Politik versus Verbände: Bundeswehr in die Schule?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auf www.bildungsklick.de war zu lesen, dass die einzelnen Bundesländer zunehmend Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr abschließen. Darin wird die Zusammenarbeit mit den Jugendoffizieren in der politischen Bildung an den Schulen vereinbart. Die Bundeswehr wird damit offizieller Bildungspartner der Kultusministerien – sowohl im Unterricht als auch im Rahmen von Lehrerfortbildungen in Sicherheitsfragen, wozu beispielsweise auch Exkursionen in Kasernen zählen.
So sieht zum Beispiel die Kooperationsvereinbarung in Baden-Württemberg die Möglichkeit vor, die Jugendoffiziere in die Aus- und Fortbildung von Referendaren sowie von Lehrkräften einzubinden. Eltern, Lehrergewerkschaften und Friedensorganisationen sehen diese Kooperationsvereinbarungen teilweise sehr kritisch.
Ich bin auch der Meinung, dass man an die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr nicht zu unkritisch herangehen darf. Auch sie betreibt mit solchen Aktionen Lobbyarbeit, verfolgt Ziele, die sie auch erreichen will. Jede Lehrerin und jeder Lehrer sollte bzw. muss sich vorher Gedanken machen, wie sie/er das Thema Friedens- oder Sicherheitspolitik möglichst kontrovers in den Unterricht einbinden kann.
Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass der vom Bundestag beschlossene und von den vergangenen Bundesregierungen verteidigte Afghanistaneinsatz in der Bevölkerung viel kritischer gesehen wird. Sicher, die Bundeswehr ist lediglich ein Instrument dieser Politik, aber man bedient sich ja schließlich der zweckmäßigsten Instrumente. Wie sieht es eigentlich mit dem Bildungsauftrag der Bundeswehr aus, wenn sie zu Freiwilligenarmee wird, was mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen werden kann? Dann gibt es auch nicht mehr den „Staatsbürger in Uniform“ wie er bisher beschworen wurde. Muss man dann neue Kooperationsverträge abschließen?
Trotz aller kritischen Anstöße kann ich aus eigener Erfahrung die bisherigen Kontakte mit den Jugendoffizieren der Bundeswehr nur positiv bewerten, denn sie haben sich nicht als reine Erfüllungsgehilfen geriert, sondern Themen sehr kontrovers in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern besprochen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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