Lehrerarbeitslosigkeit mal anders
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zum Beginn der Sommerferien entlassen die Länder Tausende Aushilfs-Pädagogen, um im Herbst wieder neu einzustellen. So sparen sie Personalkosten in Millionenhöhe. Das ärgert die Bundesagentur für Arbeit: Sie muss den Lehrern in dieser Zeit Arbeitslosengeld zahlen. Und auch der Unterricht leidet unter diesem Spar-Trick.
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) dürften auch in diesem Jahr Tausende von Aushilfslehrern in den Sommerferien arbeitslos werden. Die Behörde rechnet daher mit hohen Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung. "Wir gehen davon aus, dass wir erneut mehrere Millionen Euro – wahrscheinlich sogar im zweistelligen Bereich – investieren müssen", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur WELT ONLINE.
Alljährlich werden zwischen Juli und August auffallend viele Lehrer in den Ländern entlassen. Nach den Sommerferien steigen dann die Beschäftigungszahlen plötzlich wieder an. Der Grund: Die Länder stellen Lehrer trotz Pädagogenmangels mit befristeten Verträgen ein, um Personalkosten zu sparen. Bereits 2001 hatte der Bundesrechnungshof angeprangert, dass die Landesregierungen sich "eines Teils ihrer Arbeitgeberverpflichtungen zu Lasten des BA-Haushalts entledigen". Der Bund und die Bundesagentur hätten jedoch keine "praktische Handhabe", um diesen Missstand zu beheben.
Den Berechnungen der Bundesagentur zufolge wurden beispielsweise im Sommer 2007 bundesweit knapp 7000 Lehrer arbeitslos, darunter 5400 jüngere Lehrer. „Besonders auffällig“ sei damals die Entwicklung in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz gewesen. „Schätzungsweise entstehen der Arbeitslosenversicherung durch die zusätzliche sechswöchige Arbeitslosigkeit von über 5000 Lehrern während der Sommerferien insgesamt Ausgaben in Höhe von – konservativ gerechnet – rund 17 Millionen Euro“, schreiben Experten der BA in einer internen „Bewertung“. Das Vorgehen der Länder sei „mehr als fraglich“ – es ist sogar vom „Ausnutzen der arbeitsrechtlichen (Schutz-)Vorschriften“ die Rede: „Immerhin kommen elf Bundesländer – darunter alle wirtschaftlich schwächeren Ostländer – ohne Saisonarbeitslosigkeit für Lehrer aus.“
In dem BA-Papier wird zudem kritisiert, dass sich die „prekäre Beschäftigungssituation“ negativ auf den Unterricht auswirke. Denn statt mit festen Bezugspersonen müssten die Schüler mit „Patchworklehrern“ zu recht kommen. „Statt verlässlicher, auf einander aufbauender Unterrichtsinhalte werden ihnen Bildungsmosaike vermittelt“, so die Experten.
Das Land Hessen hat inzwischen auf die Kritik reagiert und die jahrelange Einstellungspraxis abgeschafft. „Ich empfand das als unanständig“, sagte Kultusminister Jürgen Banzer WELT ONLINE und fügte hinzu: „Wenn ein Lehrer ein ganzes Jahr arbeitet, dann sind die Ferien Teil seiner Arbeitszeit.“ Die Landesregierung hat gerade eine groß angelegte Kampagne gestartet, um den Lehrermangel zu bekämpfen. In Hessen fehlen im kommenden Schuljahr rund 2600 Lehrer.
Laut dem Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kann der Anteil an Aushilfslehrern bis zu 20 Prozent eines gesamten Lehrerkollegiums an einer Schule ausmachen. Speziell bei Berufsschulen sei der Anteil sogar oft noch höher. „Das ist eine untragbare Situation. In vielen Fällen erhalten Lehrer Ausbeutungsverträge“, sagte Meidinger. Auch für die Schulen stelle sich die Situation als problematisch dar. So hätten die Schulleitungen überhaupt keine Planungssicherheit mehr. Der Verbandschef forderte, die Schulbehörden sollten mit jedem einzelnen Aushilfslehrer „offen und ehrlich“ beraten, welche Aussichten dieser auf eine unbefristete Anstellung oder Verbeamtung habe. Zudem plädierte Meidinger dafür, einen bundesweiten Lehrerarbeitsmarkt zu entwickeln – „mit klaren Bedingungen für eine Einstellung“.
Interessant wird es bei den Referendaren, die ihre Ausbildung mit Ende des Schuljahres beenden, denn sie erhalten auch erst zu beginn des nächsten Schuljahres wieder eine Stelle und somit einen Anspruch auf Besoldung. Nur ist das soziale Netz in diesen Fällen noch löchriger, denn die Referendare haben als Beamte auf Zeit keinen Anspruch auf Zahlung von Arbeitslosengeld, da sie nicht in die Sozialkassen eingezahlt haben und müssen deshalb mit Unterstützung auf der Grundlage von Hartz IV die Ferien überstehen. Eine Beratung seitens der Arbeitsagentur benötigen sie dagegen nicht, denn nach den Ferien gibt es wieder reichlich Stellen. Der Bedarf an Gymnasien in Rheinland – Pfalz ist mittlerweile so groß, dass auch Haupt- und Realschullehrer an Gymnasien abgeordnet werden, wo sie mit höherer Unterrichtsverpflichtung und geringerer Besoldung als die Gymnasialkollegen die gleichen Lerngruppen unterrichten. Nicht zu schweigen von den Möglichkeiten, die Hessen unter www.lehrer-nach-hessen.de jungen Kolleginnen und Kollegen aus allen Bundesländern bietet:
- Einstellung in das Beamtenverhältnis auf Probe ab der Einstellung,
- Beschäftigung mit 100 Prozent Stellenumfang,
- Verbeamtung bis zum 50. Lebensjahr,
- Besoldung A 13 g. D. im Lehramt an Haupt- und Realschulen,
- gute Aufstiegschancen in schulische Funktionen.
Da scheint die freie Marktwirtschaft Einzug in den Lehrerarbeitsmarkt zu halten.
Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
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