Mehr Macht für Lehrer?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„manchmal könnte ich den…“, diesen Gedanken kennen Sie eventuell, wenn Sie sich zum wiederholten Male über einen Schüler geärgert haben, der mit Disziplin- und Respektlosigkeiten Ihren Unterricht sabotiert und die gesamte Lernatmosphäre zu „vergiften“ scheint. In Großbritannien könnten Sie jetzt…! Nein, nicht wahllos prügeln, aber schärfere Maßnahmen ergreifen. Jedenfalls, wenn es nach dem neuen Parlamentarischen Staatssekretär im Bildungsministerium, Nick Gibb, geht. Trotz Schuluniform führt man in Großbritannien einen scheinbar verzweifelten Kampf um den Schulfrieden.

Deshalb sollen die Lehrer jetzt mit neuen Rechten ausgestattet werden, um der Lage besser Herr zur werden. Unter www.heise.de/tp/blogs/6/147993 hat man sich die Mühe gemacht, die wichtigsten Bestimmungen aufzulisten:

…Dazu gehört, dass Lehrer aufgrund klarerer Regelungen künftig auch "mit körperlichem Einsatz" Störenfriede aus der Klasse entfernen darf. Darüberhinaus will man "Staatsanwälte und Richter" darauf aufmerksam machen, dass Lehrer "Gewalt ausüben" dürfen, wenn das für die Ordnung im Klassenzimmer nötig ist. Der Einsatz "maßvoller physischer Gewalt" war zwar schon vor drei Jahren neu geregelt und erlaubt worden, allerdings hielten sich die Lehrer sehr zurück, weil sie Anzeigen oder disziplinarische Untersuchungen fürchteten. Nun soll Lehrern Anonymität in Fällen gestattet werden, die möglicherweise daraufhin angelegt sind, mit "falschen Behauptungen" ihrer Karriere zu schaden… Auch dürfen Lehrer künftig Schüler und Schultaschen genauer durchsuchen, wenn es um "Mobiltelefone, MP3-Player, Pornografie, Feuerwerkskörper und Zigaretten" geht, bislang, war ein solcher Check nur möglich bei Verdacht auf Waffen, besonders Messer, oder Drogen. Auch das Nachsitzen von Schülern, die sich danebenbenehmen, dürfen die Lehrer nach den neuen Maßnahmen künftig spontan mit sofortiger Wirkung verhängen. Bislang musste die Schule den Eltern 24 Stunden vorher Bescheid… geben.

Ich finde, das geht schon ziemlich weit und überträgt der Lehrerschaft polizeiliche Befugnisse, deren Anwendung durch die Kollegen ohne entsprechende Ausbildung ein schmaler Grat werden kann. Sicher, auch ich habe schon gedacht, „Könntest du dem jetzt mal in die Tasche schauen“, aber sich dann realistisch auszumalen, wie so etwas ablaufen soll, beendet den Wunsch schnell. Ich bin nicht Lehrer geworden, um solche Maßnahmen zu ergreifen und stehe mit der Auffassung sicher nicht allein. Denkverbote sollte es grundsätzlich nicht geben, wenn es darum geht, geordneten Unterricht und ein friedliches Schulleben zu gewährleisten, aber Grenzen sollte es auch geben!

Ihr

 

Gernot Herz

 

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Simone, 16.07.2010 16:58:
Dazu ist nur zu sagen, dass ich aus eigener Erfahrung aus meiner Zeit an einer englischen Schule weiß, dass diese Verschärfung in England wirklich notwendig ist. Das Betragen der Schüler dort (jedenfalls an der Schule, für die ich selbst tätig war) ist nur schwer mit dem deutscher Schüler zu vergleichen. Praktisch haben englische Lehrkräfte keinerlei Befugnis, auf derbste Beleidigungen und Angriffe zu reagieren. Es ist dringend nötig, daran etwas zu ändern! Ich hoffe, dass der Verfasser dieses Artikels sich mit der Arbeit an englischen Schulen auskennt und sich deshalb ein genaues Bild machen kann!