Noch ein Modell: Neue Mittelschule

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die jetzt schon bestehende gemeinsame Schule der 6- bis 10-Jährigen endet zu früh. Die weltweit früheste Trennung von Schülerinnen und Schülern im Alter von 9,5 Jahren hat sich als pädagogisch und gesellschaftlich falsch erwiesen. In diesem Alter sind die Begabungen und Talente der Kinder noch nicht vollständig erkennbar. Daher werden diese meist nach den Vorstellungen und Gefühlen der Eltern in den Schulen angemeldet. Durch die frühe Trennung gehen viele Begabungen und Talente verloren, vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten können ihr Potential nicht ausschöpfen. Der Druck, der bei der frühen Trennung auf Schülern, Lehrern und Eltern entsteht, ist enorm und führt häufig zu falschen Bildungswegentscheidungen. Hohe Dropout-Quoten und hohe Nachhilfekosten sind Folgen dieser zu frühen Trennung. Nicht ohne Grund trennen alle anderen Staaten der EU (außer Deutschland) ihre Kinder zu einem späteren Zeitpunkt. Alle wichtigen internationalen und nationalen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte (Studien der OECD, PISA, …) zeigen negative Effekte früher Selektion und zwar für alle Begabungsspektren.

Woher könnte dieses Plädoyer für gesamtschulartiges Unterrichten stammen? 

Mit der Umsetzung der Modellversuche „Neue Mittelschule“ ermöglicht Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur,  Dr. Claudia Schmied, einen individualisierten Unterricht aller 10- bis 14-Jährigen auf breiter Basis. In enger Abstimmung mit den Bundesländern werden für die einzelnen Schulstandorte passende Modellversuche eingerichtet. Aus Deutschland kann diese Idee nicht stammen, auch wenn der erste Teil der Veröffentlichung sich so liest. Aber von enger Abstimmung der Bundesländer und einer Durchführung in der Hand des Bundes kann man in Deutschland nur träumen. In Österreich scheint das möglich zu sein.

Bei uns endet gemeinsame Schulpolitik bei der Unterstützung der Ganztagsschule durch die Bundesregierung. Dabei wäre ein bundesweiter Modellversuch, in dem man einen Schultyp in allen Bundesländern einmal über mehrere Jahre testet, die Möglichkeit, vergleichbare und andere Ergebnisse zu erhalten. Auch Bundesländer, die nach wie vor an der Dreigliedrigkeit oder gar Vielgliedrigkeit ihres landeseigenen Schulsystems festhalten wollen, müssten sich dann auf einen Modellversuch einlassen, der nach bundesübergreifenden Lehrplänen betrieben und einheitlich evaluiert würde. Allerdings wird das Hemmnis des Föderalismus diesem Wunsch immer im Weg sein und Eltern müssen für ihre Kinder weiterhin im Dschungel der jeweiligen Schulpolitik nach dem richtigen Weg suchen.

Sollten Sie nähere Informationen zu diesem österreichischen Modellversuch wünschen, schauen Sie doch einmal unter www.bmukk.gv.at/schulen/bw/<wbr></wbr>nms/index.xml auf der Seite des Bundesministeriums nach. Ihre Meinung dazu würde mich interessieren, deshalb schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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