Lehrmittelfreiheit?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Landeselternbeirat von Rheinland-Pfalz hat die vollständige Lernmittelfreiheit gefordert. Nach Ansicht des Gremiums belasten die Ausgaben für Schulbücher einkommensschwache Familien und benachteiligen die betroffenen Kinder. Während in den meisten anderen Bundesländern die Schulbücher kostenlos ausgeliehen werden könnten, müssten die Eltern hierzulande die Bücher kaufen. Dies koste laut Institut für Bildungsmedien pro Kind je nach Schuljahr jährlich zwischen 60 und 250 Euro, hieß es weiter.

Seit der Einführung von Hartz IV häufen sich laut Beirat die Klagen von Eltern, die nicht mehr in der Lage seien, die Lernmittel zu kaufen. Dabei gehe es nicht nur um Schulbücher. Auch Ranzen, Hefte, Mäppchen und Stifte müssten angeschafft werden. Der Landeselternbeirat wies darauf hin, dass die Kommunen als Schulträger bedürftigen Familien zwar Lernmittelgutscheine ausstellen. Diese Unterstützung reiche aber nicht immer aus. Denn mit den Gutscheinen könnten nur neue Bücher gekauft werden, nicht jedoch gebrauchte auf Schulbuch-Basaren. Gleiches Recht auf Bildung könne nur durch Lernmittelfreiheit verwirklicht werden.

Präziser formuliert, sollen die Schulen aktuelle Schulbücher anschaffen – auf Kosten der Kommunen oder des Landes – und diese dann an die Schüler ausleihen. Das wäre der einzig vernünftige Weg. So könnten die Bücher problemlos in folgenden Jahren weitergegeben werden. Aber die Frage ist, wie viele Schulbücher sollen dann angeschafft werden? Soll auch hier eine soziale Komponente zum Tragen kommen? Was ist, wenn ein solches Buch verloren geht oder in völlig indiskutablen Zustand oder gar nicht zurück gegeben wird? Bei den bedürftigen Familien muss man davon ausgehen, dass diese auch nicht in der Lage sind, solche Schäden zu begleichen.

Kann man nicht grundsätzlich erwarten, dass Familien ab einer gewissen Einkommensgrenze für ihre Kinder die Bücher anschaffen? Immerhin gibt es die Möglichkeit, diese auf einem Schulbuchbasar oder im direkten Kontakt weiter zu verkaufen. Andererseits haben Schulbücher einen hohen Wertverlust, der bei mindestens 50 Prozent liegt. Wäre es nicht überlegenswert, Schulbücher so zu konzipieren, dass sie mehrere Jahre für ein und demselben Schüler verwendbar sind, sodass eine Anschaffung sich auch wirklich lohnt? In den Sachfächern gibt es viele Bücher, die diese Anforderungen erfüllen. Eigentlich müsste es doch möglich sein, dies auch für die Hauptfächer anzubieten. Hinsichtlich der Aktualität spricht eher mehr für schnellere Erneuerungen in den Sachfächern, wogegen die Hauptfächer weniger davon abhängig sind.

Nicht verwunderlich ist, dass gerade die Schulbuchverlage, die im Zuge der Rechtschreibreform und der Euroeinführung gut verdient haben, sich so vehement und mit einer, zugegebenermaßen gut gemachten, Webseite für ein eigenes Schulbuch für jeden Schüler stark machen. Schauen Sie sich das mal an und machen Sie sich ihr eigenes Bild unter www.eigenes-schulbuch.de/flash/index.html.

Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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