Schöne neue (teure) Welt!?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es sieht aus wie ein großer flacher Computermonitor und ist etwas kleiner als eine herkömmliche Tafel. Ein Beamer wirft von oben das Bild auf die weiße Oberfläche. Auf ihr kann man mit Fingern und speziellen Stiften schreiben, im Internet surfen, Bilder und Videos zeigen, Musik und Hörbücher abspielen und eben alles machen, was ein Computer heutzutage so kann. Das interaktive Whiteboard ist Tafel, Overhead-Projektor, Film- und Informatikraum, Stereoanlage und digitale Bibliothek in einem.

Die Kinder lieben die E-Tafel. Sie motiviert sie. Sie kommen lieber nach vorne, um etwas daran zu schreiben. Selbst Forscher zeigen sich angetan, weil das Gerät veränderten Schülerinteressen Rechnung trägt. Damit tun sich allerdings einige Lehrer schwer. Während jüngere Pädagogen Whiteboards meist begeistert in ihren Unterricht einbauen, sind viele ältere technisch überfordert und skeptisch. Die Boards polarisieren im Kollegium. Kritiker der Digitaltafeln warnen vor einer frontalen Multimedia-Show, zu hohen Kosten, Technikfetischismus, zu starker Strahlenbelastung und zu viel Aufwand bei der Stundenvorbereitung.

Doch die Lawine, die ins Rollen gekommen ist, werden sie wohl nicht aufhalten können. Interaktive Whiteboards sind in der deutschen Pädagogik-Szene der letzte Schrei, wie sich auf der größten deutschen Bildungsmesse Didacta im Februar in Hannover zeigte.

Die Möglichkeiten des Mediums sind zweifellos immens, insbesondere in visuellen Fächern wie Geographie, Mathematik und Kunst. Lehrer können das Tafelbild der vorigen Stunde wieder aufrufen und fortsetzen. In Kunst können sie Werke zeigen und verändern, in Mathe den Satz des Pythagoras verbildlichen. Beim Thema Werbung können Schüler Spots drehen und angucken. Kranken Schülern kann das Tafelbild per E-Mail nach Hause geschickt werden.

Allerdings: nur drei bis vier Prozent der rund 40.000 allgemeinbildenden deutschen Schulen sind bislang mit Whiteboards ausgerüstet. Woran liegt das? 2000 bis 3000 Euro kostet ein neues Board. In Großbritannien ist die Mehrzahl der Schulen bereits mit Computertafeln ausgerüstet - ebenso wie viele neuere deutsche Privatschulen. Ob das ins Stocken geratene Konjunkturpaket II für den Bildungsbereich hier Abhilfe schafft? Oder gibt es wichtigere Investitionen in die Bildung als High - Tech - Geräte, über deren unterrichtlichen Mehrwert sicher kontrovers diskutiert werden kann/muss? 

Ihr

 

Gernot Herz

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Peter, 06.06.2009 22:20:
In den interaktiven Whiteboards sehe ich eine große Chance zur Verbesserung des Unterrichts. Es muss nicht gleich ein Multimediaevent sein, was an der Wand zu sehen ist, manchmal reicht es auch schon, ein per Beamer projeziertes Tafelbild durch Einkreisen von Begriffen zu unterstützen oder Textteile schnell mal anders anzuordnen. So sehe ich als älterer, fast pensionierter Kollege dies. Angst muss nicht sein.
Markus, 07.06.2009 12:43:
Sehr geehrter Herr Herz Den Klügsten und den Gescheitesten vergangener Tage war eines gemeinsam: Sie hatten nichts von dem ganzen technischen Schnickschnack, den wir heute für unverzichtbar halten. Im Ernst: Ich habe den Eindruck, dass die Faszination, die vom jeweiligen Medium ausgeht, das Interesse amk damit zuvermittelnden Stoff übersteigt und zwar sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrerinnen und Lehrern. Als Computer-Poweruser habe ich vor technischen Neuerungen keine Angst. Sie verbessern aber den Unterricht nicht. Die Unterrichtsqualität ist ganz wesentlich von der Persönlichkeit der Lehrperson abhängig und nicht vom technischen Zugemüse. Freundliche Grüsse Markus Müller