Lehrer sind nicht schlechter oder fauler, eher anders!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wie steht es mit der vermeintlich unterdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft von Lehrkräften? Studienanfänger im Lehramt studieren parallel zwei ganz unterschiedliche Hauptfächer – und im Grundschullehramt den ganzen Elementarkanon – sowie darüber hinaus auch die Bildungswissenschaften. Später sollen sie ihre Fächer auf einem für Schüler angemessenen Niveau unterrichten. Wenn diese Studierenden nun als Berufsziel angäben, sie wollten Fachexperten werden und in fachlicher Hinsicht Überdurchschnittliches leisten, läge der Schluss auf mangelnde Berufseignung mindestens ebenso nah wie auf mangelnde Leistungsbereitschaft.
Und selbst das Freizeitmotiv – ein Dauerbrenner der Lehrerschelte – ist mit Vorsicht zu deuten. In einem Beruf, in dem die Länder sich bis heute nicht in der Lage sehen, ihrem akademischen Personal in der Schule einen Büroarbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, ergibt sich die Notwendigkeit, aber auch der Vorzug des individuellen Zeitmanagements. Hinter dem Freizeitmotiv muss man nicht unbedingt Faulheit vermuten, sondern es können auch Überlegungen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und individuelle Arbeitszeitgestaltung eine Rolle spielen. Um dies zu beurteilen, brauchte man Daten, die zeigen, dass die Studenten besonders gute und erfolgreiche Lehrer werden, die als Motiv für ihre Berufswahl angeben, fachlich Hervorragendes leisten zu wollen. Auf der anderen Seite müssten Studenten, die sich selbst ein besonders großes Interesse an Freizeit bescheinigen, später nachweisbar schlechtere Lehrer werden – Informationen, die aus der Befragung der Studienanfänger nicht hervorgehen.
Der Enthusiasmus, im studierten Fach zu unterrichten, und – wohlgemerkt – nicht der Enthusiasmus für das Fach an sich, sagt die Unterrichtsqualität und den Leistungsfortschritt von Schülerinnen und Schülern ähnlich gut vorher, wie es das fachliche Wissen der Lehrkraft tut. Was zählt, ist die Lust auf das Unterrichten, nicht der fachliche Ehrgeiz.
Ihr
Gernot Herz
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