Stichwörter: Schulalltag, Schule.

Open the door!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

diese Woche fing bei uns in Rheinland – Pfalz die Schule wieder an. Als ich am letzten Ferienwochenende über den Schulalltag nachdachte, kam mir etwas in den Sinn, worüber sicher schon häufig diskutiert wurde. Ich stellte mir vor, wie das ist, wieder durch das Schulgebäude zu gehen, die typischen Laute zu vernehmen und dann nach Stundenbeginn diese schlagartig eintretende Ruhe festzustellen. Sicher in den Klassen ist es nicht immer ruhig, aber da alle Türen geschlossen sind, hat man das Gefühl einer eigenartigen Ruhe. Wenn man dann durch die Gänge geht, hört man aus der einen oder anderen Klasse eine Kollegin laut sprechen oder einen Unterrichtsfilm ablaufen. Es ist schon eigenartig, dass die Türen geschlossen sind während des Unterrichts. Haben wir etwas zu verbergen? Was wäre das für eine Atmosphäre, wenn grundsätzlich die Klassenraumtüren offen blieben? Sicher werden einige einwenden, dass das wegen unterschiedlicher Unterrichtsphasen nicht so einfach durchzusetzen wäre, aber es gibt genug Abschnitte im Unterricht, die es sicher ermöglichen würden, die Klassenraumtüre geöffnet zu lassen. Ich denke, dass sich dann auch die Schüler anders verhalten würden, denn sie sind dann nicht in ihrem geschützten Käfig, sondern auch der möglichen Beobachtung anderer Personen ausgesetzt.

Noch so eine Eigenart ist der Gong oder die Schulklingel. Kann man nicht weitestgehend darauf verzichten? Führt nicht das Pausenzeichen zum schlagartigen Ende einer Stunde, ohne dass die Thematik wirklich beendet ist? Interessant war die Erfahrung, die an unserer Schule gemacht wurde, als durch technische Probleme der Gong einige Tage ausfiel. Die Atmosphäre war viel entspannter, da man nicht durch ein altmodisches Geräusch gestört wurde. Unser Kollegium war sogar dafür, die zunächst unfreiwillige Testphase zu verlängern, da jeder in der Lage ist, die Uhr zu lesen und das wirkliche Unterrichtsende dann in der eigenen Hand hat. Warum wir zum Gong zurückkamen, weiß ich nicht mehr, aber angesichts der Abläufe in der Berufswelt erscheint ein Gong doch sehr fragwürdig. In welchem Beruf außer dem Lehrberuf wird man durch ein solches Signal gesteuert? Selbst Universitäten funktionieren ohne diese Signale. Geschlossene Büros findet man auch eher selten.

Was denken Sie über solche genormten Abläufe, die Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrerinnen und Lehrer zu einer Art „Pawlow´s dog“ werden lassen, denen beim Gong zwar nicht der Speichel im Mund zusammen läuft, aber zumindest die Aufmerksamkeit zerläuft?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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