Lehrer sind nicht schlechter oder fauler, eher anders!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie steht es mit der vermeintlich unterdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft von Lehrkräften? Studienanfänger im Lehramt studieren parallel zwei ganz unterschiedliche Hauptfächer – und im Grundschullehramt den ganzen Elementarkanon – sowie darüber hinaus auch die Bildungswissenschaften. Später sollen sie ihre Fächer auf einem für Schüler angemessenen Niveau unterrichten. Wenn diese Studierenden nun als Berufsziel angäben, sie wollten Fachexperten werden und in fachlicher Hinsicht Überdurchschnittliches leisten, läge der Schluss auf mangelnde Berufseignung mindestens ebenso nah wie auf mangelnde Leistungsbereitschaft.

Und selbst das Freizeitmotiv – ein Dauerbrenner der Lehrerschelte – ist mit Vorsicht zu deuten. In einem Beruf, in dem die Länder sich bis heute nicht in der Lage sehen, ihrem akademischen Personal in der Schule einen Büroarbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, ergibt sich die Notwendigkeit, aber auch der Vorzug des individuellen Zeitmanagements. Hinter dem Freizeitmotiv muss man nicht unbedingt Faulheit vermuten, sondern es können auch Überlegungen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und individuelle Arbeitszeitgestaltung eine Rolle spielen. Um dies zu beurteilen, brauchte man Daten, die zeigen, dass die Studenten besonders gute und erfolgreiche Lehrer werden, die als Motiv für ihre Berufswahl angeben, fachlich Hervorragendes leisten zu wollen. Auf der anderen Seite müssten Studenten, die sich selbst ein besonders großes Interesse an Freizeit bescheinigen, später nachweisbar schlechtere Lehrer werden – Informationen, die aus der Befragung der Studienanfänger nicht hervorgehen.

Der Enthusiasmus, im studierten Fach zu unterrichten, und – wohlgemerkt – nicht der Enthusiasmus für das Fach an sich, sagt die Unterrichtsqualität und den Leistungsfortschritt von Schülerinnen und Schülern ähnlich gut vorher, wie es das fachliche Wissen der Lehrkraft tut. Was zählt, ist die Lust auf das Unterrichten, nicht der fachliche Ehrgeiz.

Ihr

 

