My room is my castle?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
letzte Woche unterhielt ich mich mit einem guten Bekannten, der Lehrer an einer Realschule am Rhein ist. Er erzählte über Klassenräume und dass es in seinem Raum eigentlich immer ordentlich sei und er nicht verstehen könne, warum an vielen Schulen darüber geklagt würde, dass die Schülerinnen und Schüler die Räume vermüllten, Overhead-Projektoren und/oder Schulmöbel beschädigten.
Natürlich wollte ich wissen, was das Geheimnis seiner Schule sei, denn die benannten Probleme hört man oft genug. „Lehrer – Raum – Prinzip“ lautete die knappe Antwort. Nicht jede Klasse, sondern jeder Lehrer hat seinen eigenen Raum und die jeweiligen Klassen kommen zu ihm. So etwas kannte ich eigentlich bisher nur vom Schüleraustausch mit Frankreich während meiner eigenen Schulzeit. Tatsächlich traf ich ein paar Tage später eine Kollegin von einer anderen Schule, wo dieses Prinzip auch seit Schuljahresbeginn umgesetzt wird. Sie erzählte von klagenden Schülerinnen und Schülern, die vor jeder Stunde vor einem verschlossenen „Lehrerraum“ stünden und dass dadurch der Unterricht immer unpünktlicher begänne. Außerdem sei die Unruhe auf den Gängen während der 5-Minuten-Pausen nicht mehr zu ertragen. Hinzu käme noch, dass die „Besitzer“ der jeweiligen Räume für deren Zustand verantwortlich seien, also die Lehrkräfte. Ein sehr weiter Haftungsbegriff, wie ich finde. Dann doch lieber eigene Klassenräume, die von der gesamten Gruppe entsprechend gestaltet werden können. Chaotisch ist es nach meiner Erfahrung immer in den Klassenräumen, wo der jeweilige Klassenlehrer keinen Wert auf eine entsprechende Wohlfühlatmosphäre legt.
Ihr
Gernot Herz
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