Losglück? Ergebnisse der Pisa-Studie '06
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sportlich gesehen haben unsere Schülerinnen und Schüler – zumindest in der Weltrangliste der Naturwissenschaften den Klassenerhalt locker geschafft und sich sogar auf Platz 13 verbessert. Interessant ist wieder einmal, wie das Ergebnis zerpflückt und damit sofort in Frage stellt , wenn nicht sogar ad absurdum geführt wird, denn das Ergebnis ist „Folge einer umfassenderen Messmethode im Vergleich zu früher. Der OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher hatte ... Berichten widersprochen, wonach sich deutsche Schüler bei der neuen PISA - Studie deutlich verbessert hätten. Die jüngsten Tests könnten nicht mit dem Jahr 2003 verglichen werden. Das neue Testverfahren habe bestimmte Stärken von deutschen Schülern begünstigt". So schrieb es www.n24.de am Donnerstag vergangener Woche. Es wird also umfassender gemessen. Umfassender bedeutet doch eigentlich, dass Quantität und/oder Qualität der Messung im Vergleich zur vergangenen Messung gestiegen sind. Also sind unsere Schülerinnen und Schüler doch noch besser als es die schon verbesserte Platzierung aussagt, denn das Ergebnis liegt immerhin klar (signifikant) über dem Durchschnitt.
Die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer wird zitiert, dass die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Tests von 2006 und 2003 in keiner Weise vergleichbar seien, weil sich inzwischen das gesamte Aufgabenspektrum verändert habe und Schleicher ergänzt, dass das neue Testverfahren bestimmte Stärken von deutschen Schülern begünstigt habe. Hier drängt sich die Frage auf, warum über das gute Ergebnis von 2006 genauso gejammert wird, wie über das schlechte von 2003? Sicher sollte man jede Statistik kritisch hinterfragen und stets an Churchills Spruch denken, wonach er nur der Statistik glaube, die er selbst gefälscht habe. Und wenn der Grund für ein überdurchschnittliches Ergebnis im veränderten Aufgabenspektrum liegt, stellt sich die Frage, ob das Spektrum so leicht war, dass sogar unsere Schüler es beantworten konnten und die Schüler der unterdurchschnittlichen Nationen sich schlicht weigerten, so anmaßend einfache Fragen zu beantworten und weil sie offensichtlich, wie der Bildungskoordinator erwähnt, die Stärken der deutschen Schüler begünstigten.
Hatten unsere Schüler wie die Fußballnationalmannschaft einfach Losglück gehabt, weil die Fragen so zusammengestellt wurden, dass Deutschland weit kommt und wie den schweren Gegnern im Fußball bei der PISA – Überprüfung eben an den schweren Fragen vorbei kommt? Welchen Sinn macht die PISA – Studie denn überhaupt, wenn ein Ergebnis derart in Frage gestellt wird? Sicher, der Bildungsbereich lässt sich nicht in das Schema schwarz – weiß einteilen, aber wenn ich bei einem Test mitmache, dem ein bundeseigener Koordinator vorsteht, und dieser das Ergebnis stark relativiert, ja, warum machen wir bei diesen Tests überhaupt mit?
Worin besteht dann überhaupt der Sinn von Vergleichstests, Vergleichsarbeiten und Bildungsstandards?
Jedenfalls scheinen dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL alle Einwände egal zu sein, denn diese Woche lautet die Titelstory, der sogar eine EXTRA – Beilage gewidmet wird: Magie des Forschens - Die Neuentdeckung der Naturwissenschaften in der Schule. Wenn Sie sich selbst ein Bild machen wollen, gucken Sie z.B. unter http://pisa.ipn.uni-kiel.de/zusammenfassung_PISA2006.pdf nach.
Sollten Sie anderer Meinung als ich sein oder mir sogar zustimmen, schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de.
Ich würde mich freuen.
Ihr

Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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