Kritik an der Lehrerschaft: Stellen wir uns unseren Aufgaben
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
warum sind Sie Lehrer oder Lehrerin geworden? Hatten Sie ein schlechtes Abitur? Wollten Sie ein einfaches Studium absolvieren? Oder waren Sie scharf auf einen gesicherten Job mit 13 Wochen Urlaub? Harte Fragen, aber wenn man liest, was der Stern über die Lehrerschaft berichtet, scheint das der Grundtenor des Artikels von Catrin Boldebuck unter der Überschrift „Holt die Elite ins Klassenzimmer“ zu sein:
- In Deutschland kann jeder Lehrer werden, der ein mittelmäßiges Abitur hat.
- In Deutschland gibt es zu wenig gute Lehrer.
- Nur die Besten sollten zum Studium zugelassen werden.
- Für ein Viertel der angehenden Pädagogen ist der Beruf nur eine Verlegenheitslösung.
Harte Worte angesichts der Tatsache, dass seit Jahren eher Eltern, Bildungs- und Finanzpolitiker den Schwarzen Peter zugeschoben bekamen. Immerhin räumt die Journalistin ein, dass der Leistungsanreiz zu gering und die unterschiedliche Bezahlung quer durch die Schularten ungerecht sei. Aber muss die Mehrzahl aller Lehrerinnen und Lehrer sich den Schuh anziehen, fehl am Platz zu sein? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie immer in der Mitte. Alle Beteiligten haben die Aufgabe an der Verbesserung des Schulsystems und des Unterrichts mitzuarbeiten. Das darf nicht bei Lippenbekenntnissen und Scheinbeschlüssen (siehe Bildungsgipfel) aufhören, sondern fordert auch von der Lehrerschaft das kritische Hinterfragen der täglichen Arbeit. Kritisch kann man aber nur die eigene Arbeit bewerten, wenn man sie zur Schau stellt. Was das heißt, ist klar: Alle Kolleginnen und Kollegen müssen sich einer Überprüfung ihrer Arbeit von außen stellen! Hier ist die Politik wieder am Zug, denn sie muss die Voraussetzungen für eine Evaluation des Unterrichts schaffen. Das darf nicht nur alle Jahre einmal passieren, sondern muss ein ständiger, sich wiederholender Prozess sein. Wir haben schließlich nichts zu verbergen, oder?
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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