Schneller?! - Abitur nach 12 Jahren
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
eine tolle Idee ist das: das Abitur schaffen unsere Schüler schon nach zwölf Jahren. So ist es in einigen Bundesländern eingeführt und in den anderen geplant. Dadurch werden wir wettbewerbsfähiger, weil in anderen Ländern der Welt die Abiturienten schließlich jünger sind als bei uns. Diese Umstellung schafft definitiv ein Problem für die Universitäten, denn dort sollen die Abiturienten möglichst schnell ihren Abschluss erreichen, damit sie, wie z.B. in Großbritannien, im Schnitt mit 25 ihren Hochschulabschluss haben. Allerdings, „produziert die Umstellung auf eine verkürzte Schulzeit einen doppelten Abiturjahrgang. Der letzte Jahrgang mit einer 13-jährigen Schulzeit wird gleichzeitig mit dem ersten „Abi-nach-zwölf“- Jahrgang seine Studienberechtigung erlangen. Je nach Bundesland werden zwischen 2007 und 2014 bis zu 65.500 (im Jahr 2011) zusätzliche Abiturienten entlassen“, wie der Bundeselternrat vorrechnet. Dass unter solchen Bedingungen die Abschlüsse an den Universitäten eher verlangsamt als beschleunigt werden, ist angesichts aktuell schon überfüllter Hörsäle zu erwarten.
Hinzu kommt noch, dass der Lernstoff nicht reduziert, sondern die Wochenstundenzahl einfach erhöht wird. Oberstufenschüler erreichen eine Wochenarbeitszeit in der Schule, die den meisten Branchen entspricht (39!), wie eine Schülerin aus Hamburg bemerkt. Jeder kann sich ausrechnen, dass dazu noch mehrere Stunden pro Woche hinzu kommen, denn Hausaufgaben, Vorbereitung von Klausuren und Ausarbeitung von Facharbeiten kann man nicht nebenbei erledigen.
Im ZDF war bei „Berlin Mitte“ das ganze Ausmaß dieser fragwürdigen Entscheidung zu beobachten, denn der Schwarze Peter wurde hin und her geschoben und keiner wollte daran Schuld sein. Dass es auf die Kultusminister zurückzuführen ist, liegt doch auf der Hand und warum die Wirtschaft jüngere Absolventen haben will, unterstelle ich mal ganz polemisch, auch: Jüngere kann man besser verheizen!
Dass am Ende insbesondere die Schüler, die Eltern und die Lehrerschaft unter diesem Witz leiden müssen – und zwar in dieser Reihenfolge – ist zu erwarten und schon feststellbar. So ein Abitur führt zu mehr Selektion im Bildungsbereich, denn wer kann diesen Stress überhaupt durchstehen? Diejenigen, die zuhause die nötige Unterstützung durch ein gebildetes und finanziell gut ausgestattetes Elternhaus haben. Die Forderung, dass möglichst viele zum Abitur geführt werden sollen, wird dadurch an den Rand gedrängt!
Übrigens: Wenn auch noch die Einschulung mit fünf kommt, haben wir bald 16 -jährige Abiturienten, die dann fern des Elternhauses studieren.
Haben Sie selbst schon Erfahrungen gemacht in diesem Bereich? Fallen Ihnen vielleicht andere Aspekte eine, die noch nicht geäußert wurden? Sehen Sie das „Turbo – Abitur“ eher positiv?
Schreiben Sie mir an
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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