Noten auf dem/den "Kopf"?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
„soweit in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen nichts anderes bestimmt ist, werden neben den Angaben zum Leistungsstand in Zeugnisse und in Bescheinigungen über die Schullaufbahn aufgenommen:
- die entschuldigten und unentschuldigten Fehlzeiten,
- Aussagen zum Arbeitsverhalten und zum Sozialverhalten, denen die Notenstufen „sehr gut“, „gut“, „befriedigend“ und „unbefriedigend“ zu Grunde gelegt werden.“
So lautet der seit diesem Schuljahr gültige Passus aus dem Schulgesetz des Landes Nordrhein – Westfalen. Ein Aufschrei geht durch die Lande, denn wer frech ist oder dem Unterricht fern bleibt, der könnte Schwierigkeiten bekommen. Logischerweise kommen schlechte Vermerke im Abschlusszeugnis und unentschuldigte Fehltage beim Arbeitgeber nicht gut an. Und könnten einen noch Jahre danach verfolgen. Wer sich vermeintlich „befriedigend“ verhält oder „befriedigend“ mitarbeitet, hat immerhin die zweitschlechteste Note bekommen. Wer will so einen Mitarbeiter schon haben? Werden also alle, die nicht „gut“ oder gar „sehr gut“ als Kopfnote vorweisen können, von den Personalchefs sofort aussortiert, ohne deren andere Leistungen einer Begutachtung zu unterziehen? Sind nicht sogar Jungs dann extrem benachteiligt, weil sie sich im allgemeinen schlechter verhalten als die „lieben“ Mädels? Der ehemalige Personalleiter Thomas Riemann hält bei Focus online dagegen: „Was für den Lehrer ein frecher Junge ist, kann für den Arbeitgeber jemand sein, der alles hinterfragt.“
Andererseits sind Kopfnoten wichtig und müssen in Zukunft wieder überall an den Schulen eingeführt werden. Was ist denn an den Schulen los, die Kids wissen, dass ihr Verhalten keine Konsequenzen nach sich zieht und so verhalten sie sich auch. Nur wenn man weiß, dass Fleiß und Zuverlässigkeit einen weiterbringen, wird man sich auch dementsprechend verhalten, also Regeln aufstellen, die Einhaltung benoten und Konsequenzen nicht nur androhen, sondern auch durchführen. Die Jugend will und benötigt klare Regeln und Ansagen, um sich entwickeln zu können. In Rheinland – Pfalz gibt es Kopfnoten für Mitarbeit und Verhalten. Auch die Fehltage, unentschuldigte und entschuldigte, werden aufgelistet. Darüber hinaus können bzw. müssen zur Präzisierung der erteilten Mitarbeits- oder Verhaltensnote Bemerkungen auf dem Zeugnis hinzugefügt werden. Konkret heißt das, wenn ein Schüler, nach meinen Erfahrungen sind es meistens die Jungs, die Note „unbefriedigend“ im Verhalten hat, muss das unter „Bemerkungen“ auf dem Zeugnis begründet werden. Ausgenommen davon werden Abschlusszeugnisse, die weder die Kopfnoten noch die Fehltage enthalten. Warum dass so ist, erscheint nicht ganz klar, denn bei Bewerbungen müssen schließlich auch die vorherigen Zeugnisse vorgelegt werden, wodurch der mögliche Arbeitgeber Kenntnis von den Kopfnoten erhält. Natürlich gibt es auch bei uns an der Schule dann Diskussionen, ob es einem Schüler oder einer Schülerin zuzumuten ist, dass ein Bewerbungszeugnis schlechte Kopfnoten enthält. Vergessen wird dabei gerne, was die entsprechenden Kandidaten vorher der Schulgemeinschaft zugemutet haben.
Interessant ist, dass eine Umfrage der GEW Mecklenburg – Vorpommern, wo auch die Einführung von Kopfnoten diskutiert wird, ergeben hat, dass eine Mehrheit der Befragten sagt, sie wolle Kopfnoten, weil sie die Schüler motivierten (32%) bzw. die Schüler würden diszipliniert (21%). Dagegen behaupten immerhin 26%, dass angemessenes Sozialverhalten nicht durch Noten zu erzwingen sei.
Ich stelle auch immer fest, dass problematische Fälle über die Jahre durch die Kopfnote nicht zu disziplinieren sind und außerdem die Eltern beim Thema Entschuldigung von Fehltagen zuweilen sehr nachlässig sind. Schließlich muss sich jeder Arbeitgeber zunächst telefonisch krank melden und anschließend den Nachweis des untersuchenden Arztes vorlegen. Das sollte man auch von den Eltern verlangen können. bedenkenswert ist nur, dass Kinder nicht für das Fehlverhalten ihrer Eltern zur Rechenschaft gezogen werden sollten.
Wie stehen Sie zu diesem umstrittenen Thema? Droht durch die Einführung der Kopfnoten die Wiederkehr der preußischen Sekundärtugenden oder wird damit dem Treiben der antiautoritären Erziehung endgültig ein Ende gesetzt?
Schreiben Sie mir an
lehrerforum@vnr.de.
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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