Papierkram ade?!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

haben Sie auch schon einmal über das Ausmaß von Verwaltungstätigkeiten geklagt, mit dem Sie als Lehrkraft belastet werden und haben Sie sich weiterhin gefragt, was das mit dem Beruf des Lehrers zu tun hat?

In Nordrhein – Westfalen plant die zuständige Ministerin die Schulen von bürokratischer Arbeit zu entlasten und setzt dazu in diesem Jahr 210 sogenannte Schulverwaltungsassistenten ein. Nach den Plänen von Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sollen die Kräfte beispielsweise Schulleitern und Lehrkräften helfen, Datenmaterial statistisch aufzuarbeiten oder sich um Lehrmittel und die Pflege der Schulbibliotheken kümmern. In einem Pilotprojekt sind seit einem Jahr 27 Assistenten im Einsatz.

Als ich diese Nachricht letzte Woche im Internetportal „Der Westen“ las, war ich sofort begeistert von der Idee, denn jede Kollegin und jeder Kollege kann sicher bestätigen, dass die Arbeit an unterrichtsfremden Themen, vor allem bei Klassenleitungen, teilweise überhand nimmt.

Allerdings kritisiert der Verband Bildung und Erziehung (VBE), dass der Einsatz des Verwaltungspersonals auf den Lehrerbedarf der Schule angerechnet werde und die Schule, die eine solche Stelle besetze, im Gegenzug ein Drittel einer Lehrerstelle verliere. Denn dieses Drittel solle aus den Stunden abgezogen werden, die der Schule für Schulleitungsaufgaben oder besondere Aufgaben des Lehrerkollegiums zustehen. Da ist, denke ich, von den sogenannten Deputatsstunden die Rede, die dem Kollegium für die Betreuung von Sammlungen oder die Leitung einer Fachkonferenz gewährt werden. Solche Stunden würden dann auf Kosten der Verwaltungsassistenten getilgt und die Kollegien könnten sich vermehrt ihrer ureigensten Aufgabe, dem Unterricht widmen. Sicher kann man beklagen, dass hier versucht wird, zum Nulltarif andere Strukturen aufzubauen, jedoch muss man dabei auch einräumen, dass endlich Fachleute die ungeliebten Aufgaben übernehmen

Die NRW - Ministerin verweist auf positive Erfahrungen und Rückmeldungen der Schulen im Testbezirk Arnsberg. Die Verwaltungsassistenten kommen aus Behörden, die mit der Verwaltungsstrukturreform aufgelöst wurden. Als Landesbedienstete verfügten sie über langjährige Erfahrungen in der Verwaltung, die den Schulen zugute kämen.

Eine interessante Rechnung, die ein Kollege aufmacht lautet: „Es stimmt, ein Drittel einer Lehrerstelle muss abgeben werden. Dies ergibt z. B. bei einer Realschule, dass das Lehrerkollegium insgesamt 9 Schulstunden mehr unterrichten muss. Im Gegenzug erhält die Schule allerdings eine ganze Stelle (39,7 bzw. 41 Stunden) für Verwaltungsarbeit zurück.“ Weiter führt er aus: „Der Name Schulverwaltungsassistent ist vielleicht etwas irreführend zu verstehen. Es handelt sich bei dem neu eingesetzten Personal fast ausschließlich um Beamte des gehobenen Dienstes bzw. vergleichbare Angestellte. Sie kennen sich in verwaltungstechnischen Angelegenheiten meist besser aus als Schulleiterinnen und Schuleiter, weil sie dieses gelernt haben. Warum sollte also das Land nicht hingehen, und entsprechendes kompetentes Personal dort einsetzen, wo es benötigt wird. Im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung wurden Behörden aufgelöst und Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter freigesetzt. In der Wirtschaft ist es meist so, dass dann freiwerdendes Personal auf der Straße landet. Insofern müsste es gerade auch eine Arbeitnehmervertretung begrüßen, wenn sich das Land als Arbeitgeber darum bemüht qualifizierte Leute entsprechend weiter einzusetzen.“

Ich bin der Überzeugung, dass dieser Kommentar in die richtige Richtung weist und würde mir ein vergleichbares Projekt auch in Rheinland – Pfalz wünschen.

Was halten Sie von der Maßnahme der Ministerin? Sind Sie an Ihrer Schule vielleicht selbst Nutznießer dieser Maßnahme?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

 

Gernot Herz

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