Ost-West-Gefälle in den Chancen auf eine Berufsausbildung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

obwohl in vielen Bundesländern die Hauptschule mittlerweile abgeschafft wurde, gibt es doch noch den gleichnamigen Abschluss. Aber den erreichen viele Jugendliche nicht, egal ob sie auf einer Hauptschule, Realschule, dem Gymnasium oder einer Gesamtschule waren. Besonders auffällig ist nach einer Studie, die von der Bertelsmann – Stiftung in Auftrag gegeben wurde, die Anzahl der Förderschüler, die keinen Hauptschulabschluss erreichen: Tatsächlich haben 26,5 Prozent der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss eine Hauptschule besucht, mehr als die Hälfte von ihnen kommt aber aus Förderschulen. Dort verlassen über drei Viertel der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen Hauptschulabschluss: Je nach Bundesland trifft dies auf 56,5 Prozent bis hin zu 96,6 Prozent der Förderschulabgänger und -absolventen zu. Die verbleibenden 19 Prozent der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss kommen aus allen anderen Schulformen.

Besonders aufschreckend wirken dabei manche Einzelergebnisse, wonach in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2008 17,9 Prozent ohne Hauptschulabschluss blieben, also mehr als dreimal so viel wie in Baden- Württemberg mit 5,6 Prozent. Insgesamt sind die Anteil der Schüler ohne Hauptschulabschluss deutschlandweit im Vergleich zu 1999 von 9,1 auf 7,5 Prozent zurückgegangen, aber außer Mecklenburg-Vorpommern (+7,3 %) stiegen die Werte auch in Brandenburg (+ 2,2 auf 10,6%), in Sachsen-Anhalt (+ 0,3 auf 12,1%) und in NRW, als einzigem Bundesland im Westen (+0,8 auf 6,8%). Zwanzig Jahre nach der Vereinigung kann man also immer noch von einem Ost-West-Unterschied sprechen, was Chancen auf eine Berufsausbildung angeht, denn insgesamt sind die Ergebnisse im Westen durchgängig besser. Da bleibt noch viel zu tun, denn die Zahlen sind teilweise wirklich alarmierend!

 

Ihr

Gernot Herz

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Lutz, 12.10.2010 14:32:
In dem Hinweis -- Danke besonders für den Link zur B-Studie! -- fehlt der Hinweis auf Klaus Klemms erste Folgerung in seinem Vorwort: dass wir, anstatt f-bedürftige Kinder mit Ihresgleichen zu separieren, sie innerhalb eines lebendig gemischten Klassenverbandes leben und heranwachsen lassen. Nur nicht-separiert können sie die wichtigen Erfahrungen "Andere haben es leichter", "Andere haben (vielleicht anderes) noch schwerer" machen. Nur so können sie Getröstet werden und Trösten, Frust erleiden und zu verarbeiten lernen. Wir sollten das System überdenken! wenn möglich, bevor wir im Takt von Landtagswahlen daran zum Basteln schreiten.