Gernot Herz

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Bettina, 29.05.2009 13:02:
Das mit der Faulheit etc finde ich besonders toll, wenn ich den Bericht am 6. Tag lese, an dem ich korrigierenderweise an meinem Schreibtisch in meiner Wohnung sitze...
Susanne, 29.05.2009 13:32:
Aber gerade diese Lust vermisse ich bei vielen Lehrern. Ich bin Lehramtskandidatin für Deutsch und Soziologie und arbeite seit 6 Jahren neben meinem Studium erfolgreich als Nachhilfelehrer. Ich habe das Gefühl, dass unsere Lehrer kein Interesse an ihren Schülern haben und eher daran interessiert sind, ihren Schülern zu schaden. Das gilt zwar nicht für alle Lehrer aber für viele.
Claudia, 29.05.2009 14:13:
Liebe Susanne, ich frage mich, wie jemand, der noch studiert, ein bisschen erfolgreich Nachhilfe gibt und somit nicht wirklich im täglichen Schulbetrieb steckt, zu solch einer Einschätzung kommen kann. Sicher mag es solche Kollegen geben, aber diese Verallgemeinerung ist weder gerechtfertigt noch Image fördernd für unseren Berufsstand, zumal wenn sie aus den eigenen Reihen kommt. Sicher haben Sie dann, wenn Sie nach sechs Jahren Studium oder länger irgendwann mal eine Stelle antreten werden, genügend Lust aufgebaut, um tagtäglich den Schülern einen lustvollen Unterricht zu bereiten.
Urike, 29.05.2009 18:16:
Ich bin seit über 25 Jahren Hauptschulererin und habe nie das Interesse an meinen Schülern verloren. Klar, manchmal bin ich "faul",Erfahrung hat man ja auch. Aber die gewonnende Zeit kann ich gezielt in schwache Kinder investieren.
Sandra, 29.05.2009 20:04:
Netter Artikel, nur schade, dass ich ihn schon kannte, hab ich ihn doch vor kurzem in "der Zeit" gelesen
Peter, 30.05.2009 07:20:
Wasserdichte Informationen über die Leistung von Lehrern im Berufsalltag kann man am ehesten vor Ort einholen. Wo werden Schüler unterrichtet? Dort gehe ich hin und informiere mich. Und zwar hole ich Informationen aus beiden Seiten des Geschehens ein. Man kann Lehrer und ihre Schüler befragen. Und die Eltern? Wo bleiben die? Es gibt auch zufriedene und begeisterte Eltern, wenn es um die Qualitätsfrage bezüglich der Lehrkräfte geht. Interessant finde ich an diesem Artikel, dass Lehrer gleich Lehrer ist. Bestehen nicht erhebliche systemimmanente Unterschiede durch die Aufgabenstellung, bzw. Zielsetzung der Schulart. Grundschule, Realschule, Gymnasium, Fachschule, Fachoberschule, Fachhochschule, ...? Von welcher Schulart wird denn gesprochen? Wer ist schon so naiv zu glauben, dass eine Lehrkraft aus einer der genannten Schularten auf Dauer faul sein kann? Gerade der Lehrberuf hat auf den Weg gebracht, was heute fast alle berufstätigen Menschen auf Trab hält: Evaluation, Leistungssteigerung, Leistungsoptimierung, positive Einstellung zum Leistungsprinzip. Welcher Lehrer arbeitet heute noch weniger als 60 Stunden pro Woche? Wann prüft er die Stationen für den nächsten Schullandheimaufenthalt, für die nächste Klassenfahrt ab? Wann arbeitet er um in der Praxis neueingeführte Fächer professionell unterrichten zu können die neuen Unterrichtssequenzen aus? Wann fährt er zu Fortbildung? Und Elternstammtisch, Planung von Rafting- oder Kletteraktionen? Vermittlung von Schulabgängern im Volksschulbereich an Arbeitgeber oder an weiterführende Bildungseinrichtungen? Die meisten Lehrkräfte haben kein Interesse mehr daran, über ihre Faulheit zu diskutieren. Es ist einfach zu lächerlich, out of limit ... Übrigens: Neben der unterrichtlichen Tätigkeit, dam unterrichtlichen Aspekt in diesem Artikel, fehlt der Bereich "Erziehung". Der psychologisch-pädagogische Aspekt spielt ein wesentliche Rolle im Schulalltag!
Peter, 30.05.2009 07:52:
Wasserdichte Informationen über die Leistung von Lehrern im Berufsalltag kann man am ehesten vor Ort einholen. Wo werden Schüler unterrichtet? Dort gehe ich hin und informiere mich. Und zwar hole ich Informationen aus beiden Seiten des Geschehens ein. Man kann Lehrer und ihre Schüler befragen. Und die Eltern? Wo bleiben die? Es gibt auch zufriedene und begeisterte Eltern, wenn es um die Qualitätsfrage bezüglich der Lehrkräfte geht. Interessant finde ich an diesem Artikel, dass Lehrer gleich Lehrer ist. Bestehen nicht erhebliche systemimmanente Unterschiede durch die Aufgabenstellung, bzw. Zielsetzung der Schulart. Grundschule, Realschule, Gymnasium, Fachschule, Fachoberschule, Fachhochschule, ...? Von welcher Schulart wird denn gesprochen? Wer ist schon so naiv zu glauben, dass eine Lehrkraft aus einer der genannten Schularten auf Dauer faul sein kann? Gerade der Lehrberuf hat auf den Weg gebracht, was heute fast alle berufstätigen Menschen auf Trab hält: Evaluation, Leistungssteigerung, Leistungsoptimierung, positive Einstellung zum Leistungsprinzip. Welcher Lehrer arbeitet heute noch weniger als 60 Stunden pro Woche? Wann prüft er die Stationen für den nächsten Schullandheimaufenthalt, für die nächste Klassenfahrt ab? Wann arbeitet er um in der Praxis neueingeführte Fächer professionell unterrichten zu können die neuen Unterrichtssequenzen aus? Wann fährt er zu Fortbildung? Und Elternstammtisch, Planung von Rafting- oder Kletteraktionen? Vermittlung von Schulabgängern im Volksschulbereich an Arbeitgeber oder an weiterführende Bildungseinrichtungen? Die meisten Lehrkräfte haben kein Interesse mehr daran, über ihre Faulheit zu diskutieren. Es ist einfach zu lächerlich, out of limit ... Übrigens: Neben der unterrichtlichen Tätigkeit, dem unterrichtlichen Aspekt in diesem Artikel, fehlt der Bereich "Erziehung". Der psychologisch-pädagogische Aspekt spielt eine wesentliche Rolle im Schulalltag!
Günter, 31.05.2009 14:11:
Peter hat vollkommen recht, und seine Meinung, dass es auch vollkommen zufriedene und begeisterte Eltern gibt, wird durch die jüngste Studie des DPhV bestätigt, demzufolge das relativ schlechte Meinungsbild zum Thema Lehrer sich wunderbarerweise zum Besseren wandelt, sobald die Fragen auf die konkreten, real existierenden Lehrer der eigenen Kinder bezogen werden. Aber es gibt m.E. noch einen anderen Aspekt. Ich glaube feststellen zu können, dass die Qualität der Arbeit eines Lehrers erheblich von den ihn umgebenden Rahmenbedingungen abhängig ist, in denen er wirkt bzw. zu wirken verdammt ist. Neben der Schulleitung ist dies v.a. das Kollegium. Wird der einzelne Lehrer von einem breiten Konsens im Kollegium hinsichtlich pädagogischer Grundfragen getragen, so kann er besseres leisten. Ist er hingegen Teil eines Kollegiums, in dem Grabenkämpfe vorherrschen und wo zwischen den Kollegen keine Kommunikation stattfindet - oder allenfalls um zu mobben-, leidet darunter auch die Arbeit des Einzelnen. Will sagen: in einem komplexen System wie einem Schulbetrieb ist die Gesamtheit größer als die Summe seiner Einzelfaktoren. Ein letzter Aspekt: das Ärgerlichste an schlechten Lehrern - ja die gibt es auch - ist, wenn sie ihren Schülern für eine einfache DREI mehr abverlangen als von sich selbst.