Chefin Hannelore Kraft und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sylvia Löhrmann, am 22. Juni nach der ersten Runde der rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf mit.

Die Frage ist, was Kopfnoten bringen und für wen. Sicher, sie können helfen, Schüler zu disziplinieren, aber tun sie das wirklich? Sie helfen bei der Suche nach Ausbildungsplätzen oder vielmehr den Betrieben bei der Suche nach dem geeigneten Azubi. Aber erleichtern sie den Kolleginnen und Kollegen das Berufsleben? Oder ist es nur ein weiterer Aspekt, der zeigt, wie relativ dabei die Wahrnehmung von Schülerverhalten in der Lehrerschaft ist. Das bedeutet herrliche Diskussionen im Rahmen der Zeugniskonferenzen. Aber die können ja auch fruchtbar sein.

Ihr

 

Gernot Herz

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Walter, 02.07.2010 08:58:
Sicher sind die "Kopfnoten" inzwischen Kennzeichnung von politischen Lagern, aber sie sind im Kern doch eher Kennzeichnung der Einstellung der Pädagogen zu Macht und zu ihrem Umgang damit. In der Sache sind auch sie in Anlehnung an Ingenkamp (1971) so fragwürdig wie die übrige Zensurengebung. Und dass - nach den eigenen Schulerfahrungen damit - dieselben Positionen in der Politik wie in den Lehrerzimmern einander gegenüberstehen, ist nicht verwunderlich. Beim Umgang mit Noten geht es um den Umgang mit Macht und um die Einstellung zur "Strafe als Erziehungsmittel". ... Um Noten als pädagogisch sinnvolles Fördermittel geht es zuletzt, in den meisten Praxisfällen überhaupt nicht.
christa, 04.07.2010 17:02:
Eingebettet in ein gesamtpädagogisches Konzept können Kopfnoten durchaus sinnvoll sein. Nach Gesprächen mit den Schülern gibt es Punkte, die über das Halbjahr als Grundlage zur Notenfindung dienen. Sowohl Motivation als auch Sozialverhalten haben sich aus meiner Sicht spürbar positv verändert. Wer andere hinter sich aufräumen lässt und seine Arbeiten kompiliert statt selbst zu denken, erhält Minuspunkte, wer neue Denkansätze vorträgt und Arbeiten mit neuem Material unterstützt, erhält Pluspunkte. Am Ende ermittelt sich die Note aus der Addition der Punkte. Unsere Gesellschaft bewertet subtil und bestraft ebenso. Warum sollen junge Menschen in ihrer Schulzeit auf diese Situation nicht vorbereitet werden? Insofern sehe ich in der Erteilung der Kopfnoten nicht unbedingt einen Ausdruck eines politischenj Lagers.