"Papst" kann deutschem Schulsystem auch nicht helfen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Pisa-Papst Jürgen Baumert erklärt, wie das deutsche Schulwesen gerechter wird - und was schuld ist an den sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem, schreibt der Tagesspiegel in seiner Online – Ausgabe vom 8.3.2010.

Ich bin weit davon entfernt, Herrn Baumert in irgendeiner Form die Kompetenzen für den Bildungsbereich abzusprechen, aber die Formulierung „Papst“ ließ mich doch zurück schrecken. Am Ende ist der noch unfehlbar, der „Heilige Vater“ der Bildung.

Ich denke, der Tagesspiegel tut ihm damit Unrecht, ihn so zu bezeichnen, denn was er in diesem Artikel äußert, klingt sehr fundiert: Während es die Grundschulen einigermaßen schaffen, die Heterogenität ihrer Schüler auszugleichen, geht die Schere weit auseinander, sobald Jugendliche auf eine weiterführende Schule kommen, stellt er anhand mehrerer Schulstudien fest. Tatsächlich wird der Bereich der Binnendifferenzierung vielfach noch recht stiefmütterlich behandelt, da das Ziel wohl insgeheim immer die Gaußsche Notenverteilung ist. Es gibt halt gute (brave) und schwächere (freche) Schülerinnen und Schüler. Dazwischen vegetiert dann die breite Mittelschicht (Mittelmaß?). Aber Binnendifferenzierung erlernen Lehrer nicht mal so eben im Vorbeigehen, zumal die meisten aus einer Lehrerausbildung kommen, die die Dreigliedrigkeit zementiert und damit den Drang zur Differenzierung eher abschwächt. Dann kommen sie allerdings in integrative Schulsysteme, wo es ohne eigentlich nicht mehr geht. Übrigens, auch in einem dreigliedrigen System wäre ein höheres Maß an Binnendifferenzierung sicher angebracht.

Wirklich erstaunlich sind die Ergebnisse einer Studie zum Wechsel auf weiterführende Schulen: Demnach fließt die „Sozialschichtkomponente“ zu 28 Prozent in die Übergangsentscheidung ein. Zu 47 Prozent spiele die „tatsächlich gemessene Leistung“ eine Rolle, 25 Prozent mache das Urteil der Lehrer über ihre Schüler etwa beim Fleiß aus. Peng, eine Ohrfeige für alle, die die Empfehlung der Schule über den Elternwillen stellen wollen. Aber auch die andere Fraktion findet hier keine Bestätigung!

Vielleicht wäre dann doch ein komplett integriertes System die bessere Variante und man würde mehr Schülern gerecht, als momentan. Aber die Hoffnung macht Baumert zunichte: Diese „Gretchenfrage“ der deutschen Bildungspolitik müsse leider unbeantwortet bleiben, sagte Baumert. Es gebe „keine belastbaren Daten“, um darüber eine Aussage zu treffen. Ebenso wenig lasse sich beweisen, ob die sechsjährige Grundschule der vierjährigen überlegen sei oder umgekehrt.

Also am besten weiter wie bisher, wenn der „Papst“ auch keine Lösung hat.

Ihr

Gernot Herz

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Virpi, 13.03.2010 09:51:
Hallo! Ich bin Finnin und habe 2 Kinder in Bayern in der Schule. Bei uns gab es keinen Schuldruck/stress bis zur 7. Klasse. Man durfte Kind sein. Hier fängt der Druck schon Ende 2. Klasse an, weil die 3. Kl. so einen Sprung macht und das Sieben anfängt: Wer wird es wohl auf das Gymi schaffen? In einem Alter, wo Kinder ihren Selbstwert von Noten beziehen(schlechte Note= dumm) und es brauchen würden, dass sie für ihr Leben gefördert werden, was das Zeug hält, und mit positiver Bestärkung(gute Noten zumindest in Teilproben)motiviert werden, fängt man an zusieben, weil man ja die Gymnasisten "herauskristallisieren" muss. Wer denkt hier daran, wie es den Kindern dabei geht? Nur "Resultate" müssen passen, aber dass man eventuell dabei das schlechte Selbstbewußtsein heranzieht: Ich kann nichts, weil schlecht in der Schule bin, woraus das "Ich habe keine Lust, mich anzustrengen, weil es ja nichts nützt. Habe doch schon in der Grundschule gesehen' ensteht, und damit schon ein Same für Schmarotzertum gelegt wird und große, gesamtgesellschaftlich relevante Probleme gezüchtet werden, interessiert das Kultusministerium nicht. Aus meiner Sicht wäre eine Teillösug, den Kindern bis zur 5. Kl. einen Entfaltungsraum ohne Schuldruck zu schaffen, wo die Zeit da ist, alle Kinder genügend zu fördern, indem der Übertritt 2 Jahre nach hinten verlegt wird. Schon reine Zeit lässt Kinder reifen, macht vieles leichter für sie, und auch Druck ist weniger schädlich für ihre psychlogische Entwicklung. Ich finde, dass in der Schule eine neue Einstellung dringend benötigt wird: Schule soll für Kinder dasein und nicht umgekehrt. Virpi