Pisa 2007: Von Sachsen lernen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Aufregung war groß, denn die aktuelle PISA – Studie weist Sachsen als Inhaber der Pole Position in allen drei gemessenen Bereichen, nämlich Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik aus. Der eine Freistaat hat den andern, Bayern, auf Platz zwei verwiesen. Gut im Rennen liegen auch Thüringen und Baden – Württemberg, wogegen Hamburg und Bremen eher schlecht abschneiden. Erfreulich ist außerdem, dass sich alle Bundesländer in allen Bereichen verbessert haben, außer den Hamburgern, die 2006 schlechter gelesen haben als 2006. Die meisten Bundesländer liegen zudem über dem internationalen Durchschnitt.

Trotzdem ist es nicht an der Zeit, sich selbstzufrieden zurückzulehnen, denn einige Detailergebnisse zeigen alte Probleme nach wie vor deutlich:

  • Schüler, die die Pisa-Mindeststandards im Lesen nicht erreichen, gehören zur sogenannten Risikogruppe, die sich bundesweit gerade mal von 23 auf 20 Prozent verringert hat.
  • Akademikerkinder werden noch immer mehr als dreimal so häufig aufs Gymnasium geschickt wie Arbeiterkinder, obwohl sie das Gleiche leisten.
  • In Hamburg und Berlin ist der Zusammenhang zwischen Herkunft und Kompetenzniveau nach wie extrem hoch.
  • In fünf Bundesländern ist die Zahl der Sitzenbleiber gestiegen (auch in Sachsen).

Trotzdem stürzen sich alle auf das überraschende Ergebnis der Schülerinnen und Schüler aus Sachsen: Was wurde hier besser gemacht? Die Äußerungen des Vorsitzenden des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, in einem Interview mit dem Handelsblatt machen hier nicht unbedingt Mut, denn was er als Begründung für den Erfolg Sachsens anführt, gehört eher in die Kategorie Standortvorteil und zeigt keinen neuen bildungspolitischen Weg: „Erstens hat naturwissenschaftliche Bildung in Ostdeutschland schon aus der DDR-Zeit heraus einen hohen Rang. Zweitens haben die Schulen in den neuen Ländern erheblich kleinere Lerngruppen und damit mehr Möglichkeiten der individuellen Förderung. Und drittens haben die Schulen der neuen Länder einen weitaus geringeren Migrantenanteil und damit weitaus weniger Risikoschüler als die alten Länder. In Sachsen etwa beträgt der Migrantenanteil 3,6 Prozent, in Baden-Württemberg 26,8 Prozent, in Bayern 18,4 Prozent.“

Welche Forderung man hier herauslesen kann, ist die nach mehr Investitionen in die Bildung, denn die Verkleinerung der Klassen und die Förderung von Migranten kosten Geld, wie Dieter Lenzen, der Präsident der Freien Universität Berlin in einem Tagesschau – Interview betont: „Der große Schritt nach vorn wäre die Ganztagsschule. Mutig wäre es, sehr viel Geld in die Hand zu nehmen und die Ganztagsschule gewissermaßen über Nacht herzustellen, so dass für alle gleiche Chancen bestehen. Das setzt den Mut voraus, Prioritäten in den Budgets der Bundesländer zu setzen. Man muss sich dann mit denen streiten, die andere Prioritäten haben, wie zum Beispiel den Straßenbau.“

Ihr

 

Gernot Herz

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Ein, 21.11.2008 14:06:
-"Akademikerkinder werden noch immer mehr als dreimal so häufig aufs Gymnasium geschickt wie Arbeiterkinder, obwohl sie das Gleiche leisten." Und auf dem Gymnasium lernen sie dann auch den richtigen Gebrauch von "wie" und "als"...
Bernd, 26.11.2008 12:54:
...häufiger als, aber so häufig wie