Planvolle Bildungspolitik sieht anders aus

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als Lehrer gehören wir mittlerweile zu einer statistisch dauerbeleuchteten Spezies. Die aktuelle Untersuchung der EU - Kommission zu den Schlüsselzahlen zum Bildungswesen in Europa hat wieder einmal Ergebnisse hervor gebracht, die Zweifel an den langfristigen Planungen der Schulpolitiker der Länder aufkommen lassen. Deutsche Lehrer gehören demnach zu den ältesten Europas. Fast jeder zweite ist über 50 und wird in den kommenden 10 bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen, besonders an Grundschulen fehlt es an jungen Lehrern. Die Bildungskommission warnt: Das hohe Durchschnittsalter schade der Unterrichtsqualität, der Beruf sei zu unattraktiv. Dazu haben andere Untersuchungen ergeben, dass zu wenig neue Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet werden, um die Pensionierungswelle aufzufangen.

Dieser Eindruck wird noch durch eine Meldung von Anfang Juni 2009 verstärkt, wonach der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg moniert, dass die Landesregierung aus den letzten Einstellungsrunden zu wenig gelernt hat. Wieder müssen zu viele Lehrer nach Beendigung des Vorbereitungsdienstes der Schule den Rücken kehren. Allein im Grund- und Hauptschulbereich stehen 3.303 Alt- und Neubewerbern nur 1.000 Einstellungszusagen gegenüber. Von insgesamt 9.835 Bewerbern werden 5.000 übernommen, und das vor allem dazu, um ausgeschiedene Lehrkräfte zu ersetzen. Auch in Rheinland - Pfalz sind viele gerade ausgebildete Kolleginnen und Kollegen in die Sommerferien gegangen, ohne eine Stellenperspektive für das kommende Schuljahr. Selbst Examen mit einer „1“ vor dem Komma garantieren keine Planstelle. Bedenklich wird man dann noch gestimmt, wenn man die steigende Verschuldung der öffentlichen Haushalte betrachtet, denn es steht zu befürchten, dass die vermeintliche Aufbruchstimmung im deutschen Bildungswesen in den nächsten Jahren dem Finanzdiktat zum Opfer fällt.

Ihr

 

Gernot Herz

Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

* Pflichtfeld

*

*
*
Eberhard, 24.07.2009 12:51:
Dass bei Unterricht " mit älteren Lehrern ein Sinken der Unterrichtsqualität zu beobachten" sei, glaube ich nicht. Aus aus eigener Erfahrung nicht. Ältere Lehrer können viel flexibler reagieren, spontan den Stoff ändern, mit treffenderem Material arbeiten. Junge Lehrer ziehen oft ihren -im besten Falle- vorbereiteten "Plan" durch, benutzen oft konstruiertes, aber wenig erprobtes Material. Als lasst uns (durch zahlreiche Fortbildungen) gegangenen älteren Semester bitte ruhig das Arbeitsleben beenden, um dann den Ruhestand genießen zu können, falls das überhaupt noch möglich ist... ek. (Gymnasiallehrer,57)